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Review: Howard Shores Score zu ECLIPSE – BIS(S) ZUM ABENDROT

; Quelle: HDRF

Es ist wohl die Fantasy-Newcomer-Sensation dieses Jahrzehnts: Die Verfilmungen von Stephenie Meyers TWILIGHT-Saga hat die Fantasywelt gespalten: Love it or hate it. Ebenso hat Howard Shores Zusage als Komponist für die Filmmusik von Teil 3 begeistert und erschreckt. Wir haben den Score von HERR DER RINGE-Altmeister gehört.

Seit seiner Filmmusik für DER HERR DER RINGE ist Howard Shore bekannt, eine Vielzahl von Themen und Motiven für seine Musik zu entwickeln und im Laufe des Filmes miteinander zu synthetisieren. Dieses wagner‘sche Grundprinzip hat Shore auch in ECLIPSE angewandt. Während sich Shore in DER HERR DER RINGE harmonisch und stilistisch gerne an Klassikern wie Richard Strauss anlehnte (unter anderem in diversen Hornpassagen), widmet sich Shore in ECLIPSE einem jüngeren, frischen Stil und steht somit auf der Höhe der Zeit.

Shore knüpft stilistisch an Carter Burwells Musik aus Teil 1 an: E-Gitarre und Soloklavier kommen vermehrt zum Einsatz. Die immer wieder unterschwellig auftretenden Percussions (die übrigens live während der Tonaufnahmen und nicht digital am Computer erzeugt wurden), die suspensiven Stakkatostreicher und die latenten Bassuntermalungen lassen das eine oder andere Mal an Hans Zimmers Musik für THE DARK KNIGHT oder Steve Joblonskys TRANSFORMERS erinnern. Sobald sich dieser Gedanke jedoch durchsetzt, kehrt Shore zu seiner Stärke zurück: Er fädelt musikalische Themen in den dunkel tönenden Klangteppich. Und genau das macht ECLPISE so stark. Die Dramatik des Films lässt sich beim Hören erfassen. Eine Qualität die weder Carter Burwell in TWILIGHT noch Alexandre Desplat in NEW MOON aufweisen konnten.

Als Veteran der Filmmusik weiß Shore, die Stilmittel bewusst einzusetzen. So treten die Streicher in spannenden Momenten wie dem eröffnenden „Riley“, „Victoria“ und dem emotionalen Höhepunkt „Mountain Peak“ auf. Immer wieder lässt Shore seine Erfahrungen im Horror-Genre einfließen. Dissonante Streicher, gestützt von Percussions, bilden ein Motiv für die lauernde Gefahr, und werden im Verlauf immer wieder durch Hörner gestützt.

Bellas und Jacobs Themen erklingen in erster Linie vom Piano. Diese Parallele zu Carter Burwells Musik aus dem ersten Film wird Fans besonders gut fallen und in Erinnerung schwelgen lassen. „Jacob Black“ steht als Zentrum des Scores, dessen Thema immer wieder eingestreut wird und die Verbindung zwischen dem Charakter und der unerwiderten Liebe darstellt; ein wahrlich bittersüßes Thema.

Jaspers Thema hingegen beschreibt ein Gefühl von Reue und Verwirrung. HERR DER RINGE-Fans werden hier sicherlich an die dunklen Zeiten Gondors im dritten Teil der Trilogie erinnert werden. Waldhörner und Celli erzeugen eine tiefe Grundstimmung auf deren Wogen die durch hohe Streicher beschriebene Verzweiflung Jaspers zum Ausdruck kommt. Die für Vampirfilme typische Verbindung zwischen dem anziehenden Unbekannten und der daraus resultierenden lauernden Gefahr kommt hier besonders zur Geltung. Als er seine Gefühle zu zügeln beginnt, beruhigen sich auf die Wogen in der Musik, brodeln aber weiter vor sich hin und erzeugen einen für Jasper typischen Sound – und verkünden ein nahendes Unheil.

Howard Shore mit seinem ECLIPSE-Orchester in den Abbey Road Studios in London, Bild: David A. Slade

Bestechend ist ebenfalls der Track „Rosalie“, der musikalisch einen Hinweis auf eine nahende Schlacht gibt. Hier zeigt sich Shore von seiner besten Seite, einer dunklen und bedrückenden Seite. „The Kiss“ ist eine von Streichern dominierte Komposition, die das Kompromiss-Thema, überlagert vom Thema Jacob Blacks, aufgreift. Die Streicher untermauern im Crescendo Bellas endgültige Entscheidung. Schmerzgeladene Streicher beenden den Titel mit einem Gefühl unbehaglicher Einwilligung.

Der Höhepunkt des Filmes ist der Kampf „The Battle/Victoria Vs. Edward“. Hier tut Shore genau das, was er am besten kann: Er kippt den Eisberg, den er während des Scores kreiert hat und bringt die Themen auf ihr Klimax in der vollen Bandbreite des Orchesters. Diese Verknüpfungen spiegeln die Brutalität und die Unbarmherzigkeit der Parteien wieder, die sich hier im Krieg befinden. Die sich auftürmenden Hörner über einem Teppich von Stakkatostreichern lassen an die Schlacht um Helms Klamm erinnern. Allerding bringt Shore hier immer wieder die in TWILIGHT, NEW MOON und ECPLISE etablierten thematischen Momente von unter anderem Bella, Jacob und Jasper ein. Die im Bass angesiedelten Untermalungen, die militaristischen Streicherpassagen und das aggressive Schlagwerk ermöglichen es Shore, eine Einheit zu formen und den Bogen vom ersten Teil an zu spannen. Ein großartiges Hörerlebnis mit Gänsehautgarantie, das mehr als sechs Minuten währt!

Einen tränenreichen Abschluss bietet der Score in seinem finalen Track „Wedding Plans“. Ein musikalisches Flashback zu Bella und Edward auf der Wiese in TWILIGHT erklingt, jedoch in einem dramatischeren und ungewissen Tonus. Angst und Zaudern beschreiben Bellas Gefühle (der Trackname gibt einen Hinweis darauf). Der Titel kommt zu einem gleichwohl dramatischen, aber auch wunderschön erklingenden Höhepunkt auf dem Klavier und untermalenden Stakkatostreichern, und geht direkt in den Titelsong „Eclipse (I’m Yours)“ von Metric über.

Diesen Song hat Shore zu allererst komponiert und aufgenommen, damit er wusste, wo er in diesem Score hinmöchte. Weiß man das, steht dieses Lied am Abschluss und Neuanfang eines großartigen und abwechslungsreichen Scores, der diesmal nicht durch seine Komplexität, sondern durch eine recht simple musikalische Bauweise besticht. Etwas Besseres als Howard Shore hätte dem Film wohl nichts passieren können. So ist es auch nicht verwunderlich, dass der Score als stilitische und inhaltliche Brücke zwischen TWILIGHT, NEW MOON und ECLIPSE steht und atmet.

Wir vergeben 4,5 von 5 Vampirzähnen

Erfahre mehr über den Howard Shores Soundtrack zur DER HERR DER RINGE-Filmtrilogie in unserem Soundtrack-Special .

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