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Die Chroniken der Trilogie

Die frühen Jahre (1978 – 1994)

1978

Als der 17-jährige Filmfan Peter Jackson im Jahr 1978 mit Freunden ins Kino geht, um sich einen neuen Zeichentrickfilm anzuschauen, ahnt er nicht, dass dieser Film sein Leben entscheidend verändern wird. Er hat keine Ahnung, worum es in diesem Fantasy-Film genau gehen soll, aber er hat gehört, dass dieser Streifen eher für Erwachsene gemacht worden sei, als für Kinder. Als Verehrer von Filmemacher Ray Harryhausen hat Peter Jackson schon früh sein Faible für Fantasy-Filme entdeckt, also darf er auch diesen Film nicht verpassen. Draußen vor dem Kino verkündet das Kinoplakat: „Komm nach Mittelerde, eine Welt weit jenseits deiner Phantasie! ” und darüber in großen Lettern “Der Herr der Ringe, ein Film von Ralph Bakshi“

Was Jackson dann die nächsten zwei Stunden sieht, ist eher enttäuschend. In einer lieblos-psychedelischen Märchenlandschaft tummeln sich drollige Hobbits und Elben, die an Barbie-Puppen erinnern. Doch obwohl der Film sogar einige wenige atmosphärische Momente bietet, so überwiegen doch die enttäuschend lieblos gestalteten Szenerien. Und zu allem Übel bricht der Film dann auch noch mitten in der Handlung ab. Doch es ist nicht nur Enttäuschung, mit der Peter Jackson das Kino verlässt, auch so etwas wie Neugier macht sich in ihm breit. Jackson spürt, dass mehr hinter dieser Geschichte stecken muss.

Dies war zur jener Zeit, als Peter Jackson täglich zu seiner Ausbildungsstelle als Lithograph bei der Wellingtoner Zeitung The Evening Post radelt. Als sein Chef ihn für eine mehrtägige Weiterbildung nach Auckland schickt, kauft sich Jackson vor der langen Zugfahrt den Roman DER HERR DER RINGE, das Buch zu dem Zeichentrickfilm, der ihn so neugierig gemacht hat.

Und während der gesamten 14-stündigen Zugfahrt quer durch Neuseeland verschlingt Peter Jackson die Seiten des Romans geradezu. Diese Welt war noch viel größer und faszinierender als er es sich jemals vorgestellt hat. Diese Beschreibungen von Mittelerde waren so bildlich und so fantasiereich, dass sich Peter Jackson schwört, eines Tages einen richtig guten Film aus diesem Buch zu machen.

Zu diesem Zeitpunkt haben die Herr-der-Ringe-Filmrechte bereits eine längere Geschichte hinter sich. Einer Verfilmung seiner Werke stand der Autor Professor Tolkien zu Lebzeiten schon immer sehr kritisch gegenüber, denn dies war eine Sache, die außerhalb seiner Zuständigkeit lag und das wusste er. Bereits 1956 bewarb sich Walt Disney für die Filmrechte und Tolkien sicherte dem Kinderfilm-Mogul eine Option, wollte aber zuerst Drehbuchentwürfe sehen. Also setzte sich der Science-Fiction-Ikone Forrest J Ackerman (VAMPIRELLA) an ein Drehbuch für Disney und schickte es zwei Jahre später an den englischen Professor, der zutiefst geschockt war.

Das Drehbuch hatte fast nichts mehr mit seinem Original-Roman zu tun. Seine Orks liefen in Ackermans Version mit Federn und Schnäbel herum und Lothlórien war zu einer „Schloss Neuschwanstein“-Kopie verkommen, mit weißen Dächern und Türmchen. Und zu allem Überfluss tauchten die Adler in dieser B-Movie-Version alle paar Minuten auf. „So darf man den ´Herr der Ringe´ nicht entstellen“, schrieb Tolkien in einem wütendem Brief an Forrest J. Ackerman und zog unverzüglich alle Optionen auf die Filmrechte zurück. Interessanterweise wurde eben dieser Forrest J. Ackerman einige Jahrzehnte später ein guter Freund von Peter Jackson, aber das nur am Rande.

