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DER HOBBIT: EINE UNERWARTETE REISE - Transkript unserer Filmbesprechung

; Quelle: HDRF

Unser rasender Reporter Sven war zu Gast bei der Weltpremiere von DER HOBBIT: EINE UNERWARTETE REISE in Wellington und hatte die große Ehre den Film sogar schon einen Tag vorher zu sehen. Drüber sprechen durfte er aber erst heute. Wir präsentieren: Unsere exklusive Filmbesprechung zu Peter Jacksons Auftakt zur HOBBIT-Trilogie!

Ja, es ist ein Review, es sind ein paar Spoiler drin und ich möchte versuchen es etwas kürzer zu halten und euch einfach mal meine Eindrücke als Tolkien- und unglaublicher Kinofan schildern.

Das Wichtigste vorweg: Peter Jackson hat es wieder geschafft. Er hat den Film genommen, er hat die ganze Konkurrenz genommen, sie in eine Tüte gesteckt und mit ihr gnadenlos den Boden gewischt. Für mich als Fantasy- und Kinofan war das mit Abstand der beste Film seit DER HERR DER RINGE-Trilogie. Es war ein großartiges Kinoerlebnis: Unglaubliche Atmosphäre, wundervolle Musik, tolle Charaktere, auch sehr viel Spaß, grandiose Action und eine sehr interessante neue 48fps-Technik, die wahrscheinlich nicht jedem gefallen wird, ebenso wie der Film, der, wenn man ihn mit dem Buch vergleicht, schon einige Änderungen enthält.

Wo fangen wir am besten an? Vielleicht einmal mit der Atmosphäre. Also sie ist wirklich großartig. Sie ist tief und die für mich wundervollsten Momente waren eigentlich die Referenzen zum HERR DER RINGE in Verbindung mit diesem unglaublichen Soundtrack von Howard Shore. Für mich gehört Musik mit zu den wichtigsten Komponenten des Films; eines jeden Filmes. Und Howard Shore hat es auch wieder geschafft. Seine Leitmotivtechnik ruft so viele Erinnerungen wach. Ich fand es extrem erstaunlich wie ein Leitmotiv einer Musik es einfach schafft, die ganzen Erinnerungen von DER HERR DER RINGE-Trilogie wieder ins Gedächtnis zu rufen und über diese Referenz eine unglaubliche Atmosphäre zu erzeugen. Das war wirklich sehr schön in diesem Film.

Ja, es gibt viele Änderungen gegenüber dem Buch. Es werden sehr viele Dinge erweitert und dadurch dass ein Buch zu drei Teilen quasi „aufgeblasen“ wird, gibt es auf der einen Seite auch die Möglichkeit auf die verschiedenen Charaktere weiter einzugehen. Das sorgt natürlich auch für längere und intensivere Dialoge, die ich aber nie als langweilig oder unspannend empfand. Im Gegenteil, es gab dem Film noch eine besondere Atmosphäre, vor allem dass sich auch für Rückblenden sehr viel Zeit genommen wurde. Im Grunde wirkte der Film schon wie eine Extended Edition, aber es hat unglaublich Spaß gemacht ihn zu sehen.

Die Charaktere, Bilbo vor allem, gespielt von Martin Freeman, waren über alle Maßen überragend und es wurde geschafft, die Charaktereigenschaften dieses Hobbits super zur Geltung zu bringen. Das betrifft zum einen auch seine Eigenart, wie Bilbo ebenso ist, aber auch die Fähigkeit wie ein Taschendieb einfach mal schnell zu verschwinden, was im Hobbit ja auch sehr oft beschrieben wurde und das wird auch im Film sehr gut an vielen Stellen umgesetzt, wo er seine Heimlichkeitsfähigkeiten dann sehr gut einsetzten kann.

Ian McKallen als Gandalf bietet natürlich eine grandiose Performance; für mich die beste im Film. Auf jeden Fall, da ich Gandalf den Grauen persönlich immer etwas cooler fand als Gandalf den Weißen, vor allem weil er auch eine ganze Ecke kauziger wirkt. Ich fand es in einzelnen Szenen einfach so unglaublich süß, wenn die Zwerge vor irgendeiner Gefahr flüchten, aus den Orkhöhlen oder was auch immer, und dann Gandalf versucht die Gruppe zusammen zu halten und durchzählt, also schaut ob alle Zwerge noch da sind. Das fand ich immer sehr herrlich und unglaublich verspielt.

