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Eindrücke von zwei Konzerten

; Quelle: Roland Widmer

Wir haben in den letzten Tagen und Wochen viele E-Mails von Euch zu den unterschiedlichen HERR DER RINGE Konzerten bekommen, die derzeit durch Deutschland touren. Roland Widmer hat nun das GEFÄHRTEN-Konzert in München mit der Aufführung der Warschauer Symphoniker verglichen.

Eindrücke von zwei HERR DER RINGE Konzerten
von Roland Widmer

Als ich mir vor ein paar Monaten einen Eintritt zu einem der HERR DER RINGE Konzerte dieses polnischen Orchesters und Chor kaufte wusste ich noch nicht, dass ich auch die Gelegenheit erhalten würde an eine der Welturaufführungen von DIE GEFÄHRTEN (Howard Shores Musik live zum Film gespielt) in Luzern (Schweiz) zu gehen. Da ich gerne an Konzerte gehe und ich HERR DER RINGE Fan bin machte mir das nichts aus, im Gegenteil. Dadurch hatte ich die Gelegenheit zwei Aufführungen zu vergleichen … wenn … man sie denn vergleichen kann.

Ich bin kein Anhänger ausführlicher Musikkritiken, die hauptsächlich Nuancen beanstanden, hier ging es um (fast) Grundsätzliches, wie wirkten diese zwei verschiedenartigen Aufführungen auf mich?

Grundsätzliche Unterschiede:

Kurz gesagt, es war in etwa so wie der Unterschied zwischen einer (guten) Amateurband die einen Song covered und der Originalband, die "The Real Thing" ist. Nach dieser Live Aufführung zum Film wurde mir bewusst wie "nachgeschrieben" die Musik des polnischen Orchesters war. Howard Shore war bei der Luzerner Aufführung anwesend (!), er gab eine Stunde vor dem Konzert eine Einführung in seine Musik, sie war frei zugänglich für jeden, auch ohne Eintrittskarte.

Was wurde genau an Musik gespielt? Das Warschauer Orchester spielte Ausschnitte und Lieder aus allen drei Filmen, leider in nicht chronologischer Reihenfolge, so dass man selbst mit Programm nie wusste was da nun gespielt wurde (ausser Lieder wie "May it be"). In der Luzerner Aufführung war es ja offensichtlich chronologisch und nur der erste Teil (DIE GEFÄHRTEN). Da das Warschauer Orchester immer Ausschnitte spielte wurde danach jedesmal applaudiert. Das machte bei mir oft jede Stimmung kaputt. In der Luzerner Aufführung war kein Applaus, ausser ganz am Schluss natürlich.

Unterschiede von Chor und Gesang:

Ein wichtiger Unterschied war der Chor im Warschauer Orchester bzw. die Chöre in der Luzerner Aufführung. Das Warschauer Orchester hatte einen gemischten Chor aus Männer und Frauen, die Musik von HERR DER RINGE verlangt zusätzlich aber (unbedingt!) nach einem Knaben- oder Kinderchor mit entsprechenden Kindersolisten, was in der Luzerner Aufführung natürlich da war. Man sah die Solisten singen, was sehr speziell ist, da der Film ja auch lief und man so immer wieder zu den Solisten/ Solistinnen hinschaute. Nun, apropos Solistinnen, da waren auch diese Unterschiede. Die Warschauer Orchester Solistinnen hatten gute Stimmen und interpretierten die Lieder so wie sie es eben können, aber halt nicht so wie es sein sollte. Die Luzerner Aufführung Solisten/Solistinnen sangen die Lieder ziemlich genau so wie im Film (auch das Lied "Aniron" und "May it be"). Die Knabensolisten waren auch sehr gut und es ist schon eigenartig wenn auf der Leinwand das Böse wütet und links unterhalb ein Bub dazu singt…

Unterschiede der Orchestrierung:

Man merkte es der Orchestrierung der Musik an, was mit öffentlich gekauften Noten nachorchestriert wurde (Warschauer Orchester) und was Original Howard Shore war (Luzerner Aufführung). Es gab viel mehr Nuancen und der allgemeine Sound war "korrekter". Man vergass beim Film anschauen oft, dass da ein Orchester dazu spielte. Im Warschauer Orchester fehlten Instrumente, die der Musik einen bestimmten Charakter erteilten (z.B. das Monochord, eine Art Ur-Saiteninstrument).

Das Warschauer Orchester war recht gross, nur hörte man die Bläser bei Saruman / Orthanc kaum (dieses Thataaa- tha-taaaa). In der Luzerner Aufführung waren diese natürlich da! Die Rhythmus Abteilung des Warschauer Orchester bestand aus einer "Mittelalter meets Mittelerde" Gruppierung, die an jedes Mittelerdefest gut hinpassen würde (optisch wie akustisch) aber in einem Orchester nichts zu suchen hatte, sie verliehen dem Konzert etwas Amateurhaftes. Ihre Trommeln waren ungeeignet, sie tönten zwar, aber da gibt es eben diesen Unterschied zwischen guten und schlechten Trommeln! Diese (ungeeigneten) Trommeln waren am Warschauer Orchester Konzert viel zu dominant. Die Luzerner Aufführung hatte die original verwendeten Instrumente wie (viele) Kesselpauken, japanische Taiko Trommeln, einen Flügel (die tiefen Tasten als Klangfarbe), eine Eisenstange (mit einem Metallhammer geschlagen) und der metallene Klaviersaitenrahmen, der mit einer Metallkette gehauen wird! Da ging die Post ab wenn die mal loslegten. Man wusste dann nicht Warschauer Orchesterhin schauen, auf den Film oder auf’s Orchester.

