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Cirdans Filmbesprechung: DER HOBBIT: DIE SCHLACHT DER FÜNF HEERE

; Quelle: HDRF

Was vor etwa 18 Jahren still und heimlich mit den ersten Storyboards und Drehbuchplanungen in Neuseeland begann, findet nun mit dem Finale der HOBBIT-Saga einen epochalen Abschluss. DER HOBBIT: DIE SCHLACHT DER FÜNF HEERE, dies sei vorweg verraten, ist der beste und vor allem auch der emotionalste Teil der Trilogie. Ein würdiger, aber viel zu kurzer Ausklang einer Reise, auf die uns Regisseur Peter Jackson vor vielen Jahren eingeladen hat und die für so manchen Fan wohl niemals enden dürfte. Hier kommt meine Rezension, bei der ich auf heftige Spoiler verzichten werde, nichtsdestotrotz den einen oder anderen Handlungsstrang aber dennoch etwas detaillierter ansprechen muss. Also warne ich an dieser Stelle sicherheitshalber mal vor leichten Spoilern.

Ein Anfang mit Schrecken

Schon der Anfang ist imposant. DER HOBBIT: DIE SCHLACHT DER FÜNF HEERE ist der erste der sechs Mittelerde-Filme, der nicht mit einem Flashback-Prolog beginnt, sondern direkt in die Handlung einsteigt, dort wo SMAUGS EINÖDE abrupt endete. Smaugs Angriff auf Esgaroth bildet sozusagen das Intro des Films und lässt den Zuschauer durchweg mit runtergeklapptem Kiefer zurück. Die Gewalt, mit der der Drache über Seestadt hinwegfegt, ist äußerst drastisch und erinnert von der Inszenierung ein wenig an Filme über die Luftangriffe im Zweiten Weltkrieg, wenn die Menschen ängstlich zum Himmel blicken, in der Ferne zunächst nur die knatternden Motoren zu hören sind (in diesem Fall ein tiefes Grollen) und dann plötzlich ein Feuersturm entbrennt. Benedict Cumberbatch darf noch einmal alles geben und lässt Godzilla wie eine harmlose Echse erscheinen. Insgesamt scheint sich Peter Jackson bei der Inszenierung des Finales von diversen Kriegsfilmen inspiriert haben zu lassen, was durchaus auch passend ist, wenn man bedenkt, dass auch J.R.R. Tolkien bei den Kriegsschilderungen seine eigenen Erfahrungen aus der Schlacht an der Somme im Ersten Weltkrieg mit hat einfließen lassen.

Showdown in Dol Guldur

Nach der Zerstörung der Stadt sammeln sich die Flüchtlinge am Ufer des langen Sees und ein neuer Anführer muss her. Interessanterweise entwickelt sich Alfrid, der Berater des Bürgermeisters, in der kommenden Handlung zu einer wichtigen Nebenfigur, deren Schicksal immer wieder thematisiert wird und der von Ryan Gage so überzeugend verkörpert wird, dass man schnell vergisst, dass es die Figur in der Romanvorlage so direkt ja nicht gegeben hat.

Aber bevor die namensgebende Schlacht der Fünf Heere nun endlich entfesselt werden kann, muss noch ein anderes Kapitel abgeschlossen werden. Dol Guldur. Dort kommt es nämlich zu einer epischen Begegnung zwischen Sauron samt Schergen (sprich: Nazgûl) und dem Weißen Rat, verkörpert durch Galadriel, Elrond, Saruman und Radagast. Und endlich wird klar, warum Peter Jackson den Angriff auf Dol Guldur nicht auch als Schlacht mit Elbenkriegern und Orks inszeniert hat. Dieser Kampf spielt sich nämlich auf einem ganz anderen Level ab. Er scheint den alten Sagen entsprungen und es werden gottgleiche Mächte entfesselt. Hier treten Maiar, Istari und die mächtigsten aller Elbenfürsten gegeneinander an, und man bekommt eine kurze Ahnung davon, wie eine Verfilmung des Silmarillion aussehen könnte. Christopher Lee zeigt sich übrigens für sein Alter von 92 Jahren noch äußerst agil. Na gut, auch wenn da vermutlich etwas getrickst wurde, ist es schön zu sehen, dass er noch einmal einen richtig großen Auftritt bekommen hat.

Der Fluch des Goldes

Sobald die beiden Kapitel mit Smaug und Dol Guldur abgeschlossen sind, widmet sich Peter Jackson ganz und gar der Inszenierung der Schlacht der Fünf Heere. Und damit diese nicht nur in ein hohles Säbelrasseln und Blechgeschepper aus dem Computer ausartet, knüpft er den Verlauf der Ereignisse ganz eng an die Charaktere, allen voran Bilbo Beutlin, aber vor allem Thorin Eichenschild. Von nun an beherrscht der König unter dem Berg den Film. Richard Armitage spielt den dem Gold verfallenen Zwergenkönig mit einer solchen Wucht, dass es einen fast aus dem Kinosessel haut. Endlich wird klar, warum Peter Jackson bei ihm und einigen anderen Zwergen auf aufwändige Prosthetics im Gesicht verzichtet hat. Armitage bietet eine schauspielerische Palette, dass es einem vor emotionaler Achterbahnfahrt fast das Herz zerreißt. Und Martin Freeman spielt sich dazu im Gegensatz mit einer naiven Genialität durch die ihn umgebende Gier, Wahnsinn, Verzweiflung und Krieg, dass man ihn am liebsten einfach in den Arm nehmen und knuddeln möchte.

