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Chronologische Entstehung der Mittelerdemusik

… und es wuchsen Einklang und Harmonie

Im Juli 2000 hatte alles einen Anfang. Während Peter Jackson mit seinem Team schon seit mehreren Jahren damit beschäftigt war, die HERR DER RINGE-Trilogie auf Celluloid zu bannen, trat auch der Komponist für dieses Epos dem Projekt bei. Die Arbeit am Soundtrack für DIE GEFÄHRTEN hatte begonnen.

"Es war bei meinem ersten Besuch am Set, als ich mich entschied, dass ich definitiv den Score für diesen Film schreiben werde", erinnert sich Shore. Auf was Shore sich damals eingelassen hatte, konnte er zu diesem Zeitpunkt wohl nicht einmal erahnen. "Normalerweise arbeiten Filmkomponisten für 6 oder 8 Wochen an einem Projekt", erörtert Jackson. "Aber Howard hat uns vom Anfang der Dreharbeiten an begleiten. Als FELLOWSHIP veröffentlicht wurde, war Howard bereits zwei Jahre in dem Projekt involviert".

The Fellowship of the Ring

Nun hieß es für Shore: Tolkiens Welt erkunden und eine Menge Recherchen anstellen. "Ich habe Tolkiens Buch immer auf meinem Schreibtisch gehabt", erinnert sich Shore. Ab Oktober 2000 machte sich Shore daran, thematisches Material für den Film zu schreiben. Sein Gefährten-Thema entstand im November. Im Februar 2001 begann die erste Arbeit am Score.

Die Musik zu Moria, der ehemaligen Zwergenmiene, die nun von Orks bevölkert wird, war das erste Stück Musik, das Shore für die Trilogie komponiert hat. Dafür brauchte er sechs Wochen. Im Frühjahr 2001 wurde sie aufgezeichnet und während der Filmfestspiele in Cannes 2001 erlebten diese Orchestrierungen ihre erste Probeaufführung durch das neuseeländische Symphonieorchester. "Dort hat alles begonnen. Ich habe grade ‚Zwergenbinge‘ geschrieben und hatte bereits die Themen für das Auenland und die Gefährten. Aber dies waren die ersten Szenen, die ich vertonte", erinnert sich Shore in Doug Adams' Annotated Score. "Es war eine gute Entscheidung, die Moria-Musik zuerst zu schreiben, da es wichtige Szenen in der Mitte des Filmes sind. Als ich damit fertig war, ging ich im Stoff zurück und arbeitete an der Musik für Hobbingen und Lothlórien. Ich ging von der Mitte der Partitur aus, und das schien die richtige Herangehensweise zu sein."

Dieses Stück Musik wurde für den Film sogar in Neuseeland, in der Town Hall von Wellington, eingespielt. Ähnlich wie bei Jackson's Pelennor-Szene, in der jeder gebeten wurde, ein Pferd mitzubringen, sollte hier die ganze Stadt Wellington Mikrophone leihen, um alles in guter Qualität aufnehmen zu können.

In einem Pre-Concert-Talk zum Anlass der Weltpremiere von THE TWO TOWERS – LIVE TO PROJECTION in Luzern im März 2009 ergänzte er: "Nach der 26-minütigen Komposition zu Moria kommen die Gefährten aus dem Gebirge heraus. Von da habe ich angefangen, die Musik bis nach Lothlórien zu schreiben. Dann ging ich in der Geschichte zurück in Richtung Bruchtal und verband Bruchtal thematisch mit Lothlórien."

Für die Arbeit an dem ersten Film überließen die Filmemacher ihm ein Haus in Neuseeland. Dort konnte er seine Ideen reifen lassen und regelmäßig das Set besuchen. Er hatte knapp einen Monat Zeit, sich grundlegende Gedanken über seine musikalischen Themen zu machen. Und seine Arbeit war ergiebig: Bis zum Ende von RETURN OF THE KING schrieb er annähernd 80 Themen.

Am 27.09.2001 wurde dann durch eine Fanseite bekannt, das die irische Sängerin Enya zwei Songs zum Soundtrack beisteuern werde: "Aniron" (zu engl. "Desire") und "Here comes Desire". Zweiter wurde jedoch in „May it Be“ umbenannt, der Titelsong, der bereits zwei Tage später auf dem Amerikanischen Fernsehsender FOX zum ersten Mal ausgestrahlt wurde. Am Ende das Monats stand offiziell fest, das Enya den Titelsong singt (siehe BILD-Bild).

Anfang Oktober erschienen die Trackliste und erste Details zum Soundtrack, der schließlich am 20. November 2001 veröffentlicht wurde.

