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Das Effekte-Special

Im Reich der Modelle

Jedem Hobbymodellbauer und Tolkien-Fan, der die 8000 Quadratmeter große Halle in den Camperdown Studios auf dem Gelände von WETA-Workshop betreten hätte, wären wahrscheinlich die Freudentränen in die Augen gestiegen, denn in dieser Halle standen die unzähligen Modelle der Filmtrilogie – Burgen, Schiffe und ganze Landstriche – Mittelerde im Kleinformat. Alex Funke, Koordinator der visuellen Effekte, der für seine Effekte in TOTAL RECALL einen Oscar gewann, ist beeindruckt von Tolkiens Erzählungen und sieht die Erschaffung von Mittelerde als die bisher größte Herausforderung seiner Laufbahn an.

Im hinteren Teil der Halle erhebt sich eine weiße Stadt bis unter die Hallendecke – Minas Tirith, die gewaltige Hauptstadt des Königreiches Gondor, die sich über sieben Stufen an dem Berghang des Mindolluin erstreckt. Jede Stufe der Stadt ist mit einer dicken Festungsmauer umgeben. Für die Aufnahmen mit den Schauspielern wurden einige Straßenzüge von Minas Tirith in einem Steinbruch nördlich von Wellington errichtet, aber für die Gesamtansicht der Stadt wurde dieses etwa sechs Meter hohe Modell im Maßstab 1:72 gebaut. Die Modellbauer unter der Leitung von Richard Taylor gingen mit einer solchen Akribie vor, dass selbst die kleinsten Details nicht vernachlässigt wurden: Bäume erheben sich in den Straßen, in den Gassen sieht man Holzfässer stehen und zwischen den Häusern kann man sogar die gespannten Wäscheleinen mit frischer Wäsche drauf erkennen. „Nur bei diesem Maßstab kann man noch alle Gegenstände erfassen“, erklärt Funke. Für die Aufnahmen wurden spezielle Motion-Control-Kameras benutzt, welche die Anzahl der Frames pro Aufnahme drosseln können und extra aus Deutschland von der Firma Arri eingeflogen worden sind. "Normale Kameras schießen 24 Frames pro Sekunde, aber das wäre zu schnell für unsere Zwecke," erklärt Funke, "Wir müssen das Ganze langsamer angehen, damit wir die digitalen Effekte besser einfügen können und die Modelle durch das hellen Scheinwerferlicht nicht verschwommen wirken."

Auch bei den Aufnahmen von Caras Galadhon, der Heimstatt von Galadriel (Cate Blanchett) und Celeborn (Marton Csokas) in den Wipfeln des Elbenwaldes Lothlórien, benutzte man dieses Verfahren. Die WETA-Künstler fertigten zunächst Modelle der hohen Mallorn-Bäume. Die Stämme und Äste fertigten sie aus metallverstärktem Styropor. Die Oberfläche wurde in mehreren Schichten bemalt und mit Sand bearbeitet, um die Bäume authentisch und alt wirken zu lassen. An den Bäumen wurden kleine Treppen und Stiegen befestigt, die zu der runden Wohnstätte im Wipfel führen. Die Fenster der Elbengebäude wurden von Innen mit sanftem Licht ausgeleuchtet. Bei dem Model im Maßstab 1:12 stimmt einfach alles, selbst die Säulen der Gebäude wurden mit feinen Natur-Schnitzereien im Jugendstil versehen. Gerade diese kleinen Details seien sehr wichtig, da sie Glaubwürdigkeit der Orte erhöhen, erklärt Funke. Zuständig für die Regie bei den Miniaturaufnahmen ist David Hardberger (DIE RÜCKKEHR DER JEDI-RITTER, WILLOW, ALIEN 3), der dafür sorgen muss, dass sich die Realaufnahme und die Miniaturaufnahme später gut zusammenfügen. In einer Szene beispielsweise sollte Galadriel die Stufen zu der Lichtung hinunter schreiten, etwas hinter ihr soll Frodo folgen. Die Aufnahmen der Darsteller wurden bereits ein Jahr vorher im Bluescreen-Studio abgedreht. In einer digitalen Vorschau schaut sich Hardberger die Szene an, wie sie später aussehen soll. In dieser Vorschau sind alle wichtigen Motion-Control-Daten gespeichert, damit bei der Modellaufnahme wieder Kamerawinkel und Geschwindigkeit stimmen. Die Daten werden in einen Computer eingeben, der die neuen Koordinaten für die Motion-Control-Kamera berechnet. "Peter [Jackson] hat immer sehr klare Vorstellungen davon, was er will," erzählt Hardberger. "Es macht Spaß, mit ihm zu arbeiten. Unser Job ist es, das Rohmaterial zu liefern und ihm später im Schneideraum möglichst viele Möglichkeiten zu geben."

An einem weiteren Mini-Set unter freiem Himmel befand sich Isengart, das Reich des Zauberers Saruman. Sarumans zerklüfteter, schwarzer Turm Orthanc erhob sich in der Mitte etwa 3,5 Meter in die Höhe, umgeben von schwarzem, toten Ödland. Die Crew hatte Krater in die Erde gegraben, in denen man kleine Leitern und mechanische Mühlen erkennen kann, die sich knirschend bewegen. Per Computer wurden später Hunderte von Uruk-hai-Kriegern eingefügt. Wie in Tolkiens Erzählungen wurde dann das gesamte Gelände geflutet und der apokalyptische Untergang von Isengart von der Motion-Control-Kamera aus der Vogelperspektive gefilmt.
"Jeder hier erzählt einen anderen Teil der Geschichte", erklärt Alex Funke, "und alle Elemente zusammengefügt ergeben dann den fertigen Film. Aber", scherzt er, "wir sind die Typen, die alles in die Luft sprengen dürfen."

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