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Wahrer Augenöffner - Zu Besuch im Greisinger Museum

; Quelle: HDRF

Er gehört zu einem der bedeutendsten Tolkien-Sammler der Welt und hat sich erfüllt, wovon viele Tolkien-Fans träumen: Eine echte Hobbithöhle im eigenen Garten. Das mussten wir uns natürlich anschauen und haben Bernd Greisinger und seine beeindruckende Mittelerde-Sammlung im schweizerischen Jenins besucht.

Umgeben von den schneebedeckten Bergen blickt man von Bernd Greisingers Grundstück am Hang des 2376 Meter hohen Vilan weit übers Rheintal. Die Aussicht ist atemberaubend. Über den Garten erreicht man die eindrucksvolle Hobbithöhle, die inspiriert durch Zeichnungen von John Howe aus hochwertigen Materialien in den Hang unterhalb des Hauses gebaut wurde. Kaum hat man die massive Eichentür mit den Eisenbeschlägen und raffiniertem Schließmechanismus hinter sich gelassen, steht man in der berühmten Eingangshalle und stößt sich, wenn man nicht aufpasst, sogar den Kopf am Kronleuchter, denn Beutelsend hat natürlich Hobbitmaß.

Es war eine Hobbithöhle, und das bedeutet Behaglichkeit.

– J.R.R. Tolkien

Alles wirkt außergewöhnlich authentisch, wenn man kleine moderne Details, wie Steckdosen, die Fußbodenheizung und das Belüftungssystem ignoriert. Richtig gemütlich wird’s im Kaminzimmer, mit dem typischen Kamin, dem filminspirierten Butzenfenstern und den beiden urigen Holzstühlen (die eigentlich aus China kommen). Da wird einem sogleich warm ums Hobbitherz und man wünscht sich nichts sehnlicher, als sofort einzuziehen um sich gemütliche Leseabenden am Kaminfeuer hinzugeben.

Im dritten Raum der Hobbithöhle stapeln sich derzeit provisorisch noch unscheinbar und in Luftpolsterfolie verpackt einige Gemälde, die einen wichtigen Teil der Greisinger Mittelerde Collection (kurz GMEC) darstellen. Denn Bernd Greisinger besitzt mit über 600 Original-Gemälden von über 100 Künstlern (darunter Alan Lee, Ted Nasmith, Roger Garland, Gebrüder Hildebrandt und vielen anderen) die größte und bedeutendste Gemäldesammlung zu Mittelerde überhaupt. Besonders stolz ist er auf die Gemälde, die zur Illustration bekannter Buchcover dienten.

Viele der Bilder sollen im Laufe des Jahres aber in den Räumen des Mittelerde-Museums ausgestellt werden, das Bernd Greisinger derzeit unterirdisch auf seinem Grundstück mitten in den Alpen baut. Der Fantasy ist er schon lange verfallen. Bereits in den 90er Jahren hat Bernd Greisinger Fantasy-Rollenspiele gespielt („Midgard“) und war bis 2006 regelmäßig auf LARPs (insgesamt 60 Cons). Mittlerweile nimmt der Bau des Greisinger Museums seine gesamte Freizeit ein. Deshalb geht es anschließend für uns ins Heiligtum: Die Bibliothek. Seit 2005 sammelt Bernd Greisinger nämlich seltene Ausgaben der Tolkien-Bücher.

In kurzer Zeit hat er eine beachtliche Sammlung mit 3.000 Exponaten auf die Beine gestellt. Darunter alle Drucke der englischen Erstausgaben von „The Lord of the Rings“ und jeweils ein Exemplar aller englischen Auflagen von „The Hobbit“ von 1937 bis 1999. Aber das Highlight sind natürlich die von J.R.R. Tolkien selbst signierten Bücher, darunter eine Erstausgabe von „The Hobbit“ aus dem Jahr 1937, für die Bernd Greisinger einen sechsstelligen Betrag (in Schweizer Franken) hingeblättert hat. Außerdem eine Erstausgabe von „The Lord of the Rings“ von Tolkien signiert und mit Widmung in Quenya, die seiner Freundin Elaine Griffiths (1909 -1996) gilt: „Elainen tárin Periondion ar meldenya anyáran.“ („ Für Elaine, Königin der Hobbits und meine sehr alte Freundin.“) . Wie Tolkien-Fans wissen ist es unter anderem Elaine Griffiths zu verdanken, dass „Der Hobbit“ überhaupt als Buch veröffentlicht wurde.

