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Exklusives Interview zur neuen Luxus-Ausgabe

08.08.2008 von Cirdan; Quelle: HDRF

Ende September erscheint DER HERR DER RINGE in einer neuen limitierten Luxusausgabe im Schafsledereinband, ausgestattet mit prächtiger Sonderausstattung und Prägung in Echtgold! Und zwar in der alten Übersetzung von Margaret Carroux! Ich habe mit Stephan Askani, dem zuständigen Lektor bei Klett-Cotta, über diese Neubearbeitung, die Änderungen und die Hintergründe gesprochen.

CIRDAN: Herr Askani, Sie arbeiten derzeit an einer Neubearbeitung von DER HERR DER RINGE. Können Sie mir mehr darüber erzählen?

ASKANI: Ich denke, das Wort "Neubearbeitung" ist fast ein bisschen hoch gegriffen. Zusammen mit Lisa Kuppler aus Berlin habe ich die Übersetzung von Margaret Carroux noch einmal neu durchgesehen. Frau Kuppler wurde von uns aufgrund ihrer umfangreichen Kenntnis von Tolkiens Texten und den Übersetzungen beauftragt.

CIRDAN: Was unterscheidet denn genau diese neue Ausgabe von den Carroux-Ausgaben, die schon in so manchem Bücherregal stehen?

ASKANI: Zunächst gibt es Unterschiede, die ganz banal sind. Wir haben beispielsweise die Rechtschreibung überarbeitet. Die Carroux-Übersetzung erscheint jetzt erstmals in der neuen Rechtschreibung. Aber wir sind den Text auch noch einmal anhand von Äußerungen von J. R. R. Tolkien durchgegangen. Es gibt von Tolkien Anmerkungen zu der Übersetzung von Ortsnamen aus Korrespondenzen mit dem niederländischen Übersetzer. Da erläutert er, wie er diesen oder jenen Namen meint. Und so etwas können wir heute berücksichtigen, Margaret Carroux lagen diese Informationen bei ihrer Übersetzung damals aber noch nicht vor.

CIRDAN: Können Sie da ein Beispiel nennen?

ASKANI: Zentrale Ortsnamen haben wir natürlich nicht geändert: Das Auenland heißt auch weiterhin Auenland. Aber es gibt ein gutes Beispiel. Es gibt bei Tolkien eine Landschaft, die wurde früher mit "Das Luch" (org. The Yale) übersetzt. In den Übersetzunghinweisen für den holländischen Übersetzer schreibt Tolkien, es handle sich dabei um eine abwechslungsreiche Landschaft mit Erhebungen. Da passt "Das Luch" einfach nicht. Tolkien wollte, dass die Bezeichnung trotzdem irgendwie hobbitisch klingt. Daher haben wir den Namen in "Die Hugel" geändert, eine Abwandlung von "Die Hügel", weil wir der Meinung sind, dass dies eher Tolkiens Intention entspricht. Aber es gibt noch viele weitere Beispiele, so wurde in der neuen Ausgabe "Tuckborough" statt mit dem alten "Buckelstadt" treffender mit "Tuckbergen" übersetzt. Wir beziehen uns jetzt auch erstmals auf die revidierte englische Ausgabe von Harper Collins aus dem Jahr 2004. In dieser Ausgabe hat Tolkiens Sohn Christopher Tolkien, der das Erbe und das Werk verwaltet, einige Korrekturen vorgenommen. Daran orientieren wir uns. Das wird dem gewöhnlichen Tolkien-Leser nicht auffallen, aber den Tolkien-Spezialisten freut es natürlich.

CIRDAN: Gleichen Sie die Übersetzung denn komplett noch einmal Wort für Wort ab? Es gibt ja einige Fehler in der Carroux-Ausgabe, wo dann beispielsweise aus dem "White Tree" ein "Weißer Turm" wurde und Ähnliches.

