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Silmarillion meets Ethno-Pop-Schnulze

; Quelle: HDRF

Sie nennt sich Oonagh und versucht derzeit den Popmusik-Himmel zu erobern. Ihre Rezept: Eine Portion Ethno-Quatsch, ein Prise Wicca, gemischt mit Quenya und der Mythologie von Tolkien. Einmal gut umrühren und herauskommt ... naja, hört selbst.

Die deutsche Sängerin und Musical-Darstellerin Senta-Sofia Delliponti, die unter anderem durch ihre Auftritte bei STAR SEARCH und in der RTL-Soap GUTE ZEITEN, SCHLECHTE Zeiten bekannt wurde, leiht Oonagh ihr Gesicht und ihre Stimme. Ende Januar ist ihr erstes Album erschienen, und dies trägt praktischerweise den gleichen Namen wie sie: Oonagh.

Unsere Aufmerksamkeit bekam sie vor allem durch die Tatsache, dass fast alle ihre Lieder Textpassagen in Quenya oder Sindarin enthalten. Einige Stücke, wie der Titel "Orome" sind sogar auch inhaltlich dem Tolkien-Kosmos gewidmet.

In dem Lied, das sich inhaltlich dem großen Jäger der Valar widmet, heißt es unter anderem

Oromë, Oromë, Aman haila, Aman haila na, Aldaron,
Oromë, Oromë, Aman haila, Aman haila na, Vorondon.

Aus dem Quenya* übersetzt also etwa:

Orome, Orome, Aman ist fern, Aman ist fern, Herr der Bäume,
Orome, Orome, Aman ist fern, Aman ist fern, Beständiger.

In ihrem Lied Gäa (das deutsche Wort für die Göttin Gaia / Erde) ist ebenfalls Quenya zu hören

Nárë ar nén,
Vist' ar cemen,
Amil ily' engwion, ilyo coirëa
Óma ómaron, á tana men i tië

Feuer und Wasser
Luft und Erde
Mutter aller Dinge, allem was lebt
Stimme aller Stimmen, weise den Weg

Selten wurde Tolkiens Werk dermaßen in die Belanglosigkeit gezerrt. Die Versatzstücke aus Ethno-Motiven, Esotherik und Mittelerde-Romantik gehüllt in seelenlosen Ethno-Pop, der vor falschem Pathos nur so trieft, scheinen bei der großen Masse anzukommen. Das offizielle Musikvideo zu "Gäa" hat nach anderthalb Woche fast 100.000 Klicks und viele begeisterte Kommentare geerntet. Ihr Album Oonagh verteidigt derzeit bei amazon.de Platz 12 der Pop-Verkaufscharts.

Man mag von solcher Musik halten was man will und es wird sicherlich auch den einen oder die andere geben, die sich für solch leicht zugängliche Ethno-Schlager begeistern können, aber dem armen Orome hat das nicht verdient, finde ich.

UPDATE:

Einige unserer Leser waren der Meinung, dass ich mit Oonagh etwas zu hart in Gericht gegangen bin. Ich möchte an dieser Stelle klar stellen, dass meine Besprechung natürlich nicht persönlich gemeint ist. Senta-Sofia Delliponti und ihre Crew verstehen ihr Handwerk und sind vermutlich privat unheimlich nett. Ich schildere oben nur ganz subjektiv meine Meinung zu solcher Art von Musik und deren Vermarktung.

UPDATE 2:

Und zur Klarstellung für alle, die glauben Oonagh wäre eine kleine Independent-Künstlerin. Es handelt sich um ein aufwändiges, kommerzielles Musik-Projekt von Elephant Music, vertrieben durch Universal Music. Derzeit wird Oonagh extrem gepusht und es werden Tausende von Euro in das Marketing (u.a. Fernsehwerbung) gesteckt. An Komposition und Text ist die Sängerin Senta-Sofia Delliponti im Prinzip gar nicht beteiligt, sie leiht dem Projekt nur ihre Stimme und ihr Gesicht. Die eigentlichen Fadenzieher sind u.a. folgende Herren:

  • Mark Nissen und Hartmut Krech, unter anderem bekannt als Komponisten und Texter von "Schnappi das kleine Krokodil", Die Zipfelbuben ("Hier im Dschungel) und DJ Ötzi.
  • Thorsten Brötzmann, Komponist/Texter von Brosis, No Angels und verantwortlich für DJ Ötzis Super-Hit "Ein Stern (...der deinen Namen trägt)".
  • Lukas Hainer, der Texter und Songwriter von Santiano, Jay Khan, Die Schlümpfe, DJ Ötzi und Jürgen Drews.
  • Frank Ramond, der unter anderem für Yvonne Catterfeld, Christina Stürmer, DJ Ötzi, Truck Stop, Nino de Angelo, Lotto King Karl oder auch Vicky Leandros Songs geschrieben hat.
  • Ivo Moring der u.a. für Jordan Knight & New Kids on the Block, Christina Stürmer, Sandra, Coolio, Adoro, Matthias Reim, Jürgen Drews und Roland Kaiser komponiert hat.
  • Ali Zuckowski, Komponist/Texter von Christina Stürmer, die Prinzen und Ina Müller.
Nur bei dem Song "Hörst du den Wind" hat auch Senta-Sofia Delliponti Text und/oder Musik zum Teil selbst beigetragen. Wir möchten die handwerkliche Leistung dieser Personen nicht schmälern, sondern Euch vielmehr klar machen, dass an einem großen kommerziellen Projekt wie Oonagh jede Menge Menschen involviert sind, die dafür Sorgen, dass nichts dem Zufall überlassen bleibt.


* Die komplette Übersetzung aller elbischen Texte von Oonagh gibt es hier bei Elbisch.ch.

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