Zu Radagast, dem eigenbrötlerischer Waldzauberer/Eremit – sehr naturverbunden – gespielt von Sylvester McCoy, wurde ja in einem Review gesagt, dass er etwas wirkt wie Jar Jar Binks. Es gibt eine comichafte Verfolgungsjagd mit ein paar Orks im Film, wo er mit seinem Hasenschlitten durch die Gegend heizt und das wirkt auch ein wenig merkwürdig, allerdings die Hinleitung zu dieser Szene finde ich sehr, sehr gut. Ich persönlich würde ihn deswegen nicht als Jar Jar Binks bezeichnen. Im Gegenteil, er hat eine sehr wichtige und tolle Rolle im Film bekommen, die so in der Form auch nicht im Buch beschrieben wurde, in welcher er es mit dem Hexenkönig von Angmar aufnimmt. Das ist eine weitere Änderung im Film zu der ich jetzt nicht sehr viel mehr sagen möchte und die einigen Puristen auch sicher aufstoßen wird, die aber für mich als Cineasten, der das Ganze als Film beurteilt, eine gute und grandiose Szene war.

Dann noch die Zwerge. Da ist es so, – es sind natürlich 13 verschiedene Zwerge, es sind sehr viel verschiedene Charaktere und es kommen natürlich nicht alle in einem Film zur Geltung – dass das Hauptaugenmerk auf Thorin und Balin liegt – zumindest hab ich es so empfunden –, was ich sehr gut fand. Ich schätze, dass die anderen Zwerge in den anderen Filmen noch stärker präsent werden. Ich glaube Bofur war es, der noch eine bewegende Szene mit Bilbo hatte. Ansonsten waren es Balin und Thorin, besonders deren Zusammenspiel, die die Charaktere und die Spielzeit der Zwerge ausgemacht haben. Es ging hauptsächlich darum, dass Thorin als der Anführer der Zwerge und seine Beweggründe vorgestellt werden. Balin fungierte dabei so mehr oder weniger als gewissenhafter Gegenpol, der ihn auch hin und wieder mit seiner Queste konfrontierte und ihn auch wirklich mal fragt: Sollen wir das auch wirklich machen? Müssen wir das tun? Du brauchst uns nichts zu beweisen, du hast uns Hoffnung gegeben, du hast uns eine neue Heimat in den Blauen Bergen gegeben. Durch dieses Zusammenspiel wird sehr schön der gesamte Hintergrund von Thorin aufgerollt. Es gibt auch eine wundervolle und sehr epische Rückblende, in der Balin erzählt, wie es zu Thorins Konfrontation mit dem großen Ork Azog kommt, der in diesem Film eine sehr breite Rolle einnimmt und der quasi über den ganzen Film hinweg als eine teuflische Nemesis von Thorin Eichenschild aufgebaut wird. Daher denke ich auch, dass er die Orkarmee in der Schlacht der Fünf Heere anführen wird. Außerdem in dieser epischen Rückblende: Balin erzählt, wie es zu der ersten Konfrontation vor den Toren von Moria kam.

In solchen Momenten wird einem auch ein bisschen bewusst, wie genau der Hobbit gehalten sein wird. Und zwar darf man jetzt nicht wieder erwarten von der epischen Wucht eines HERR DER RINGE erschlagen zu werden. Ich denke, dafür ist der dritte Teil dann da. Ich denke auch, dass auf jeden Fall der erste Teil und weite Teile des zweiten Teils versuchen werden Tolkiens Verspieltheit, die Jungfräulichkeit und die Unberührtheit des Hobbits einzufangen. Ich hatte immer das Gefühl, dass DER HERR DER RINGE teilweise deutlich physischer ist, zum Beispiel auch in den Schlachtszenen. Wenn dort Aragorn, Gimli, Boromir usw. in die Schlacht ziehen, hat man das Gefühl, dass man selbst konstant voll eins aufs Maul bekommt. Im Hobbit ist das nicht so. Zum einen dadurch, dass die Kampfszenen vielleicht anders gehalten sind. Sie wirken auf mich teilweise etwas überbordend, sind aber trotzdem sehr unterhaltsam. Auf der anderen Seite fehlen dem Film noch eine gewisse physische Komponente und die gewisse Bedrohlichkeit, die das gesamte HERR DER RINGE-Setting hatte. Ich denke, diese Atmosphäre wird dann wahrscheinlich erst im dritten Teil erzeugt werden, wo sich dann die gesamte HOBBIT-Geschichte auch zu einer Geschichte um Verlust und Tragik aufbauen wird. Wenn das Leute vermissen, darf man das momentan noch nicht als Manko ansehen, weil der Hobbit ja einen ganz anderen Fokus hat. Ich bin schwer davon überzeugt, dass da noch einiges nachkommen wird.

Die neue 48fps Technik wird einigen bestimmt sauer aufstoßen. Ich selbst fand sie sehr erfrischend. Dadurch, dass die Framezahl einfach mal verdoppelt wurde, wird das Bild natürlich gnadenlos glattgebügelt. Man sitzt im Kino wie vor einem 30 Meter großen HD-Fernseher und hat ein unglaublich gestochen scharfes und klares Bild. Vor allem in der Kombination mit 3D, was ich sehr gut fand – für mich war es der beste 3D-Film seit AVATAR –, werden diese Vorteile voll ausgespielt, weil es einfach keine Bewegungsfragmente mehr gibt. Normalerweise hatte man bei 3D-Filmen, vor allem bei schnellen Bewegungen, teilweise jedes Frame einzeln gesehen. Davon bekommt man jetzt überhaupt nichts mehr mit. Es ist wirklich ein glattgebügeltes Bild.

