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REZENSION: DAS LIED DES BLUTES

; Quelle: HDRF

Immer wenn Klett Cotta ein Fantasy-Roman ankündigt, heißt es aufgehorcht, da es sich der Stuttgarter Verlag zur Regel gemacht hat, nur die Perlen dieses belletristischen Genres rauszupicken. Nicht zuletzt hatte der Verlag sein hervorragendes Gespür für guten Lesestoff mit der Veröffentlichung von Patrick Rothfuss KÖNIGSMÖRDER-CHRONIKEN unter Beweis gestellt. Nun haben die Stuttgarter einen Roman von einem schottischen Autor veröffentlicht, der bereits im englischsprachigen Raum für Furore gesorgt hat und in einer Liga mit Robin Hobb, George R.R. Martin oder Patrick Rothfuss gehandelt wird: Anthony Ryan mit seinem Debütroman DAS LIED DES BLUTES – RABENSCHATTEN 1.

Es ist die Geschichte des Jungen Vaelin Al Sorna, der nach dem Tod seiner Mutter von seinem Vater bei einem mysteriösen Orden abgeliefert wird, wo der Zehnjährige seine Herkunft ablegen muss und unter dem strengen Regime der Meister im Kampf mit den Waffen und der Überlebenskunst ausgebildet wird. Vaelin knüpft in dem Ordenshaus bald Kontakte zu anderen Adepten und vor allem die Freundschaft zu dem gleichaltrigen Caenis hilft ihm, in der unbarmherzigen Umgebung des Kriegerordens zu überleben. Und es geht für die Kinder wortwörtlich ums Überleben, denn die wiederkehrenden Prüfungen fordern immer wieder Todesopfer. Außerdem sieht sich Vaelin bereits bei der ersten Prüfung gezwungen, einen Menschen zu töten. Im Verlauf der Handlung zeichnet sich ab, dass Vaelin etwas in sich trägt, das ihn von den anderen Jungen unterscheidet: Das Lied des Blutes.

Zugegeben, die Grundidee von Anthony Ryans epischer Coming-Out-Age-Geschichte ist nicht neu und wurde in leicht abgewandelter Form sicherlich schon Dutzende Male erzählt. Nicht nur der Prolog (bzw. die Rahmenhandlung), sondern auch das gesamte Grund-Setting weist zumindest oberflächlich eine frappierende Ähnlichkeit zu Patrick Rothfuss DER NAME DES WINDES auf. Sicherlich kann man außerdem in Frage stellen, warum der Protagonist in solchen Geschichten stets so übermäßig begabt und scheinbar tadellos sein muss. Denn genau wie Fitz Weitseher (Robin Hobb) oder auch Kvothe (Rothfuss) entwickelt sich auch Vaelin bald zum Überhelden, der als perfekter Kämpfer, geborener Anführer und tiefsinniger Philosoph beschrieben wird.

Es ist sicherlich nicht die originelle Geschichte, die DAS LIED DES BLUTES auszeichnet, dafür aber umso mehr die Art, wie sie erzählt ist. Anthony Ryans gelingt es nämlich, den Leser von der ersten Seite an in den Bann zu ziehen, in eine fantastische Welt, die voller Geheimnisse steckt, die ergründet werden wollen. Der Verlust der Unschuld, Moral und Glaube sind die Themen zwischen den Zeilen, die den Leser berühren, während die Handlung stets spannend voranschreitet. Wenn der schottischen Autor eins verstanden hat, dann wie man eine Geschichte erzählt. Im Storytelling liegt ohne Zweifel die große Stärke dieses Romans. Aber auch sprachlich punktet Ryan auf ganzer Linie. Einen entsprechend (gewohnt) hohen Anspruch hatte Klett Cotta daher auch an die Übersetzung und beauftragte die beiden preisgekrönten Übersetzer Sara und Hannes Riffel damit, das Werk ins Deutsche zu übertragen. Sie sorgen für eine überdurchschnittlich gute Übersetzung, wie sie im Fantasy-Genre immer noch viel zu selten ist.

Eine interessante Hintergrund-Info ist übrigens, dass Anthony Ryans für sein Debüt zunächst keinen Verleger fand und das Buch daher zunächst im Self-Publishing-Verfahren nur als eBook veröffentlichte. Erst als es zum Verkaufsrenner wurde, klopften die ersten Verlage an die Tür. Eine Vorgehensweise, die letzte Zeit immer mehr Schule macht und vielen Self-Publishern Hoffnung gibt, eines Tages doch noch einen großen Wurf zu landen.

DAS LIED DES BLUTES – RABENSCHATTEN 1 ist ein spannender und zugleich intelligenter Fantasy-Roman, der sprachlich und erzählerisch aus der großen Masse hervorsticht, aber dennoch nicht komplett eigenständig bestehen kann, da er sich bekannter Grundstrukturen bedient, wo sich mancher sicherlich etwas originelleres versprochen hätte. Aber aufgrund der fesselnden Handlung und der hervorragend ausgearbeiteten Charakteren kann über dieses Manko getrost hinweg gesehen werden. Ein herausragendes Debüt von einem Autor, in dem noch viel Potential steckt und der uns in den nächsten Jahren hoffentlich noch das eine ums andere Mal mit seinen Werken überraschen wird.

DAS LIED DES BLUTES – RABENSCHATTEN 1

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