Als der erste Film schließlich im Dezember 2001 in die Kinos kam, war dies für Shore längst nicht das Ende seiner Arbeit am Soundtrack zum ersten Teil der Trilogie. Allein für die im November 2002 erschienene Special Extended Edition wurde im Frühjahr 2002 neue Musik für den Film geschrieben, aufgezeichnet und mit den neuen Szenen in den Film eingefügt.

Anfang 2002 erschien der Soundtrack zum ersten Teil der Trilogie sogar in den Deutschen Longplay-Charts – auf Platz 3, hinter Anastacia und Robbie Williams (KW 04: 21.01.2002 bis 27.01.2002).

The Two Towers

Ab April 2002 begann für Shore dann die Arbeit am zweiten Teil der Trilogie. Wie schon zuvor arbeitete er wieder mit dem London Philharmonic Orchestra und dem Chor "The London Voices" zusammen. Diese Konstellation blieb bis zum Schluss der Arbeit an THE LORD OF THE RINGS erhalten. Die meisten Musikstücke wurden in der Watford Town Hall, ca. 30 km vom Londoner Stadtzentrum entfernt, aufgenommen. Gemischt und geschnitten wurde die Musik dann in den Abbey Road Studios in London City. Die Gesangseinlagen der Solisten wurden ebenfalls hier eingesungen.

Die Scoringarbeit an THE TWO TOWERS sollte sich jedoch als schwieriger als gedacht herausstellen. Da der Film weder ein ordentlichen Anfang noch ein ordentliches Ende hatte, gestaltete sich für Peter Jackson die Schneidearbeit an dem Film recht müßig. Das hatte zur Folge, dass viele Teile kurzfristig umgeschnitten werden mussten. Howard Shore hatte daher eine Menge zu tun. Um den Zeitplan gegen Ende der Postproduction einzuhalten, einigte man sich schließlich darauf, dass pro Tag 5½ Minuten Musik geschrieben werden mussten. Die Orchesteraufnahmen des Titelsongs von THE TWO TOWERS, Gollum’s Song, wurden am 17. Oktober 2002 in der Watfort Town Hall abgeschlossen. So wurde der Soundtrack zum zweiten Film am 1. November 2002 fertig gestellt, der Original Soundtrack erschien am 2. Dezember 2002. Die verlängerte DVD-Version mit über 40 Minuten mehr Musik wurde im April 2003 fertiggestellt.

The Return of the King

Für THE TWO TOWERS arbeitet Shore stückchenweise am Film. Je nach dem, was gerade fertig aus Wellington kam, wurde von ihm in London vertont. Diese Arbeitsweise stellte sich für den Komponisten und für alle Beteiligten als sehr stressig heraus. Diesen Fehler wollte man bei RETURN OF THE KING vermeiden. So kam Shore wieder einmal nach Neuseeland, um in der Heimat Mittelerdes seinen Score zu schreiben. Er sah sich zusammen mit Peter Jackson eine Rohfassung des Filmes an, um die Ausmaße des finalen Kapitels zu erfahren und um ein Gespür für die emotionalen Höhepunkte zu bekommen.

So verbrachte Shore die Zeit während der Nachdreharbeiten für THE RETURN OF THE KING in Neuseeland. Zu dieser Zeit entstand auch sein Cameoauftritt als Söldner Rohans in Edoras. Er arbeite fortwährend an dem Film und unterlegte ihn zu 80 % seiner Laufzeit mit Musik.

Der dritte Film der Trilogie zeichnet durch seine Vielzahl an Gesangseinlagen aus. "Die menschliche Stimme verleiht einer Musik mehr Emotionen. Es ist eine Komponente, die auf mysteriöse Weise eine enge Verbindung mit dem Zuhörer herstellt", beschreibt Shore. So wurde etwa Faramirs Angriff auf Osgiliath mit "Pippins Song" untermalt. "Peter [Jackson] wollte unbedingt ein Lied für diese Szene haben. Er sagte uns dies 2 Tage, bevor wir die Szene drehen wollten", erinnert sich Philippa Boyens. "Ich hatte keine Ideen und Fran [Walsh] war zu beschäftigt." Also musste Billy Boyd selbst ran und erfand über Nacht eine Melodie. Es klappte. Sein Gesang wurde dann in der Postproduction noch einmal in den Abbey Road Studios aufgenommen.

Am 15. März 2004 wurde der letzte Cue aufgenommen. Dies bedeutet das offizielle Ende der Arbeit an der RINGE-Trilogie für die Musiker, die Solisten, die Chöre und natürlich für den Komponisten. "Ich will gar nicht, dass es vorbei ist. Ich wünschte, wir hätten mehr Zeit. Im Grunde waren die 4 Jahre zu wenig. Wenn mit gesagt würde: ‚Wir arbeiten noch ein paar weitere Jahre an HERR DER RINGE‘ würde ich sagen: ‚Großartig!‘"

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