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Kamera- und Projektionstechnik

Die RED Epic im HOBBIT

Peter Jackson und sein Team setzen insgesamt 48 RED Epics beim Dreh der beiden Hobbit-Filme ein. Das erscheint sehr viel, da aber in 3D gedreht wird, benötigt man immer zwei Kameras pro 3D-Rig, so dass dann "nur noch" 24 übrig bleiben.

Bei Filmproduktionen ist es normalerweise üblich, die Kameras und alle sonstigen Ausrüstungsgegenstände wie Scheinwerfer, Stative, Kamerawagen (Dolly), Kamerakran, etc. von speziellen Filmtechnikverleihern zu mieten. Bei der RED Epic war dies wohl nicht möglich, da sie zum Zeitpunkt des Drehbeginns noch ganz neu war und wohl bei keinem Filmtechnikverleih zu mieten war, schon gar nicht in der benötigten Menge. Daher hat Jackson (bzw. eine der Produktionsfirmen) die 48 RED Epics gekauft. Das Herzstück der Epic ("Brain") kostet derzeit 39.500 $, ein kleines Starterset mit ein bisschen Zubehör 58.000 $ (Quelle). Hierzu kommt sicher noch weiteres Zubehör, Objektive, die 3D-Rigs etc., so dass man wohl davon ausgehen kann, dass hier mehrere Millionen Dollar investiert wurden. Wobei Peter Jackson bestimmt einen guten Rabatt bekommen hat, da er einer der größten Werbeträger für die Firma RED ist.

Der Preis ist heiß

Dem Laien mag der Preis für eine RED Epic hoch erscheinen, doch im professionellen Kinokamerasegment sind knapp 40.000 $ für den Kamerabody noch als günstig zu bezeichnen. So kostet z.B. eine ARRI Alexa, mit der beispielsweise der aktuelle Kinofilm HUGO gedreht worden ist, ca. 50.000 € (ca. 65.000 $). Und die Alexa bietet nicht die Leistungsdaten einer RED Epic, so ist die native Auflösung der Alexa mit 2880 x 1620 Pixel nur etwa ein Viertel so groß wie die der Epic. Eine Sony F35, die auch nur Full HD-Auflösung bietet, ist hier für 128.000 € zu haben.

Normalerweise wird die Ausrüstung wie gesagt gemietet, aber bereits die Mietpreise für digitale Kinokameras können weit über 1.000 $ pro Tag betragen. Insofern wird sich das für Peter Jackson schon lohnen, vermutlich wird er die Epics dann später wohl auch selbst verleihen (ist zumindest anzunehmen).

Die Entscheidung für 48 Bilder pro Sekunde

Peter Jackson gab recht früh bekannt, dass er mit Hilfe der RED Epic die beiden Hobbit-Filme mit 48 Bildern pro Sekunde drehen will, statt wie bisher bei Kinofilmen üblich mit 24 Bildern pro Sekunde. Hier bei Facebook spricht er darüber.

Der genaue Grund, warum Jackson nun auf eine höhere Bildwiederholrate setzt bleibt etwas unklar. Vermutlich wird er es machen um die 3D-Wiedergabe (dazu später mehr) zu verbessern. Sicherlich wird er auch von James Cameron beeinflusst sein, der schon viel früher höhere Bildwiederholraten forderte (Quelle).

Jackson beschreibt die Wiedergabe mit 48 Bildern pro Sekunde als weicher, flüssiger, realitätsnaher So wird es sicherlich auch sein, nur wird vermutlich der von Kinogängern über Jahrzente gewohnte spezielle "Filmlook" verloren gehen. Unter Cineasten wird das Thema heftig diskutiert. Die relativ ruckelige Wiedergabe mit 24 Bildern pro Sekunde wird dabei zur Kunstform erhoben, die das Medium (Kino-)Film stark prägt. Anscheinend sehen das einige Filmemacher, wie eben James Cameron, Peter Jackson und auch George Lucas nicht so eng.