ASKANI: Nein, nicht Wort für Wort. Natürlich gibt es bei so einem umfangreichen Werk auch mal Fehler. Aber wir haben alle Fehler, die uns bekannt waren, verbessert.

CIRDAN: Haben Sie bei der Überarbeitung auch Anregungen von Lesern angenommen, die beispielsweise dem Verlag geschrieben haben?

ASKANI: Normalerweise werden solche Hinweise auf Fehler immer gesammelt. In diesem Fall hatte Frau Kuppler aber bereits aufgrund ihrer langjährigen Beschäftigung mit dem Text einen umfangreichen Überblick. Und von Verlagsseite weiß auch ich, auf welche Stellen es ankommt. Und das haben wir zusammengeführt. Übersetzungsvorschläge von Lesern können wir nicht berücksichtigen, denn das gäbe ja dann gar keine geschlossene Übersetzung mehr. Entsprächen wir allen Änderungswünschen, dann würde sich der deutsche Text quasi auflösen. Hinweise auf eindeutige Übersetzungsfehler haben wir aber auf jeden Fall berücksichtigt. Das ist ganz klar!

CIRDAN: Wie lange hat die Überarbeitung insgesamt gedauert?

ASKANI: Das kann man gar nicht so genau sagen. Frau Kuppler beschäftigt sich schon seit vielen Jahren mit dem Text und hat an Universitäten auch schon Vorträge zu den Tolkienübersetzungen gehalten. Konkret arbeiten wir seit Januar 2008 an der Überarbeitung, die wir Ende Juli 2008 abgeschlossen haben.

CIRDAN: Warum erscheint nach der neuen und bei vielen Lesern umstrittenen Übersetzung von Wolfgang Krege jetzt wieder eine Carroux-Ausgabe? Ist das eine Art Eingeständnis an die Leser, die Kreges Version nicht mochten? Warum diese Entscheidung?

ASKANI: Eins vorweg: Sowohl Kreges als auch Carrouxs Übersetzung sind beide ganz hervorragend! Und ich habe Herrn Krege noch persönlich gekannt und schätze ihn und seine Übersetzungsarbeit außerordentlich. Ich bin der Meinung, dass die Angriffe und Einwände gegen seine Übersetzung zum großen Teil auf Missverständnissen beruhen. Wolfgang Krege beschreibt im Nachwort, dass sein Anspruch war, den Text so zu übersetzen, als ob er heute erzählt würde. Er wollte bewusst etwas Anderes machen als Carroux. Und daran haben manche Anstoß genommen. In den letzten Jahren haben wir zwei sehr hochwertige Sonderausgaben in Ledereinband gemacht, die beide die Krege-Übersetzung enthielten. Aber wir wissen natürlich, dass viele Leute auch die Carroux-Übersetzung sehr schätzen – im Übrigen Wolfgang Krege auch. Und da lag es nahe, jetzt auch mal eine Sonderausgabe für diese Leser herauszubringen. Der Verlag steht nach wie vor zu der Krege-Übersetzung, das ist gar keine Frage.

CIRDAN: Wie würden Sie die Übersetzungen von Margaret Carroux und Wolfgang Krege vergleichen?

ASKANI: Die beiden Texte haben zwei ganz unterschiedliche Zielsetzungen, deswegen ist es gar nicht sinnvoll, sie gegeneinander auszuspielen. Und beide Übersetzungen stehen einzigartig nebeneinander. Das ist nicht ungewöhnlich. Von vielen großen literarischen Werken gibt es mehrere gute Übersetzungen, ob bei Marcel Proust oder James Joyce. Es gibt eine Ausgabe von FINNEGANS WAKE mit sieben unterschiedlichen Übersetzungen in einem Band. Da kann man sich die Vorzüge jeweils anhand des Originals vergegenwärtigen. Es gibt einfach Texte, die sind so gut, dass sie mehrere Übersetzungen vertragen.

CIRDAN: Ist das dann der nächste Schritt? DER HERR DER RINGE von Krege und Carroux in einer Ausgabe zusammen mit dem englischen Original?

