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Kamera- und Projektionstechnik

Die bisherige analoge Kameratechnik

Über viele Jahrzehnte hat sich die Kameratechnik kaum verändert. Gefilmt wurde auf 35-mm-Filmmaterial welches früher aus feuergefährlichem Zelluloid bestand und heute aus Polyester und damit feuer- und rissbeständiger ist.

Der Filmstreifen ist dabei insgesamt 35-mm breit (daher 35-mm-Film) und an den Rändern fortlaufend perforiert für den Weitertransport.

Es handelt sich dabei im Wesentlichen um das gleiche Material was wir noch aus analogen Kleinbildfotoapparaten kennen, mit dem wesentlichen Unterschied, dass in Fotoapparaten der Film quer (horizontal) durch die Kamera gezogen wird, in Filmkameras aber hochkant (vertikal). Dementsprechend ist das Kleinbildnegativ mit 24 x 36 mm auch größer als die beim Kinofilm üblicherweise verwendeten Negativformate (in der Regel maximal 18 x 24 mm; das Gebiet der Filmformate ist aber sehr komplex, wer nur einen kleinen Einblick haben will kann das hier tun.

Im Prinzip ist der Aufbau einer 35 mm-Filmkamera nicht sehr kompliziert:

35 mm Filmkamera Arriflex 435 (wurde z.B. auch bei den Herr der Ringe-Filmen eingesetzt) (Bild: arri.com)

Der Film läuft von einer Spule vertikal vor dem Objektiv vorbei auf eine Leerspule, beide sind in einem lichtdichten Magazin meist auf der Oberseite der Kamera untergebracht. Der Film wird aber nicht einfach so kontinuierlich vor dem Objektiv vorbeigezogen, sonst wären alle Bilder völlig verwischt. Vielmehr wird jedes Bild für die Dauer seiner Belichtung fix vor dem Filmfenster festgehalten und diskontinuierlich, also schrittweise, über ein Schrittgetriebe fortbewegt. Da man auch das Weiterbewegen jedes Einzelbilds noch als Verwischen sehen würde, benötigt man einen Verschluss (wie beim Fotoapparat), der das Filmfenster nur freigibt solange das Einzelbild komplett ruhig steht. Dies wird bei analogen Filmkameras in der Regel über eine sogenannte Umlaufblende, engl. Shutter, bewerkstelligt.

Schematische Animation der Umlaufblende (Shutter) einer analogen Filmkamera (Bild: Wikipedia)

Die Rückseite der Umlaufblende, bzw. die Seite die in Richtung Objektiv zeigt, ist in der Regel mit einem Spiegel versehen. Damit wird das Bild, das vom Objektiv auf der Filmebene erzeugt wird, in den Sucher des Kameramanns gespiegelt, solange die Umlaufblende das Filmfenster verschließt. Damit sieht der Kameramann exakt das Bild was auch auf dem Film landet, genauso wie bei einem Spiegelreflex-Fotoapparat.

24 Bilder pro Sekunde

Analoge Kinofilme wurden und werden mit 24 Bildern pro Sekunde (oder 24 fps = frames per second oder 24 Hz = 24/s) gedreht und wiedergegeben. Diese Bildwiederholrate stellt einen Kompromiss dar zwischen möglichst geringem Verbrauch an Filmmaterial und gerade noch akzeptabler Bewegungsdarstellung. Für eine wirklich flüssige Bewegungsdarstellung wären eigentlich mehr Bilder pro Sekunde nötig. Objektiv betrachtet ruckelt ein Kinofilm nämlich.

Ein Bild hat bei 24 Bildern pro Sekunde eine theoretische Standzeit von 1/24 s. In der Zeit muss aber auch noch der Weitertransport des Films untergebracht werden, das passiert dann wenn die Umlaufblende schließt. In der Regel wird bei Filmkameras mit einem 180°-Shutter gearbeitet, d.h. die Umlaufblende hat die Form eines Halbkreissegments. Die Belichtungszeit pro Bild beträgt dann 1/48 s, was bedeutet dass jeweils die andere 48stel Sekunde bei einer Bewegung nicht aufgenommen wird was die Bewegungsdarstellung noch ruckeliger macht. Bei vielen Kameras kann der Öffnungswinkel der Umlaufblende noch kleiner eingestellt werden (z.B. nur 45°), nicht jedoch größer als 180°. Bei Verwendung eines 45°-Shutters beispielsweise verkürzt sich die Belichtungszeit pro Bild auf 1/192 s (=45°/360° x 1/24 s). Damit ist zwar die Bewegung pro Bild besser eingefroren (weniger Bewegungsunschärfe oder "Motion Blur" pro Bild aufgrund der geringeren Belichtungszeit, Hobbyfotografen sollten dies kennen), aber die Dauer zwischen den Bildern wird erhöht, wodurch ein stroboskopartiger Effekt entsteht, der manchmal in Actionszenen als Stilmittel verwendet wird, so z.B. in GLADIATOR und DER SOLDAT JAMES RYAN.

Der „Soap-Look“

Aber wie gesagt, ist der Shutterwinkel üblicherweise 180°, was für relativ viel Bewegungsunschärfe im Bild sorgt, je nach Bewegungsgeschwindigkeit. Das, und die Tatsache der ruckeligen Bewegungen aufgrund der eigentlich zu geringen Bildwiederholrate von 24 Bildern pro Sekunde, macht den typischen "Filmlook" aus, den Zuschauer seit Jahrzehnten gewohnt sind. Auch wenn Kinofilme im Fernsehen gezeigt werden, kann man das noch unterscheiden. Unser europäisches PAL-Fernsehen arbeitet dagegen mit 50 Halbbildern pro Sekunde (bei HDTV ist es ähnlich, hier können es aber auch 50 Vollbilder pro Sekunde sein). Damit sind pro Sekunde 50 verschiedene Bewegungsphasen aufgezeichnet, was zu deutlich flüssigerer Bewegungsdarstellung als bei 24 Bildern pro Sekunde führt. In der Regel werden nur Nachrichten, TV-Shows und dergleichen mit Fernsehkameras aufgezeichnet, hochwertige Fernsehserien werden mit Filmkameras gefilmt. Nur billige, sogenannte Seifenopern ("Soap-Operas"), werden auch mit Fernsehkameras aufgenommen Dies erzeugt einen anderen Look, den der Zuschauer unbewusst mit billigen Fernsehproduktionen in Verbindung bringt (sogenannter "Soap-Look"). Eine Erhöhung der Bildwiederholrate bei Kinofilmen könnte unter Umständen auch dazu führen, dass der typische gewohnte "Filmlook" verloren geht und einem "Soap-Look" weicht, der zwar objektiv gesehen flüssigere Bewegungen erlaubt, aber halt nicht mehr zur gewohnten Sichtweise der Kunstform Kinofilm passt. Dazu später mehr.

© Der große Hobbit

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