Nun ja, 10 Jahre vergingen und immer neue Angebote flatterten aus dem fernen Hollywood in das tolkienische Wohnzimmer, bis eines Tages ein Produzent namens Saul Zaentz (EINER FLOG ÜBER'S KUCKUCKSNEST) vor der Tür der Familie Tolkien stand. Im Auftrag von United Artists wollte auch er die Rechte für die Verfilmung erwerben und bot 10.000 britische Pfund. Da Saul Zaentz selber ein flammender Mittelerde-Fan war, konnte Tolkien nicht länger widerstehen und hoffte sein Werk in guten Händen. Er verkaufte Saul Zaentz die Filmrechte.

Heiße Favoriten für den Regiestuhl waren damals John Boorman (EXCALIBUR) und Stanley Kubrik (2001 - ODYSSEE IM WELTRAUM), doch beide lehnten ab, nachdem sie sich klar geworden waren, welchen Ansprüchen sie gerecht werden müssten. Der Roman war viel zu komplex, um als Film umgesetzt zu werden. Eine noch größere Schwierigkeit bereitete allerdings die fantastische Welt Mittelerde mit all ihrer Magie und ihren Kreaturen. Es schien unmöglich, geeignete Darsteller für die Hobbits zu finden und auch die unzähligen Monster und Kreaturen hätten einen enormen und unbezahlbaren Aufwand an Stop-Motion-Tricks bedeutet. Immer wieder wurde das Projekt aufgeschoben.

Einige Jahre nachdem J.R.R. Tolkien 1973 verstorben war, hatte der Trickfilm-Künstler Ralph Bakshi die einfache und vermeintlich geniale Idee, wie man es schaffen könnte, die technischen Herausforderungen zu bewältigen – Er wollte einen Zeichentrickfilm machen. In den Jahren zuvor war er mit den beiden Skandalstreifen FRITZ THE CAT (1972) und HEAVY TRAFFIC (1973) ins Gerede gekommen, in denen es hauptsächlich um Sex, Drogen und Rock n´ Roll geht.

Ralph Bakshi überzeugte Produzent Saul Zaentz und die Filmbosse bei United Artists und begann den Film im Rotoskopie-Verfahren zu produzieren. Bei diesem damals aufwendigen Verfahren, werden zunächst Real-Szenen mit echten Darstellern gedreht, die dann später per Hand überzeichnet werden. Der Effekt, den man dadurch erzielt, ist ein Zeichentrickfilm, mit sehr realistischen Bewegungen und Abläufen.

Doch der Film war für alle Tolkien-Fans eine große Enttäuschung, denn trotz seines Engagements war es Bakshi nicht gelungen, die Handlung und die Atmosphäre einzufangen. Sein Film zeigte mehr eine lieblose Aneinanderreihung verschiedener Szenen aus dem Roman, ohne jegliche Dramaturgie. Aber dennoch hatte der Film ein überraschendes Phänomen zur Folge: Da er mitten in der Handlung abbrach, wollten viele aufgebrachte Kinogänger nun wissen, wie die Geschichte weiter geht. So rannten also Scharen von Menschen in die Buchhandlungen und DER HERR DER RINGE tauchte ein zweites Mal in den Bestsellerlisten auf. Und einer von diesen Kinogängern war wie bereits erwähnt der junge Lithographen-Azubi Peter Jackson.

Der Samen für eine große Idee war gesät, aber der richtige Zeitpunkt für die Bewässerung war noch nicht gekommen. Jackson verstand zu dieser Zeit weder allzuviel vom Filmemachen, noch hatte er die Möglichkeiten, ein solches Projekt zu realisieren. Er übte sich in Geduld, bis seine Idee mehr und mehr verblasste.

Tatsächlich wurde Peter Jackson kurz nach seiner Ausbildung Filmemacher. Zunächst drehte er einige kleine Kurzfilme, bis er mit Freunden und Kollegen über 4 Jahre hinweg den Splatter-Film BAD TASTE realisierte, finanziert durch sein spärliches Lithographen-Gehalt. Mit der Filmrolle unter dem Arm marschierte er 1988 nach Cannes. Sein Films schlug ein wie eine Bombe und wurde von Horror-Fans gefeiert. Damit war Jacksons Grundstein für eine Regie-Karriere gelegt.

Weitere Filme folgten, bis Peter Jackson sogar für sein Drehbuch zu HEAVENLY CREATURES für den Oscar nominiert wurde. Die Jahre vergingen und Jacksons Idee aus seiner Jugend war längst in den Nebeln der Zeit verschwunden.

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