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REZENSION: DER HOBBKNICK

; Quelle: HDRF

J.R.R. Tolkien hatte sich zu Lebzeiten bekanntermaßen selbst nie als der Autor des Mittelerde-Epos betrachtet, sondern stets als Chronist und Übersetzer einer alten Mythologie. In seinen Briefen forderte er seine Leser sogar auf, sich seines Werkes zu bedienen und es nachzuerzählen, damit die Mythologie lebendig wird. Der Essener Musiker und Künstler Myk Jung ließ sich nicht lange Bitten und hat dies auf seine ganz besondere Art und Weise erledigt. Mit DER HOBBKNICK ist jetzt seine bereits dritte Parodie zum tolkienischen Werk erschienen.

Nach seiner Ohrring-„Bilogie“ (DER HERR DER OHRRINGE I und II) erzählt Myk Jung nun auch endlich die Vorgeschichte der Ereignisse in der Mittelmäßigen Welt gegen Ende des Drittletzten Zeitalters. Es beginnt alles damit, dass der unscheinbare Hobbknick Bilbord Beutelkinn Besuch von dem Zauberer Ganzhalb dem Grauen und dreizehn Lendhenzwergen bekommt, darunter dem berühmte Tordrin Leichenkilt, die ihn mit in ein Abenteuer nehmen wollen.

Wer DER HOBBKNICK liest, dem wird bald klar, dass Myk Jung, ganz ähnlich und doch anders als J.R.R. Tolkien, ein Faible für Sprache hat. Ebenso wie der britische Autor begeistert sich der Essener für Klang, Aussprache und Wortkreationen. Auch wenn Jung sich bei seiner Wortakrobatik zu mancher Albernheit hinreißen lässt, so merkt man seinem Text doch auch immer den tiefen Respekt vor der Sprache selbst an. Myk Jungs Humor bleibt nicht oberflächlich, sondern wird zur Auseinandersetzung mit dem tolkienischen Epos, dessen literarische Besonderheiten er gekonnt parodiert und dessen Schwächen er respektvoll veralbert. So würdigt er beispielsweise Tolkiens Hang zu Vorworten, Fußnoten und Anhängen, in dem er dem DER HOBBKNICK ein langes Vorwort, zwei Einleitungen und ein Vorspiel verpasst und die relativ kurze Erzählung schließlich mit einem selbstverliebten Glossar, einer Übersicht der „Orte“, einer Zusammenfassung der „Personen, Biester und Monster“, sowie der „Pflanzen“ und einer „Übersetzung der nicht berücksichtigten Sätze“ abschließt. Zudem gibt es Dutzende Fußnoten, wie jene, dass der vollständige Name der Tabaksorte „Alter Tuubi“ eigentlich „Tubiornottubi“ lautet.

Aber nicht nur die Schwächen des originalen Werks, auch die deutschen Übersetzungen werden ein ums andere Mal aufs Korn genommen, wie beispielsweise die Übersetzung der Namen der drei Trolle (beziehungsweise hier „die drei Dollen“, beziehungsweise die „kubistisch Gekanteten“):

Die Drei haben in den untereinander konkurrierenden Übersetzungen der Bilboard-Geschichte ganz unterschiedliche Namen. In der vorliegenden Version heißen sie Huto, Herpert und Willbar. Was, wie in allen anderen Übersetzungen, nicht recht zu dieser insgesamt archaisch anmutenden Abenteuergeschichte passen will.

Eigene Schwächen der Erzählung, wie der überstrapazierter Gebrauch der Geste des Sich-an-den-Kopf-Patchens, kritisiert Myk Jung selbst in Form eingefügter „Anmerkungen des Übersetzers“, denn ähnlich wie Tolkien bezeichnet er sich selbst nie als der Autor der Geschichte, sondern stets als Übersetzer. Besonders viel Spaß bereitet die Lektüre an jenen Stellen, an denen Myk Jung selbst tiefer in die Mythologie vordringt und wie in diesem Bespiel den Hintergrund von Elrond, ähm Allround, erläutert:

Allround, der Halb-Alberne, Nachkomme von Elan-Andy und Ewing Eul, solchermaßen verwandt mit den edelsten Häusern der Albernen und Menschen – und selbst Ludien und Beeren gehören zu seinen Vorfahren, glaubt es oder nicht! – er taucht in vielen Heldengeschichten der Mittelmäßigen Welt auf! Oftmals als Hintergrundfigur, bei der die Fäden zusammenlaufen, doch zuweilen als Ratgeber im Zentrum der Sagen! Seine Weisheit ist legendär und die Macht des blauen Ohrrings, den er im Läppchen trägt

DER HOBBKNICK ist sicherlich nicht jederelbs Geschmack und der Genuss empfiehlt sich vor allem Kennern der Tolkien-Literatur. Denn nur, wer sich intensiv mit Jungs Inspirationsquelle auseinandergesetzt hat, dem erschließen sich alle Pointen (beispielsweise die Anmerkung, dass Guelles Verwechslung mit einem glupschäugigen Riesenfrosch einem gewissen Khlausensykat zu verdanken ist. Na, wer hat das verstanden?) Aber all diejenigen werden ihre wahre Freude an dieser Ode an die Sprache haben, die zugleich philosophische Betrachtung und Hommage des tolkienische Werkes ist.

Der Hobbknick

  • von Myk Jung
  • Taschenbuch: 255 Seiten
  • Verlag: Plöttner Verlag; Auflage: 1. Aufl.
  • Erscheinungstermin: 5. Oktober 2012
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 395537002X
  • ISBN-13: 978-3955370022
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