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Ein Besuch am Set

Und Aaaaction

Mein Chauffeur bringt mich zur Stage K, einem Studio, nur einige Minuten Autofahrt von den Weta Werkstätten entfernt. Der kleine Bus mit den Produzenten folgt uns unauffällig. Um uns herum blüht die exotische Natur, während in Deutschland der Winter Einzug gehalten hat. Es ist Anfang Dezember.

Wir passieren mit unserer Limousine einen einzelnen Wachmann und halten direkt vor dem Studioeingang. Aus einem Lieferwagen vor uns werden Farnbüsche ausgeladen. Augenscheinlich gehört der Farn zur Ausstattung. Wohnwagen der Darsteller stehen auf dem Gelände verteilt.

Als wir uns alle auf dem Vorhof versammelt haben, klärt Claire Raskind Cooper uns darüber auf, dass wir gleich live bei Dreharbeiten dabei wären. Das Fotografieren sei absolut verboten und wir sollten uns still verhalten, damit die Schauspieler nicht irritiert würden. Man drehe grade einige Szenen im Fangorn, dem verfluchten Wald, in dem Merry und Pippin das erste Mal auf das Baumwesen Baumbart treffen.

Mein Herz schlägt zunehmend schneller, als wir das Studio betreten, einen kurzen Flur entlang gehen und dann unversehens am Rand des Fangorn stehen.

Das Studio ist riesig und eine Menge Leute wuseln um uns herum. Als erstes sehe ich Art Director Dan Hennah, den ich von Fotos auf der offiziellen Website kenne, dann erblicke ich auch schon Regisseur Peter Jackson. Er sitzt gelassen auf seinem Regiestuhl, einen Becher Kaffee in der Hand und bespricht sich mit einigen Crew-Mitgliedern. Vor ihm auf dem Monitor laufen einige Szenen ab, die anscheinend grade gedreht wurden.

Neben ihm sitzen die beiden Hobbit-Darsteller Billy Boyd und Dominic Monaghan in ihren Stühlen, deren Rückenlehnen mit den Namen der Hobbits beschriftet sind: „Merry“ und „Pippin“. Die beiden albern herum und amüsieren sich köstlich. Die Stimmung am Set ist gut.

Der Wald ist sehr eindrucksvoll und wirkt überraschend realistisch. Ein Bach fließt durch die unebene Landschaft, die Baumkronen alter, dicker Bäume bilden ein dichtes Blätterdach. Wurzelgeflecht überspannt den Boden und Laub liegt herum. Moos hängt wie altes Haar von knorrigen Ästen und ein leichter Dunst liegt in der Luft. Beleuchtet wird der Wald durch große, weiße Lichtballons, die in regelmäßigen Abständen an der Studiodecke hängen.

Im Vordergrund, nur einige Meter von mir entfernt, steht der Hüter der Waldes, eines der ältesten Wesen von Mittelerde, Baumbart in Originalgröße. Ein Techniker auf einer Leiter schmiert eine fettige, durchsichtige Creme in die Augen des Bauhirten und lässt diese anschließend per Fernbedienung rollen.

Auf einem kleinen Monitor am Rand läuft eine Szene, in der Legolas (Orlando Bloom), Gimli (Gimli-Double Brett Beattie) und Aragorn (Viggo Mortensen) scheinbar durch den selben Wald laufen. Claire erklärt mir, dass dies eine Szene sei, kurz bevor die drei das erste Mal auf Gandalf den Weißen treffen. Man würde diese Szene genau in diesem Augenblick im hinteren Teil des Studios drehen. Erstaunt stelle ich fest, dass sich im hinteren Teil des Studios tatsächlich eine Kamera auf Schienen bewegt. Darsteller kann ich aber keine erkennen, da diese durch die Bäume verdeckt werden. Begierig schaue ich mir die Vorgänge hinter den Bäumen auf dem flimmernden Monitor an.

In diesem Moment kommen Dominic und Billy zu uns. Beide tragen volle Kostümierung und selbst in der Realität wirken ihre künstlichen Füße sehr echt. Die beiden Hobbits sehen ziemlich fertig aus und Dominic hat eine große blutende Wunde auf der Stirn, die Maskenabteilung hat ganze Arbeit geleistet. Ähnlich ist es bei den spitzen Ohren, die selbst, wenn man direkt davor steht, absolut echt aussehen. Sie begrüßen uns und erzählen von der Szene, die sie gleich drehen würden. Billy zeigt mir, wo sich in den Hobbitfüssen seine wirklichen Zehen befinden und erzählt lachend, er hätte gehört, Frauen würden sich von Männern mit großen Füßen angezogen fühlen. Einer unserer Begleiter erkundigt sich, ob die Füße nicht unbequem wären, Dominic schüttelt den Kopf. Ganz im Gegenteil, die Füße wären ähnlich bequem wie Hausschuhe.