Dagegen wirken die weiteren Sammlerstücke fast schon trivial, so wie eine amerikanische Erstausgabe (1955) von „The Lord of The Rings“, einer gewissen Deirdre Levinson gewidmet oder eine italienische Erstausgabe (1971), die Tolkien für seinen Freund Professor Talbot d'Alessandro signiert hat. Nicht zu erwähnen die signierten Bücher „Farmer Giles of Ham“, „The Adventures of Tom Bombadil” oder „Smith of Wootton Major”. Dabei wäre jedes einzelne dieser Bücher vermutlich DAS Highlight in jeder anderen Sammlung.

Ohne Zweifel besitzt Bernd Greisinger damit nicht nur eine der bedeutendsten sondern auch wertvollsten Tolkien-Sammlungen überhaupt. Nicht das teuerste, aber dafür das schönste Stück seiner Sammlung ist übrigens eine extrem seltene Kopie des handgeschriebenen und in rotes Leder gebundenen Roten Buchs der Westmark (bestehend aus „The Hobbit“ und „The Lord of the Rings“) des Ungarn Hari Istvan. Unterstützung beim Aufbau seiner Bibliothek und wertvollen Rat findet Bernd Greisinger übrigens bei dem belgischen Sammler Pieter Collier (Tolkien Library), der sich seit vielen Jahren mit dem literarischen Erbe des Professors auseinandersetzt..

Weiter geht’s für uns in die Ausstellungsräume, die sich derzeit noch im Bau befinden. Auf etwa 300 Quadratmetern sollen dort später Bücher, Gemälde und Collectibles in der jeweils passenden Umgebung ausgestellt werden. Ziel ist es, dass die Räume verschiedene Stationen von Mittelerde symbolisieren und durch ihr besonderes Ambiente den Besucher in die Welt Tolkiens entführen. Gemeinsam mit „Creative Director“ Ivan Cavini und „Art Director“ Davide Martini, sowie der Unterstützung seines Vaters Wolfgang baut Bernd Greisinger Erlebnisräume mit übergroßen Kreaturen und atmosphärischen Ausstellungsflächen.

So wartet etwa im Moria-Raum ein gewaltiger Balrog, der Übergang von Rohan nach Gondor wird von den Argonath bewacht und im Fangorn-Raum beugt sich ein 7 Meter großer Baumbart unter der Decke. Dafür ist das museumseigene Kino mit einer lebensgroßen Smaug-Skulptur an der Decke, bereits fertig. Einen besseren und exklusiveren Ort für eine Herr-der-Ringe-Filmnacht gibt es kaum (mal abgesehen von Peter Jacksons Privatkino vielleicht).

Bleibt die Frage, wie Bernd Greisinger dieses Unternehmen finanziell stemmen kann. Darüber spricht der gebürtige Mainzer aber nicht so gerne. Deshalb beschränken wir uns darauf zu erwähnen, dass er sich kürzlich zur Ruhe gesetzt hat, nachdem er Anfang des neuen Jahrtausends als Fondsmanager an der Börse recht erfolgreich war. Jetzt ist er Privatier und hat sich ganz und gar seiner Leidenschaft zu Tolkiens Werken verschrieben. Sein Traum eines Mittelerde-Museums nimmt langsam Form an.

Aber noch fehlt an vielen Stellen die Farbe und es muss noch einiges gemacht werden. Spätestens im September 2013 sollen die Arbeiten dann abgeschlossen sein und das Museum auch für Besucher geöffnet werden. Die Gruppen will Bernd Greisinger selbst durch die Räume führen. Er hat ja jetzt Zeit und wenn einer seine Sammlung gut kennt, dann ist er es selbst. Und falls ihm das eines Tages zu langweilig werden sollte, hat er auch schon eine Idee für ein neues Projekt: Ein Silmarillion-Museum.

Offizielle Infos zu der Sammlung und dem Greisinger Museum gibt es auf der offiziellen Website www.gmec.ch.

(Übersetzungen dieses Artikels gibt es in englischer und in italienischer Sprache.)

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