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Die Musik von Innen

Was sind Leitthemen?

Die Musik zu DER HERR DER RINGE-Trilogie ist Howard Shores bekanntestes Werk. Doch wie schreibt man Musik für über 12 Stunden Filmmaterial, ohne dass es langweilig wird?

Durch seine Arbeit an diversen Literaturverfilmungen wie DAS SCHWEIGEN DER LÄMMER oder NAKED LUNCH fiel die Wahl schnell auf Howard Shore. "Peter und Fran waren sich einig, dass sie jemanden haben wollten, der bereit ist, mit ihnen zusammen zu arbeiten und der sich Zeit nimmt, Themen zu entwickeln", erklärt Barry Osborne, Produzent der Trilogie. Peter Jackson ergänzt: "Ich wollte, dass die Musik Tolkiens Welt reflektiert; dass sie seine Welt zum Leben erweckt."

Um dies zu erreichen entschied Howard Shore, sich einer Technik aus dem 19. Jahrhundert zu bedienen, die Wagner für seinen RING DER NIEBELUNGEN-Zyklus extensiv nutzte: Er arbeitete mit musikalischen Themen und sogenannten Leitmotiven.

Jeder, der aufmerksam der Musik von THE LORD OF THE RINGS lauscht, ob auf CD oder im Film, wird feststellen, dass Shore eine immense Summe an Themen kreiert hat, um Mittelerde zum Leben zu erwecken. Diese Themen tauchen über die gesamte Länge des Filmes abwechselnd auf, werden von verschiedenen Instrumenten gespielt und unterlegen verschiedene Handlungen.

Ein Leitmotiv ist eine klar definierte musikalische Idee, die eine Person, eine Sache oder eine Stimmung darstellt oder versinnbildlicht. Sie ist daher ein meist kürzeres, charakteristisches Tongebilde. Sie taucht in ihrer originalen oder abgewandelten Form an angemessenen Punkten in einer dramatischen Handlung wieder auf. Diese im 19. Jahrhundert durch Wagner praktizierte Technik, Opern zu schreiben, hat im 20. Jahrhundert ein neues Genre gefunden, in dem sie stark verwendet wird: Die Filmmusik.

Ob in THE LORD OF THE RINGS, STAR WARS oder einer von Wagners Opern, die Idee bleibt die gleiche: Jedes dieser Themen stellt eine bestimmte Person, einen Ort, eine Sache oder eine Idee akustisch dar. Diese Themen sind sozusagen die musikalischen Subjekte.

Diese Themen machen aber meistens keine ganzen Titel aus. Es ist in der Tat recht schwer, ein Thema finden, das in seiner Gesamtheit so lang ist. Ein Thema ist üblicherweise nur eine kurze musikalische Phrase, manchmal sogar nur ein paar Noten lang. Diese Art zu komponieren soll die Themen leicht einprägbar und schnell wiedererkennbar machen. Es ist eine Art Soundcode. Damit können wir Gegebenheiten im Film auf der Ebene des Unterbewusstseins interpretieren und zuordnen. Wenn man also im Film die Musik von Gondor hört, denkt man automatisch an Gondor, auch wenn man die Musik bewusst gar nicht wahrnimmt.

Shore komponierte für seinen RING über 80 Themen. Einige davon treten über die gesamte Länge der Trilogie auf, andere jedoch nur einige wenige Male. So steht das berühmte heroische Gefährten-Thema für die Entstehung und den Zusammenhalt der neun Gefährten im ersten Teil. Das auf der Hardangerfiedel gespielte Rohan-Thema steht für das zentrale Thema des Volkes von Rohan im zweiten Teil. Und schließlich ertönt im letzten Teil das imposante Gondor-Thema im Mittelpunkt der Kompositionen.

Shores Themen sind aber nicht statisch. Sie verändern sich entsprechend der Handlung. "Man hört, wie das Gefährten-Thema entsteht, als Frodo und Sam Hobbingen verlassen und sich auf ihrem Weg nach Bree befinden", erklärt Shore. "Zuerst ist ist es jedoch nur ein Fragment dieses Themas. Später, als sie Merry und Pippin in dem Maisfeld treffen, hört man eine weiter entwickelte Fassung des Themas – es wächst. In Bree treffen sie dann auf Streicher. Das Thema entwickelt sich sogar noch ein wenig mehr, als sie mit ihm zusammen Bree verlassen. Als sie in Bruchtal ankommen und auf Gimli, Legolas und Gandalf teffen, ist das Thema in seiner vollständig orchestrierten Form zu hören. Von dieser vollendeten Form geht die Reise weiter und man hört den langsamen Verfall des Themas bis zu dem Tod Boromirs." Die Themen werden also mit Bedacht eingeführt und weiter entwickelt.

Shore geht sogar noch weiter. In der Schlacht von Helms Klamm bedient er sich im Grunde zwei wichtiger Themen: Des Isengard-Themas (dieser metallene 5/4-Takt) und des Lothlórien-Themas, um die Armee der Elben und Menschen zu repräsentieren. Je nachdem, wie die Schlacht gerade verläuft, benutzt auch Shore seine Musik. Sieht man die Elben gerade eine Attacke auf die Uruks verüben, spielt das Lórien-Thema. Sind die Uruks am Zuge (z. B. als die ihre Leitern an den Klammwell stellen) ertönt das Isengard-Thema. Somit ist die Musik, bestehend aus den Motiven und ihren Überleitungen, eine Illustration des Filmes: In musikalischer Sicht. Deswegen sehen wir auch beim bloßen Hören der Musik die Szenen vor unseren Augen. Weil Shore sie ebenso bildlich geschrieben hat.

Auf Scores Of The Ring könnt ihr euch themenweise durch den Soundtrack hören.

Auf der Internetseite Magpie’s Nest könnt ihr euch genaue Analysen der Themen und ihrer Verwendung anschauen

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