Der große Nachteil an der ganzen Sache ist allerdings, dass man die CGI, die computergenerierten Effekte besser sehen beziehungsweise stärker von den „echten“ Gegenständen/Settings unterscheiden kann. Dadurch geht dem Film etwas der natürliche Look verloren, den noch DER HERR DER RINGE hatte, weil man genau unterscheiden kann, wenn ein Charakter in einer CGI-Landschaft steht oder nicht. Das ist für mich mit einer der Punkte, die ich am stärksten „kritisieren“ würde. Im HERR DER RINGE hatte man immer das Gefühl, dass wirklich nahezu alles echt wirkt. Dass der Film einfach ein wenig grobkörnig wirkt und manches ein bisschen verwaschener ist, hat eben den Vorteil, dass dann auch die CGI verwaschener ist und man nicht mehr genau unterscheiden kann, was computergeneriert und was echt ist. Das kann man dem Film vielleicht ankreiden. Aber unterm Strich muss ich schon sagen, ist es ein unglaubliches Kinoerlebnis auf das man sich freuen kann. Für mich in Sachen Intensität mit Abstand der beste Film seit DER HERR DER RINGE. Ich meine, ich habe die Titelmelodie gehört und mir haben sich spontan alle Haare aufgestellt. Wenn man dann in den ersten Szenen Frodo und Bilbo sieht wie sie im Auenland sitzen und Frodo (Anmerkung des Lektors: Ich denke, dass Bilbo gemeint sein könnte und sich Sven nur verspricht.) anfängt sein Buch zu schreiben und auch merkt wie gut der Film eigentlich mit DER HERR DER RINGE verknüpft wurde, fühlt sich das wie eine wohlige Heimkehr an.

Wie gesagt, die Atmosphäre ist einfach grandios, vor allem auch vom unglaublichen Soundtrack von Howard Shore getragen, der seinen Soundtrack-Oscar schon fast sicher haben dürfte. Wundervolle Charaktere, auch wenn die Zwerge ein bisschen zu kurz kommen; ein tolles Zusammenspiel von Thorin und Balin. Peter Jackson lässt sich Zeit für die Dialoge, was auch den Charakteren mehr Tiefe gibt. Wundervolle Referenzen zwischen DER HOBBIT und DER HERR DER RINGE. Es gibt eine Szene, ich möchte sie jetzt nicht beschreiben, ich möchte nur sagen, dass es eine Szene nach dem Treffen zwischen Bilbo und Gollum gibt, in der eine direkte Referenz zu dem Moment gesponnen wird, wo Gandalf zusammen mit Frodo in Moria sitzt und ihm eine Lehrstunde zum Thema Gnade erteilt. In dieser Szene wurde mir einfach mal bewusst wie grandios diese Verknüpfungen zwischen den Filmen immer funktioniert haben, sowohl was Leitmotivmusiktechnik angeht als auch das filmische. Diese Szene dort, diese Referenz zu der Szene in DIE GEFÄHRTEN war für mich eigentlich das absolute Highlight des Films.

Ich hoffe, ihr könnt den Film jetzt durch dieses Review etwas besser einordnen, einnorden und wisst auf was ihr euch einlasst. Ich hab mich sehr gefreut hier in Wellington für euch dabei sein zu dürfen. Es tut mir Leid, dass der Live-Stream während des Red Carpets abgebrochen ist. Ich hatte da Schwierigkeiten mit dem Internet.

Noch kurz ein paar Infos zu dem was dort passiert ist: Ich hab Peter Jackson noch einmal kurz gefragt, ob er vielleicht manchmal die guten alten Zeiten vermisst und einfach mal gerne wieder einen Zombie-Film drehen würde, bei welchem die Drehzeit vielleicht einen Nachmittag dauert, er nicht länger als ein Wochenende am Drehbuch sitzt und vielleicht nur eine Handvoll seiner besten Freunde involviert sind. Er meinte natürlich, man müsse sich weiter entwickeln, aber er erlebe manchmal Momente, in welchen das Chaos über ihn hereinzubrechen droht und so viele Menschen etwas von ihm möchten, dass er sich dann doch manchmal gern wieder zurück wünschte, in die Garage gehen und einen Liter Kunstblut anmischen zu können. Das fand ich schon sehr sympathisch.

Reserviert euch eure Tickets, ihr werdet es nicht bereuen. Ich wünsche euch alles Gute und bis bald. Und vielleicht bis zur nächsten Premiere.


Vielen Dank an Arnoran für das Erstellen des Transkriptes!!!

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