Als die beiden zurück zu ihren Stühlen gehen, kommt Regisseur Peter Jackson persönlich zu uns herüber, seinen Kaffeebecher in der Hand. Auf die Frage von einem der Produzenten antwortet Peter Jackson, dass er wirklich froh sei, in seinem Heimatland Neuseeland drehen zu dürfen. Er berichtet, wie gut die Dreharbeiten laufen und dass es eine große Ehre für ihn sei, dass ausgerechnet er dieses Buch verfilmen dürfe. Ich stelle mich vor und murmle völlig verwirrt etwas von dem schönsten Tag in meinem Leben. Peter reicht mir die Hand und begrüßt mich freundlich. Ich erzähle ihm, dass ich einer seiner größten Fans bin und es fantastisch wäre, ihn hier persönlich zu treffen. Und dann überwinde ich mich und frage Claire, ob ich trotz des Verbotes ein Foto mit Peter machen dürfte. Widerwillig stimmt Claire zu, mit der Bedingung, dass man nichts vom Fangorn im Hintergrund sieht. Sie nimmt meine Kamera und schießt ein einzigartige Erinnerungsfotos, auf dem es fast so aussieht, als würde sich Peter Jackson mehr über meinen Besuch am Set freuen, als ich. Zu meiner Entschuldigung muss hervorbringen, dass ich zu diesem Zeitpunkt natürlich heftig mit meinem Jetlag zu kämpfen hatte. Ich erzähle Peter von den deutsche Fans und wie gespannt wir alle auf den Film seien. Peter freut sich, dass der Stoff auch in Deutschland so gut ankommt. „Es ist richtig schade, dass die Tolkien-Fans dieses geniale Fangorn-Set erst in einem Jahr auf der Leinwand sehen werden,“ äußere ich, „In zwei Jahren!“ verbessert Peter mich spontan. Wir plaudern noch etwas und dann verabschiedet er sich schon wieder von uns. Seine Crew braucht ihn für die Vorbereitung der Szene. Claire Raskind Cooper erklärt uns, dass wir nun Stage L, das angrenzende Studio, besuchen würden. Zum Abschied winken Dominic und Billy noch von ihren Stühlen aus und wir verlassen die Halle.

Wir gehen einige Meter über einen Hof und befinden uns schon im nächsten Studio, der Bluescreen-Stage. Das gesamte Studio ist blau eingefärbt und uns wird erklärt, dass in den Hintergrund später die entsprechende Landschaft und die Special Effects eingefügt werden. Es gibt eine Menge blauer Blöcke und Würfel und auf einer blauen Anhöhe stehen Elijah Wood (Frodo) und Sean Astin (Sam). Die beiden sehen wirklich ziemlich mitgenommen aus, überall befindet sich Blut und ihre gute Hobbitkleidung ist bis auf die Haut zerschließen. Wenn ich nicht wüsste, dass alles nur Maske ist, könnte ich richtig Mitleid mit den beiden bekommen. „Stellt Euch vor, das hier wäre eine Felsenlandschaft, durch die ein breiter Lavastrom fließt,“ ruft Elijah uns zu, der am Rand der Anhöhe steht. Etwa zwei Meter unter ihm befindet sich eine großes, blaues Luftkissen, dass durch eine künstliche Felsformation von vorne verdeckt wird.

„Alle auf ihre Plätze!“ verkündet nun der 2nd Unit Regisseur vor Ort. Die beiden Hobbits verschwinden hinter einem der blauen Würfel, dann wird es still. „Kamera!“ befiehlt der Regisseur, während er auf einen Monitor vor sich starrt. „Kamera läuft!“ ertönt ein Echo vom Kameramann. „Windmaschine!“ Eine gewaltige Windmaschine wird angeworfen und der Lärm der Rotoren übertönt fast das „Und Aaaaction!!“ des Regisseurs. Ein Helfer schlägt die Klappe und dann beginnt die Szene.

Frodo und Sam fliehen hinkend über die Anhöhe. Frodo scheint sehr schwach zu sein und immer wieder greift Sam ihm unter die Arme. Dann beginnen beide plötzlich zu rennen und springen über den Rand der Anhöhe auf das Luftkissen in der Tiefe. Sam hilft Frodo noch über den künstlichen Felsen zu klettern. „Und Cut!“ ruft der Regisseur. Die Windmaschine wird abgeschaltet und verstummt. Elijah und Sean kommen japsend zu uns herüber und schauen sich auf dem Monitor vor uns die Szene an, die grade gedreht wurde.

„Das ist einer der anstrengenderen Tage,“ schnauft Elijah, während er uns begrüßt. „Wie waren wir?“ fragt Sean Astin.

Wir wurden Zeuge einer Szene, die gegen Ende des dritten Films zu sehen sein wird. Frodo und Sam fliehen aus dem feurigen Berg Orodruin, nachdem der Ring zerstört wurde und der Vulkan ausbricht. Auf einem kleinen LCD-Bildschirm kann ich eine grob-gerenderte Version der fertigen Szene sehen. Die beiden Hobbits laufen nur wenige Zentimeter vor einer glühenden Lavawalze her und springen in letzter Sekunde in Sicherheit, während die Lava an ihnen vorbei fließt.

Aber der Regisseur der Bluescreen-Unit ist noch nicht ganz zufrieden. Die beiden Darsteller begeben sich wieder in den hinteren Teil des Studios, wo sie noch einmal von Maskenbildnern hergerichtet werden. Dann beginnt die Prozedur von neuem. Kamera und Windmaschine werden angeworfen. Wieder und wieder wird die Szene wiederholt.

Nach der fünften oder sechsten Klappe verabschieden wir uns von den beiden Darstellern und verlassen das Studio. Ein großes Mittagessen im Hafen von Wellington wartet auf uns.

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