Unterschiede am Dirigentenpult:

Das Warschauer Orchester wurde von einer Frau dirigiert, da habe ich sicher nichts dagegen, nur ein klitzekleines Lächeln hätte ich mir gewünscht. Die war so bockernst als hätte sie gerade den Trauermarsch zu Siegfrieds Tod aus Wagners "Götterdämmerung" aufgeführt.

In der Luzerner Aufführung schaute ich (als Amateur Dirigent) immer wieder zum Dirigentenpult hin. Der Dirigent hatte zur Synchronisation nebst der Orchesterpartitur auch einen Laptop vor sich. Da kamen die sogenannten Cues & Tempi zu den diversen Szenen, damit er auch wusste wann und wie schnell der Einsatz des Orchesters kommt. Ich fieberte manchmal mit ob er nun den Einsatz verpasst oder nicht – war nie der Fall, aber es gab der Aufführung noch ein Spannungselement mehr. Was beim Warschauer Orchester ziemlich nicht der Fall war. Die hatte nebst einer Light Show (die war o.k.) so eine Art PowerPoint Präsentation auf einer Leinwand mit geradezu peinlichen Bildern und stilisierten Schwarzen Reitern, die so von links oben nach rechts unten animiert wurden (sie durften ja keine HERR DER RINGE Künstler Bilder nehmen). So standen da manchmal Karten von Mittelerde, die nicht das Mittelerde zur Zeit Frodos darstellten sondern einfach nur so aussahen (echt verwirrend).

Unterschiedliche Eindrücke:

Die Eindrücke nach dem Warschauer Orchester Konzert waren schon recht unterschiedlich zu denen der Luzerner Aufführung. Das Publikum beim Warschauer Orchester Konzert war kein offensichtliches "Klassisches Konzert" Publikum, was mich sehr freute, konnte man doch via diese HERR DER RINGE Aufführung auch Leuten zwischen 16 und 26 Jahren das Klassische Orchester mit seiner Art Musik zu machen näher bringen, dazu half auch die dem Stil angepasste Light Show. Es gab viele begeisterte Konzertgänger. Nur, dasselbe hätten sie mit der richtigen HERR DER RINGE Symphony von Howard Shore auch gehabt. Wie schon erwähnt, es war schon so als ob eine gute Amateurband Songs von z.B. Bryan Adams covered und dann auf Tournee geht, es ist einfach nicht dasselbe.

Die Eindrücke der Luzerner Aufführung sind ganz anders. Man kam mit einem Gefühl heraus etwas Schönes erlebt zu haben. Da die Musik live gespielt war, wurde der Text (Englisch mit deutschen Untertiteln) bei gewisse Szenen von der Musik übertönt, das tat dem Film aber gar keinen Abbruch. Man fühlte sich in solchen Momenten in die Zeit des Stummfilms zurückversetzt und hatte nur Film und Musik vor sich, obwohl gesprochen wurde. Und trotzdem haben diese Stellen viele Emotionen ausgelöst. Auch genoss ich Arwens Ritt mit Frodo mit vollem Tutti Orchester (im Soundtrack spielt die Musik ziemlich im Hintergrund). Ganz komisch fand ich jene Stellen im Film Warschauer Orchester keine Musik spielt … Man wurde sich dort bewusst wie oft die Musik spielt, fast immer!

Was bleibt?

Nach dem Warschauer Orchester Konzert ging ich raus und fand es eigentlich schön, mal diese Musik live gehört zu haben, obwohl … (siehe oben). Nach dem Luzerner Aufführung Konzert war ich ganz anderer Stimmung, da waren diese langen Endtitel im Film Warschauer Orchester man sich nochmals alles durch den Kopf gehen lassen konnte. Dann kam tobender Applaus mit Bravos und Freudengepfeiffe. Als der Komponist und Oscarpreisträger Howard Shore auch noch auf die Bühne trat fand der Applaus kein Ende. Da habe auch ich meine Bravos gerufen und konnte mich so quasi für seine tolle Musik bedanken.

Die Pünktchen aufs i:

Nach dem Konzert gab Howard Shore noch ein paar Autogramme und ich konnte mit ihm ein wenig plaudern (yes!!), am Ende des kurzen Gespräches tauchte dann noch der Künstler … John Howe auf (doppel yes!)

Was kommt:

Noch etwas? Nun, am Ende des Filmabspannes kam dieser kleine Hinweis: 2009 Live Performance THE TWO TOWERS.

Diesen Abend so schnell ich nicht vergessen werd' und mich freu' wie anno domini 2001 aufs kommende Jahr.

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