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Buchrezension: Den HOBBIT neu entdecken

; Quelle: HDRF

Pünktlich zum HOBBIT-Jahr 2012 bringt Klett Cotta eine neue, ganz besondere Ausgabe von J.R.R. Tolkiens DER HOBBIT unter dem Titel „Das Große Hobbit-Buch“ heraus. Zugegeben, dieses Buch als eine neue Ausgabe des Kinderbuchs von 1937 zu bezeichnen ist schlichtweg untertrieben, denn bei diesem Werk handelt es sich um eine opulent und tiefgründig kommentierte und reichhaltig bebilderte Version, die wir genauer unter die Lupe genommen haben.

Bei dem „großen Hobbit-Buch“ handelt es sich um die erste deutsche Übersetzung von „The Annotated Hobbit“, eine von dem Tolkien-Forscher Douglas A. Anderson kommentierte Ausgabe von J.R.R. Tolkiens „The Hobbit“, die erstmals 1988, zum fünfzigjährigen Jubiläum der Erstveröffentlichung des Romans, erschien und später noch einmal überarbeitet wurde.

Das Buch enthält den kompletten Romantext des Kinderbuchs „Der Hobbit“ mit unglaublich vielen Anmerkungen, Erklärungen und Interpretationen von Douglas A. Anderson. Dabei sind Romantext und Anmerkungen farblich voneinander getrennt, so dass sie gut zu unterscheiden sind. Die Randnotizen und Erläuterungen von Anderson sind manchmal so umfangreich, dass es durchaus vorkommen kann, dass eine Buchseite nur zu ¼ die Geschichte und zu ¾ Erklärungstexte enthält. Bei seinen Anmerkungen beweist Douglas A. Anderson außergewöhnliche Hintergrundkenntnisse zu Tolkiens Werk, dem Leben des Autors und der englischen Literaturgeschichte. Kein Wunder, denn der amerikanische Literaturwissenschaftler beschäftigt sich schon seit Jahrzehnten mit Tolkiens Werken.

Anderson bringt Bezüge zum restlichen tolkienischen Kosmos in einen Zusammenhang, erklärt die Entstehungsgeschichten von Wörtern oder ganzen Passagen, erzählt Anekdoten und interpretiert Textstellen. Dabei wird auch immer wieder auf die umfangreiche Sekundärliteratur zu Tolkien verwiesen, wie die „History of Middle-earth“, „Unfinished Tales“, „Briefe“ und viele andere. Dabei taucht Anderson manchmal tief in die Materie ein und obwohl dieses Buch sicherlich keinen wissenschaftlichen Anspruch erfüllen soll, tut es dies doch an vielen Stellen. Ein wahres Paradies für Philologen, Literaturwissenschaftler und Tolkien-Fans. Aber keine Angst, wem das zu schwere Kost ist, braucht dieses Werk dennoch nicht zu scheuen, denn die Erläuterungen liegen ja nicht als Fliesstext vor, sondern als Fußnoten. Daher kann man sich als Leser durchaus aussuchen, welche Anmerkungen man sich zu Gemüte führen möchte und welche nicht. Wer sich nicht unbedingt für die etymologische Herkunft mancher Wörter interessiert wird vielleicht Gefallen an den biografischen Anekdoten finden. Und auch wer sich nur für die Mythologie und nicht die literarischen Hintergründe interessiert, wird über interessante inhaltliche Details aufgeklärt, beispielsweise warum es sich beim Adlerfürsten im „Hobbit“ nicht um Gwaihir handelt und warum Elbenkönig Thranduil goldenes Haar hat. Ergänzt werden die Anmerkungen durch Zeichnungen von Tolkien, sowie zahlreichen Illustrationen aus den internationalen Ausgaben, unter anderem von Künstlern wie Alan Lee, Maret Kernumees, Ryûichi Terashima, Chica, Nada Rappensbergerová oder Horus Engels.

Als Grundlage für die deutsche Ausgabe dient übrigens die aktuelle Hobbit-Übersetzung von Wolfgang Krege, bei der es sich trotz kleiner Schwächen immer noch um die beste deutsche Übersetzung des Kinderbuchs handelt. Die Übersetzungen der Lieder wurde noch einmal vom Stuttgarter Übersetzer Joachim Kalka durchgesehen und „behutsam ergänzt“, wie es im Impressum heißt. Außerdem enthält das Buch auch einige Passagen aus „Nachrichten aus Mittelerde“ in der Übersetzung von Hans J. Schütz aus dem Jahr 1983. Der Löwenanteil aber, nämlich die unzähligen Kommentare von Douglas A. Anderson, wurden von der Berliner Tolkien-Expertin Lisa Kuppler übersetzt. Sie hat das englische Original außerdem noch um eine ausführliche Schilderung die Publikationsgeschichte des „Hobbits“ in Deutschland, sowie um viele Anmerkungen zu den deutschen Übersetzungen, ergänzt. Somit ist die deutsche Ausgabe sogar noch umfangreicher als der englische „The Annotated Hobbit“.

Man möge mir die Floskel verzeihen, aber „Das Große Hobbit-Buch“ darf wirklich in keiner Tolkien-Sammlung fehlen. Wer glaubte, er kenne das Kinderbuch in- und auswendig, dem wird sich mit diesem Werk eine ganz neue Dimension eröffnen. „Das Große Hobbit-Buch“ lädt den Leser ein, den „Hobbit“ selbst nach vielen Jahren noch einmal neu zu entdecken. „Das Große Hobbit-Buch“ ist aber nicht nur eine lohnende Anschaffung für alle, deren Ausgabe vom „Hobbit“ bereits komplett zerlesen ist, sondern auch für alle, die sich vor dem Kinostart von DER HOBBIT: EINE UNERWARTETE REISE am 13. Dezember mit allen Hintergründen vertraut machen wollen, die auch den Filmemachern zur Verfügung standen. Denn einen Großteil der Inspirationen zu seiner Verfilmung wird Regisseur Peter Jackson sicherlich aus „The Annotated Hobbit“ bekommen haben. Fazit: Kaufempfehlung (am besten in einer lokalen Buchhandlung in Eurer Nähe).

J. R. R. Tolkien, Douglas A. Anderson

Das Große Hobbit-Buch

  • aus dem Englischen von Lisa Kuppler
  • 1. Aufl. 2012
  • 418 Seiten
  • gebunden mit Schutzumschlag
  • Lesebändchen
  • ca. 200 Abbildungen, 8 Farbtafeln, Großformat
  • ISBN: 978-3-608-93714-5
  • Leseprobe (PDF) bei Klett Cotta.

Online-Bestellmöglichkeiten:

UPDATE: Wie wir mittlerweile feststellen mussten, fehlt in dem Buch ein ganzer Absatz der Geschichte zwischen den Seiten 282 und 283. Die Zwerge stehen vor der verschlossenen Geheimtür und wissen nicht, wie man sie öffnet. Anschließend betritt Bilbo die Höhle. Der Absatz mit der Öffnung der Tür fehlt komplett. Der Verlag Klett Cotta bedauert diesen Fehler, der sich beim Setzen dieses satztechnisch sehr komplexen Buchs eingeschlichen hat. Der noch nicht verkauften Auflage wird ab sofort ein extra gestaltetes Blatt beigelegt, welches den Text um den entsprechenden Abschnitt ergänzt. Diejenigen Leser, die schon ein Exemplar erworben haben, können die Ergänzung kostenlos und portofrei anfordern: vertrieb@klett-cotta.de.

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