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REZENSION: DIE WIRKLICHE MITTELERDE

; Quelle: HDRF

Von Beowulf über die Legende von Fionn mac Cumhaill bis zur Edda – Schon einiges wurde über die Vorbilder und Einflüsse des J.R.R. Tolkien geschrieben. Der britische Autor selbst hat in zahlreichen Aufsätzen, Briefen und Interviews seinerzeit selbst Stellung zu seinen Einflüssen genommen und diese ausführlich erläutert. Mit seinem gerade erschienenen Buch DIE WIRKLICHE MITTELERDE geht nun auch der Bonner Germanist Arnulf Krause diesen Einflüssen nach und sucht darüber hinaus Parallelen zwischen Tolkiens Kosmos und der Mythologie der Angelsachsen, Kelten, Wikinger und Germanen.

In seinem Buch schildert Krause unter anderem welche Bedeutung die verschiedenen, bestehenden Mythologien für Tolkien selbst hatten. Dabei geht er auch intensiv auf Tolkiens Beziehung zur Edda, der Völuspá und Beowulf ein und schildert, wie Tolkien vom altenglischen Gedicht Crist beeinflusst wurde, aber auch dem christlichen Schöpfungsmythos. Krause schildert die Entstehungsprozesse dieser Mythologien und vergleicht sie mit Tolkiens Vorgehensweise. Dabei steht aber nicht der Vergleich der Mythologien selbst im Vordergrund, sondern vielmehr eine Abbildung der Mythologien unserer Welt, der „wirklichen Mittelerde“, wie Krause sie immer nennt. Das klingt trocken, liest sich aber überraschend unterhaltsam.

Tolkiens Opus dient hier mehr als roter Faden und Aufhänger, tatsächlich geht es in „Die wirkliche Mittelerde“ um einen Abriss der gesamteuropäischen Mythologien, gespickt mit interessanten Querverweisen zu Tolkiens Werk, wie beispielsweise dem Hinweis, dass Tolkiens Ortsbezeichnung „Mirkwood“ („Düsterwald“) vom altnordischen Wort „Myrkvi?r“ inspiriert wurde. Darüber hinaus beschreibt Krause auch Parallelen, die Tolkien gar nicht als Inspiration gedient haben können. Beispielsweise vergleicht er die Hügelgräberhöhen aus DER HERR DER RINGE mit dem Hügelgrab der Fürsten von Hochdorf bei Stuttgart, das aber erst 1978, fünf Jahre nach Tolkiens Tod entdeckt wurde.

Es scheint fast, als ob der promovierte Germanist und Skandinavist, Sachbuchautor und Experte für germanische Heldensagen mit seinem Buch einen missionarischen Ansatz (im positiven Sinn) verfolgt. Er möchte scheinbar Tolkien-Fans, deren gesamtes mythologisches Knowhow sich bisher auf die Werke des Oxford-Professors beschränkte, bei ihrer Leidenschaft abholen und ihnen eröffnen, dass es die gleichen faszinierenden Motive und das gleiche Epos auch in den Sagen unserer Vorfahren gibt. Dass es eigentlich keinen Tolkien braucht, um von Drachen, legendäre Schwerter, Helden und Zauberern zu lesen. Gleichzeitig zeugt sein Buch von tiefstem Respekt gegenüber Tolkiens Werk. Alles in allem liefert Krause mit „Die wirkliche Mittelerde“ eine unverhohlene 232-seitige Liebeserklärung an die großen Mythen und Legenden Europas, die auch schon Tolkien in ihren Bann gezogen haben.

Arnulf Krause
Die wirkliche Mittelerde: Tolkiens Mythologie und ihre Wurzeln im Mittelalter
Gebundene Ausgabe: 232 Seiten
Verlag: Theiss
Sprache: Deutsch
ISBN-13: 978-3806224788

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