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Kamera- und Projektionstechnik

Digitale Filmkameras im Allgemeinen und bei den HOBBIT-Filmen im Speziellen

Wie bereits erwähnt wurde, wird heute noch ein Großteil der Kinofilme auf analogem 35 mm-Film gedreht, danach aber sofort digitalisiert und bleibt von da an in der digitalen Domäne, wenn auch in den Kinos digital vorgeführt wird. Es werden jedoch zunehmend mehr Filme gleich mit digitalen Kinokameras gedreht, um die gesamte Produktionskette digital zu halten.

Digitale Kinokameras unterscheiden sich von analogen Filmkameras durch deutlich einfacheren Aufbau, da (nahezu) alle mechanischen Komponenten für den Filmtransport etc. entfallen. Die Aufzeichnung des Bildes erfolgt bei digitalen Kinokameras auf CCD- oder CMOS-Sensoren, wie bei der digitalen Fotografie oder digitalen Consumer-Camcordern auch. Die Speicherung der Daten kann dabei auf externen Recordern (z.b. mit speziellen digitalen Magnetbandkassetten) oder auf interne Wechselmedien in der Kamera erfolgen, wie z.B. Flash-Speicher (ähnlich der Speicherkarten bei digitalen Fotoapparaten) oder Festplatten.

Es gibt digitale Kinokameras, die noch sehr nah an analogen 35 mm-Kameras orientiert sind, wie z.B. die Arriflex D21. Hier wurde im Wesentlichen die Filmbahn und das Filmfenster durch einen CMOS-Sensor ersetzt. Die komplette Filmtransportmechanik entfällt. Diese Kamera besitzt nach wie vor eine mechanische Umlaufblende (Shutter), deren Rückseite verspiegelt ist und das gespiegelte Bild wird während der Schließphase des Shutters in den optischen Sucher geleitet, ganz so wie bei einer mechanischen 35 mm-Filmkamera. Prinzipiell bräuchte eine digitale Filmkamera keinen Shutter, da zwischen zwei Bildern kein Filmtransport mehr verdeckt werden muss. Würde man den Shutter aber weglassen, so hätte ein Bild die doppelte Belichtungszeit als üblich bei Kinofilmen (bei 24 Bildern/Sekunde mit 180°-Shutter 1/48 s), also 1/24 s. Damit wären Bewegungen, die aufgenommen werden in jedem Einzelbild noch viel stärker verwischt (starker "Motion-Blur") und das Ganze wäre der Bewegungsdarstellung nicht zuträglich und würde auch den gewohnten Filmlook zerstören.

Modernere digitale Kinokameras kommen gänzlich ohne mechanische Komponenten aus (außer natürlich der Objektivmechanik zur Fokussierung und evtl. Zoom), der Shutter wird hier rein elektronisch geregelt, indem man jedes Einzelbild z. B. nur 1/48 s belichtet und dann quasi für die nächste 1/48 s den Sensor "abschaltet". Damit simuliert man den üblicherweise verwendeten 180°-Shutter bei 24 Bildern pro Sekunde. Zu dieser neueren Generation digitaler Filmkameras gehören die Geräte der innovativen amerikanischen Firma RED mit der bereits fast schon legendären RED One und dem Nachfolgemodell RED Epic:

Digitale Kinokamera RED Epic, die beim Hobbit-Dreh verwendet wird (Body only) (Bild: red.com)

Die RED Epic wird nun auch seit letztem Jahr bei allen Dreharbeiten zu den beiden Hobbit-Filmen von Peter Jackson und seinem Kamerateam um Chefkameramann (Director of Photography, DOP) Andrew Lesnie, der auch schon bei der Herr der Ringe-Trilogie der DOP war, verwendet.

Wie man sieht ist die RED Epic ein modulares System (wie eigentlich alle Filmkameras), das Herzstück (von RED "The Brain" genannt) ist eine simple Box mit einem Objektivanschluss an ihrer Vorderseite und einem Einschub für die "Speicherkarten" welche hier sogenannte Solid-State-Drives sind. Außerdem befinden sich noch einige Bedienelemente und diverse Anschlüsse am "Brain".

