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REZENSION: Tolkien und der erste Weltkrieg

; Quelle: HDRF

Biografien zu J.R.R. Tolkien legen den Schwerpunkt oft auf die Zeit, zu der Tolkien in Oxford gelehrt hat und zu der auch DER HERR DER RINGE entstanden ist bzw. die Jahre danach. Jugend und Krieg werden gewöhnlich nur in einem kurzen Abschnitt abgehandelt. Das Bild des kauzigen, Pfeife rauchenden, Professors, der sich als Hobby eine mythologische Welt erdenkt, herrscht in den Köpfen vor. Doch mit seiner Tolkien-Biografie TOLKIEN UND DER ERSTE WELTKRIEG zeichnet der britische Journalist und Tolkien-Forscher John Garth nun erstmals ein komplett neues Bild von J.R.R. Tolkien.

John Garth sieht J.R.R. Tolkiens Sehnsucht eine eigenen Mythologie zu erschaffen stark durch die traumatischen Ereignisse motiviert, die der Autor als britischer Offizier im Ersten Weltkrieg durchlebte. Wenn er beschreibt, wie Tolkiens intellektueller Freundeskreis, die Barrovian Society, mit Beginn des Ersten Weltkriegs ein jähes Ende findet, wie Tolkien und seine Freunde die geliebten Bücher gegen die Uniformen tauschen müssen und wie die meisten von ihnen von den Schlachtfeldern an der Somme nicht mehr zurückkehren, dann ist das von einer tiefen Traurigkeit durchzogen, aber zugleich der Erkenntnis, dass genau diese Ereignisse es erst möglich gemacht haben, was später Millionen von Lesern an Tolkiens Texten so faszinierte.

John Garth zeichnet ein beispiellos detailliertes und eindrucksvoll recherchiertes Bild der Ereignisse während der Kriegsjahre. Dem zugrunde liegen diverse Augenzeugenberichte, militärischen Dokumentationen über Truppenbewegungen und Einsätze in Frankreich, so wie Briefe von Soldaten und von Tolkien selbst. Immer wieder zieht er dabei die Parallelen zwischen Tolkiens Kriegserfahrungen und dem epischen Gesamtwerk. Vor allem bei Tolkiens Schilderung von mythologischen Kriegsereignissen, ob nun im SILMARILLION (Angriff auf Gondolin) oder im HERRN DER RINGE (Schlacht auf dem Pelennor) sieht er Tolkiens Erlebnisse stark einfließend. Aber nicht nur was militärische Vorgänge angeht, sondern auch die Beziehung der Männer in den Schützengräben. So ist die Beschreibung der Freundschaft zwischen Frodo und Sam stark geprägt von Tolkiens Erfahrung der Männerfreundschaften an der Front. Dabei interpretiert Garth Tolkiens Mythenschöpfung aber nie als Flucht oder gar Verdrängung der Erlebnisse, sondern als Tolkiens Drang das Gesehene dichterisch in eine Form zu bringen.

Auch wenn die schiere Masse an historischen Details, zeitlichen Einordnungen und militärischen Zusammenhängen den Leser manchmal zu erschlagen scheinen, so gelingt es Garth dennoch, auch immer wieder ergreifende Momente zu schaffen und eine wichtige Seite der Person J.R.R. Tolkien darzustellen, deren Betrachtung bisher vernachlässigt worden ist.

Lobend erwähnen muss man bezüglich der deutschen Fassung von Klett Cotta natürlich zudem, dass mit Marcel Aubron-Bülles und Birgit Herden zwei Übersetzer gefunden werden konnten, die über ein fundiertes Hintergrundwissen zu Tolkien verfügen. Besser kann man es sich nicht wünschen.

TOLKIEN UND DER ERSTE WELTKRIEG. DAS TOR ZU MITTELERDE ist der fehlende Baustein, der das vorherrschende Bild des Oxford-Professors J.R.R. Tolkien exzellent und notwendigerweise komplementiert. Eine der besten Biografien, die es über den Schöpfer von Mittelerde gibt.

Tolkien und der Erste Weltkrieg. Das Tor zu Mittelerde

  • Autor: John Garth
  • Übersetzung: Marcel Aubron-Bülles, Birgit Herden
  • Gebundene Ausgabe: 464 Seiten
  • Verlag: Klett-Cotta;
  • Veröffentlichung: 24. März 2014
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3608960597
  • ISBN-13: 978-3608960594
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