Zunächst schrieb Jackson auf Facebook, dass das mit 48 Bildern pro Sekunde aufgenommene Material auch zwingend mit 48 Bildern pro Sekunde wiedergegeben werden müsse ("The key thing to understand is that this process requires both shooting and projecting at 48 fps, rather than the usual 24 fps"), letztendlich wird ihm und seinem Team aber auch klar gewesen sein, dass durchaus nicht wenige Kinos technisch noch nicht in der Lage sein werden, Filme mit 48 Bildern pro Sekunde wiederzugeben, insbesondere natürlich wenn der Film analog vom 35 mm-Film projiziert wird. Dass es auch so eine Version geben wird hat er dann in einem weiteren Facebook-Kommentar bestätigt. Hier geht er auch darauf ein welche Kniffe angewandt werden, damit auch eine Version mit 24 Bildern pro Sekunde gut aussehen soll. Dazu haben sie viele Tests gemacht. Nicht ganz klar ist, ob die 24 Bilder/s-Version einfach durch Auslassen jedes zweiten Bildes der 48 Bilder/s-Version entstehen soll, aber das wäre naheliegend. Gehen wir einmal davon aus, dass es so sein wird.

Filmen mit 48 fps

Wie bereits früher erwähnt werden "normale" Kinofilme in der Regel mit einem 180°-Shutterwinkel gedreht, damit ergibt sich eine Belichtungszeit pro Bild von (180° / 360°) * 1/24 s = 1/48 s. Nur spezielle Szenen werden manchmal mit einem kleineren Shutterwinkel gedreht um spezielle Effekte zu erzielen, so z.B. der Stroboskopeffekt in den Anfangsszenen von DER SOLDAT JAMES RYAN.

Benutzt man nun bei einem Film der mit 48 Bildern pro Sekunde gedreht wird, auch einen 180°-Shutter, so ergibt sich nur noch eine Belichtungszeit von 1/96 s (180/360*1/48). Damit enthält ein Einzelbild auch bei schnellen Bewegungen weniger Bewegungsunschärfe (Motion Blur), was ja auch das Ziel der höheren Bildwiederholrate ist. Konvertiert man diesen Film nun aber nach 24 Bilder pro Sekunde indem man jedes zweite Bild weglässt, so ergäbe das einen Film mit 24 Bildern pro Sekunde, aber einem Shutterwinkel von nur 90° (angenommen der Film wäre nativ mit 24 Bildern pro Sekunde gedreht worden, denn 90° / 360° * 1/24 s = 1/96 s, was ja genau der Belichtungszeit des Einzelbilds entspricht). Vermutlich wird dann der Stroboskopeffekt schon zu ausgeprägt sein und diesen möchte man wohl nicht über einen ganzen Film beibehalten sondern nur in speziellen Szenen. Zumindest scheint das ein Ergebnis der Tests von Peter Jackson und seinem Team zu sein, denn man hat sich dann wohl geeinigt, den Shutterwinkel zu verändern, nämlich auf 270° bei 48 Bildern pro Sekunde. Damit wird er größer als 180°, was bei analogen Filmkameras gar nicht möglich wäre, da hier wohl technisch bedingt der größtmögliche Shutterwinkel 180° beträgt (zumindest ist dies bei vielen Kameras so). Mit einer digitalen Kinokamera wie der RED Epic ist das aber kein Problem, da diese, wie bereits erwähnt, nicht über einen mechanischen Shutter verfügt, sondern über einen elektronischen, und damit ist der Shutterwinkel nahezu frei wählbar.

Es ergibt sich somit eine Belichtungszeit pro Einzelbild von 270° / 360 ° * 1/48 s = 1/64 s.

1/64 s entspricht bei 24 Bildern pro Sekunde einem Shutterwinkel von 135°. Das ist der Kompromiss den Jackson und DOP Andrew Lesnie eingehen, um zum Einen noch eine kürzere Belichtungszeit zu haben damit weniger Motion Blur im Bild ist und zum anderen noch keinen Stroboskopeffekt bei der Wiedergabe mit 24 Bildern pro Sekunde zu erzeugen.

© Der große Hobbit

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