Zum Inhalt springen

Passwort vergessen?

Jetzt registrieren

herr-der-ringe-film.de

Filmkritik: MARA UND DER FEUERBRINGER

; Quelle: HDRF

Als die 15jährige Außenseiterin Mara (Lilian Prent) von einem sprechenden Ast erfährt, dass sie eine germanische Seherin ist und vom Schicksal auserwählt wurde, den Ragnarök, also den Weltuntergang, aufzuhalten, passt ihr das gar nicht in den Kram, denn eigentlich ist sie im Moment voll mit ihrer eigenen Pubertät und den Macken ihrer nervigen Esoterik-Mutter (Ester Schweins) beschäftigt. Doch so eine Welt rettet sich nicht von alleine und so führt ihr Abenteuer sie und ihren Mentor Professor Weissinger (Jan Josef Liefers) einmal quer durch die Nordisch-Germanische Sagenwelt, gewürzt mit allerlei popkultureller Referenzen und einem effektreichen Finale. Ein deutscher Fantasy-Film -- Ob das gut geht?

Aber der Reihe nach -- Die Nibelungensage ist ins Ungleichgewicht geraten, als die Göttin Sigyn (Eva Habermann) vom mysteriösen Feuerbringer Loge (stimmgewaltig Thomas Fritsch) entführt wird und ihrem Gatten, dem Halbgott Loki (Christoph Maria Herbst), nicht mehr beistehen kann, der -- der Sage gemäß -- an einen Felsen gefesselt sein Dasein fristet. Um seine Göttergattin zu befreien, droht Loki nun sich loszureißen, was dem Weltuntergang gleich käme. Um dies zu verhindern, muss Mara die entführte Göttin aus den Fängen des Feuerbringers befreien und so die Sage wieder ins Gleichgewicht bringen. Und so entfaltet sich eine klassische Coming of Age Geschichte in einem durchaus reizvollen Szenario.

Unterhaltsame Lehrstunde in Sachen Mythologie

Richtig erfrischend ist die Tatsache, dass Regisseur Krappweis auf den in so vielen deutschen Komödien überstrapazierten Slapstick verzichtet und sowohl seine Zuschauer (durch alle Altersgruppen) als auch das Thema der Nibelungen ernst nimmt. Dabei instrumentalisiert er die germanisch-nordische Mythologie nicht, bloß um eine spannende Abenteuergeschichte zu erzählen, sondern das Gegenteil ist der Fall. Krappweis möchte sein Publikum für den Stoff begeistern. An einigen Stellen scheint die Handlung sogar fast ein Vorwand zu sein, um dem Zuschauer die Mythenwelt näherzubringen. Und nicht nur einmal hat man den Eindruck, dass Professor-Weissinger-Darsteller Jan Josef Liefers die schiere Menge an Fakten durch schnellen Redefluss zu kompensieren versucht. Krappweis hat so viele wissenschaftliche Hintergründe ins Drehbuch gepackt, wie die Seiten tragen konnten. Das ist einerseits vor allem für ältere Zuschauer durchaus reizvoll, weil es eine anspruchsvollere Ebene eröffnet, geht aber manchmal auf Kosten der Handlungslogik, die der Faktentreue ein ums andere Mal hinten anzustehen scheint. Und damit auch die jüngeren Zuschauer der zum Teil ziemlich sprunghaften Ereignisse noch folgen können, werden diese durchgehend durch einen Off-Kommentar von Mara begleitet, auf den man an einigen Stellen sicherlich hätte verzichten können. So erklärt sie etwa nach der Begegnung mit Professor Weissinger: „Und so traf ich Professor Weissinger“. Maras Fähigkeit, sich zwischen den Welten hin und her zu „beamen“, wirkt als erzählerisches Mittel ebenfalls etwas holprig, dürfte aber vor allem jüngere Zuschauer kaum stören und wird von Professor Weissinger selbstironisch kommentiert, als die beiden sich auf die legendäre Gnitaheide teleportieren: „Bing – Vierter Stock, Gnitaheide.“ Ähnlich äußert sich Weissinger übrigens auch über die Erkenntnis, dass Ragnarök sich offenbar auf den Brunnenhof der Münchner Residenz beschränkt, mit der Bemerkung, dass er sich den Weltuntergang irgendwie globaler vorgestellt habe. Genau diese Art des Films, sich selbst nicht zu ernst zu nehmen, wirkt äußerst sympathisch.

Wenig Budget, viel Liebe

Handwerklich spielt MARA UND DER FEUERBRINGER für eine deutsche Produktion auf hohem Niveau – Dramaturgie (immer abwechslungsreich und spannend), Schnitt (sehr schön sind die Stör-Schnitte in Lokis Höhle) und Soundtrack (vom HERRN DER RINGE inspiriert mit teilweise ironisch-wagnerischem Einschlag) stehen Hollywood in nichts nach. Auch die visuellen Effekte, allen voran Kreaturen wie der Feuerbringer oder der Lindwurm Fafnir, sind verhältnismäßig gut gelungen, vor allem unter der Berücksichtigung der Tatsache, dass den deutschen Filmemachern mit 6,5 Millionen Euro nur ein Bruchteil des Budgets eines durchschnittlichen Hollywood-Blockbusters zur Verfügung stand. Regisseur Tommy Krappweis, der mit MARA UND DER FEUERBRINGER seinen eigenen Young-Adult-Roman (erschienen bei Egmont Schneiderbuch) verfilmt hat, hat aus jedem ihm zur Verfügung stehenden Euro das Maximum rausgeholt. Und das sieht man auf der Leinwand. Dass er dabei offenbar auch ein paar Kompromisse eingehen musste, merkt man dem Streifen zwar ebenfalls hier und da an, ist aber vor dem genannten Hintergrund durchaus verzeihlich.

Fazit

MARA UND DER FEUERBRINGER ist nicht perfekt – Aber er ist fantasievoll, nimmt sein Publikum ernst und trieft regelrecht vor Herzblut. Und alleine das hat Anerkennung verdient. MARA UND DER FEUERBRINGER ist mit seiner intensiven Beschäftigung mit den Nibelungen, seinen vielen popkulturelle Anspielungen an STAR WARS, DER HERR DER RINGE oder HARRY POTTER, und der Problematik des Erwachsenwerdens ein aufrichtiger Geek-Familien-Film geworden, der durchgehend Spaß macht und den einen oder die andere jüngeren Zuschauer sicherlich auf die mythologischen Hintergründe neugierig werden lässt. Kinostart ist der 2. April 2015.

Sponsor
Anzeige

Die nächsten Termine

Zu den Terminen

*