Fertig aufgerüstet zu einer voll funktionalen Kamera kann das dann z.B. so aussehen:

Voll ausgerüstete RED Epic (Bild: procuremultimedia)

Hier hat man im Herzen das "Brain", dahinter mehrere Akkus zur Stromversorgung verbaut, vorne ein Kinokameraobjektiv mit Sonnenschutzblende, an der Unterseite ein Montagegestell mit Schulterstütze und zwei Handgriffen (die Kamera in dieser Konfiguration wird also freihand verwendet, kann aber beispielsweise schnell auf Stativmontage umgebaut werden), an der Oberseite einen Tragegriff und links vor dem Objektiv ein elektronischer Sucher. Dieser ist nichts anderes als ein winziger Monitor mit einer Optik davor, durch die der Kameramann blickt und das Bild ähnlich wie durch einen optischen Sucher sieht. Natürlich sind diese elektronischen Sucher um viele Klassen besser in Auflösung, Farbwiedergabe und Bildwiederholrate, als die, die man von Consumer-Videokameras kennt. Alternativ oder zusätzlich könnten z.B. Videomonitore angebracht werden, die dem Kameramann auch bei sehr ungünstigen Kameraperspektiven noch eine komfortable Bildbeurteilung erlauben, ohne dass er z.B. am Boden herum kriechen muss bei Low-Level-Shots. Ebenso dient ein zusätzlicher Videomonitor oft dem "Focus-Puller" als Information (Filmkameras haben im Gegensatz zu Consumerkameras keinen Autofocus. Die Schärfe wird hier über einen Drehknopf an der Seite des Objektivs von einem zusätzlichen Assistenten bedient, im engl. heißt dieser "Focus-Puller", oder sie wird elektrisch ferngesteuert. Im Vorfeld einer Aufnahme wird der Schärfeverlauf immer genau geplant und mit dem Maßband ausgemessen). Oft wird auch das Bild der Kamera über Kabel an große externe Monitore am Set übertragen, über die der Regisseur und andere Mitarbeiter die Kameraaufnahmen live mitverfolgen können.

Die Features der RED Epic

Die technischen Daten der RED Epic sind beeindruckend. So beträgt die native Auflösung des CMOS-Sensors 5120 x 2700 Pixel, was in der "Kinosprache" einer Auflösung von 5K entspricht, oder knapp 14 Megapixel. In den heute modernsten Kinos können diese Bilder aber "nur" in 4K-Auflösung (4096 x 2160 Pixel) gezeigt werden. Es ist daher auch davon auszugehen, dass nur die Aufnahmen in 5K erfolgen und die weitere Postproduktion in 4K-Auflösung.

Einen relativen Größenvergleich der verschiedenen Auflösungen sieht man hier:

Aufnahmeformat der RED Epic im Vergleich zu anderen digitalen Film- bzw. Videoformaten (Bild: red.com)

Ganz klein rechts unten sieht man die Auflösung unseres alten PAL-Fernsehens (576 Zeilen), hier mit SD bezeichnet. Viel größer bereits die "kleine" HDTV-Auflösung 720p (1280 x 720 Pixel), dann Full-HD (1080p) mit 1920 x 1080 Pixel, sowie die derzeit noch gängigste Auflösung in digitalen Kinos von 2K (2048 x 1080 Pixel). Einen deutlichen Sprung macht dann die 4K-Auflösung sowie die vom Sensor der RED Epic erreichte 5K-Auflösung.

Gute digitale Spiegelreflex-Kameras verfügen über eine ähnliche Auflösung, machen aber in dieser Auflösung nur Standbilder, die RED Epic kann mit der vollen 5K-Auflösung bis zu 60 Bilder pro Sekunde aufnehmen! Die anfallenden Datenmengen dürften entsprechend gigantisch sein, da auch bei der Aufnahme nicht verlustbehaftet komprimiert wird.

Der Sensor der RED Epic hat eine physikalische Größe von 27.7 mm x 14.6 mm und entspricht damit in etwa der Größe des analogen Filmbilds bei 35 mm-Film. Somit können im Wesentlichen die selben Objektive wie bei einem 35 mm Dreh eingesetzt werden und auch die Schärfentiefe bleibt annähernd gleich.

© Der große Hobbit

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