ASKAINI: Das sehen wir mal (lacht). Ich sehe das so, dass wir bei DER HERR DER RINGE nicht den Nachteil, sondern den Vorteil haben, dass es zwei gute Übersetzungen gibt! Und der Original-Text ist so vielfältig und vielseitig, dass er das hergibt.

CIRDAN: Was war denn Ihr persönlicher Bezug zu Tolkien, vor der Arbeit an dieser neuen Ausgabe?

ASKANI: In gewisser Hinsicht ist Tolkien erzählerisch und sprachlich einzigartig. Mit dem Satz „In einem Loch im Boden, da lebte ein Hobbit.“ hat er die moderne Fantasy begründet. Dadurch wurde ein ganzes Genre erfunden. Jetzt bei der Arbeit an dem Text ist mir immer wieder klar geworden, dass Tolkien auch von seiner Bildung her eine Ausnahmeerscheinung war. Sein Werk ist unglaublich komplex und feingliedrig ausgearbeitet. Aber das ist für mich nicht einmal das Wichtigste. Was mich immer wieder beeindruckt, ist die atmosphärische Dichte und das Gemütvolle. Normalerweise gibt es in der Fantasy ja viel Waffenklirrendes, und es gibt viele Autoren, die versuchen, Tolkien nachzuahmen und eine Mythologie zu erfinden. In solchen Romanen geht es dann meistens darum, dass Orks furchtbare Dinge anrichten. Aber DER HERR DER RINGE ist eigentlich eines der schönsten Bücher über Freundschaft. Und diese Geschichte über die Freundschaft finde ich sehr anrührend. Und welcher Heranwachsende hätte nicht gerne auch solche Freunde, wie es die Protagonisten bei Tolkien haben? Das hört sich vielleicht sentimental an, aber ich bin gerne mit diesen Figuren zusammen.

CIRDAN: Unterscheidet das Tolkien von anderen Fantasy-Autoren?

ASKANI: Ja, an Feinfühligkeit und Atmosphäre kommen die anderen Autoren einfach nicht mit. Und das beginnt schon bei dem Kapitel übers Pfeifenkraut. Ich glaube, Tolkien ist nicht ohne Grund der Lieblingsautor von vielen Lesern. Aber es gibt noch andere Vorzüge bei ihm. Als Lektor achte ich bei Manuskripten, die ich bekomme, immer auf das Erzähltempo. Erzählen ist gestaltete Zeit. Und man unterscheidet zwischen erzählter Zeit und der Erzählzeit. Das Verhältnis zwischen den beiden bezeichnet man als das Tempo. Und ein richtig guter Erzähler beherrscht das Tempo und die Tempowechsel. Bei Tolkien gibt es ganz gelungene Tempo-Wechsel. Beispielsweise nimmt er sich viel Zeit für eine Szene, in der die Gefährten eine Rast machen, sich mit Elbenbrot stärken und Lieder singen. Aber dann kommt eine Passage, die ein völlig anderes Tempo hat. Wenn es beispielsweise um Schlachten geht oder die Handlung dramatisch wird. Es zeichnet einen Autor aus, wenn er solche Übergänge schafft. Und so perfekt beherrschen das nur Thomas Mann und J. R. R. Tolkien.

CIRDAN: Ich danke Ihnen für das Interview.

(Dieses Interview wurde am 28. Juli 2008 geführt.)

Diese HERR DER RINGE Luxusausgabe enthält alle drei Bände, die Anhänge und Register und eine zweifarbige Karte von Mittelerde in einer Einstecktasche. Die Ausgabe wird am 29.09.2008 erscheinen. Wer sie bis zum 31.01.2009 bestellt, erhält sie zum Einführungspreis von EUR 98,– (sFr 166,–). Ab dem 01.02.2009 wird der Edel-Roman EUR 128,– (sFr 216,30) kosten. Die Auflage ist auf 7.777 Exemplare limitiert!!

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