Ein Sturm zieht auf

Und die Schlacht selbst? Nachdem in den ersten beiden Filmen noch der eine oder andere CGI-Effekt immer mal wieder zum Störfaktor wurde, scheint Weta Digital nun zehnfache Ressourcen für das Finale aufgefahren zu haben. Selten war der Aufmarsch einer Ork-Armee so bedrohlich wie in DIE SCHLACHT DER FÜNF HEERE. Der Kampf mit all seinen verschiedenen Scharmützeln ist nicht weniger überzeugend inszeniert als beispielsweise in DER SOLDAT JAMES RYAN oder auch BRAVEHEART, wenn auch wegen der Altersfreigabe weniger explizit. Dabei scheint es Peter Jackson und seinem Team nie an Kreativität zu fehlen, beeindruckend ist beispielsweise, wie Zwerge und Elben in perfekter Koordination, aber jeweils ihrem Volk entsprechend, mit nie gesehen Manövern aufwarten. Außerdem hat Weta Workshop tief in die Kreaturenkiste gegriffen und selbst die legendären Werwürmer aus den östlichen Wüsten, die nur kurz im ersten Kapitel des Romans erwähnt werden, bekommen einen so eindrucksvollen Auftritt, dass selbst Zwergenkönig Dain anmerkt: „Das ist doch jetzt nicht wahr, oder?“

Aber nicht durch die Kreaturen, sondern vor allem durch die einzelnen Charaktere und die vielen einfachen Bewohner aus Seestadt bekommt der Schrecken des Krieges ein Gesicht. Und schon bald wird klar: Hier sterben Menschen! Wie die Schlacht sich schließlich Schritt für Schritt entwickelt, scheint von Peter Jackson an der Games-Workshop-Tabletop-Platte entwickelt, denn immer wieder erfreut er uns mit anschaulichen Luftansichten und nachvollziehbaren Manövern und Bewegungen, sodass man als Zuschauer im Getöse nie unterzugehen droht, sondern immer einigermaßen den Überblick darüber hat, was gerade geschieht. Den Überblick zu behalten ist nämlich ansonsten gar nicht so einfach bei all den verschiedenen Parteien, die in die Schlacht involviert sind. An dieser Stelle muss Zwergenkönig Dain Eisenfuß samt seinem Heer aus den Eisenbergen erwähnt werden, die erstmals auf den Plan treten und uns an diversen zwergischen Kampfmanövern teilhaben lassen. Der schottische Kultschauspieler Billy Connolly ist unter der Maske von Dain Eisenfuß zwar kaum zu erkennen, beeindruckt aber durch seine aberwitzigen Beleidigung des elbischen Volkes und in der Originalfassung durch einen urschottischen Dialekt. Dem entgegengestellt spielt auch Lee Pace Waldlandkönig Thranduil herrlich arrogant und herablassend. Was kümmern einen unsterblichen Elben schon Menschen und Zwerge mit ihrer begrenzten Lebensspanne? Dass er am Ende der Handlung schließlich begreift, was Tauriel ihm von Anfang an zu sagen versucht, und von seinem hohen Ross (bzw. Elch-Hirsch) herunterkommt, ist dem Schrecken des Krieges zuzuschreiben, dem selbst der Elbenkönig sich nicht verschließen kann. Auch Bard, als Anführer der Menschen und stetig besorgter Vater, liefert eine ordentliche Leistung ab, ist aber in seiner Rechtschaffenheit und Reinheit schon fast ein bisschen zu langweilig als Charakter - Ein echter, wahrer Held eben.

Taschentuch-Alarm

Die Emotionalität der Geschichte wird neben dem tragischen Verfall Thorins vor allem durch die Beziehung von Tauriel und Kili getragen, und selbst hartnäckigste Gegner dieser Liaison werden bei den dramatischen Ereignissen zumindest einen kleinen Kloß im Hals verspüren. Ohne Tauriel wäre die starke Empathie, welche man mit der Zeit zu Kili entwickelt, wohl nicht möglich gewesen. Einer der absoluten Höhepunkte ist der Kampf zwischen Azog und Thorin auf dem Eissee am Rabenberg, wobei an dieser Stelle nicht mehr verraten werden soll. Doch so schön würde noch nie auf Eisschollen balanciert. Und am Ende des Kampfes wird wohl der eine oder andere sein Taschentuch zücken müssen

Zu wenige Abschiede

Aber es gibt auch ein paar wenige Wermutstropfen: Hautwechsler Beorn ist nur einige Augenblicke im Film zu sehen und am Ende geht es mit den Abschieden einfach etwas zu schnell. Dafür dass Bilbo viele Monate mit den Zwergen (und noch länger mit den Kinozuschauern) gereist ist, verabschiedet er sich zu schnell von der restlichen Truppe. Vielleicht ist er aber auch nur kein Freund langer Abschiede, vielleicht hat sich Peter Jackson auch die Kritik zu Herzen genommen, dass DIE RÜCKKEHR DES KÖNIGS zu viele Endszenen gehabt hätte. Für eingeschworene Fans hätte DIE SCHLACHT DER FÜNF HEERE auf jeden Fall das Ende noch etwas ausführlicher zelebrieren können, wobei hier natürlich alle Hoffnungen auf der Extended Exdition liegen, die ja noch einmal über 30 Minuten länger werden soll.

Erfreulich – und das sei am Ende noch betont – ist es übrigens, dass der finale Film trotz der nahezu komplett am Computer entstandenen Schlachtenszenen mit überraschend vielen echten Landschaftsaufnahmen aufwarten kann, ob das Flüchtlingslager am langen See, Gandalfs Ritt über die Ebene oder Fili und Kilis Marsch zum Erebor. Vor allem am Anfang und am Ende des Films gibt es noch einmal eine tiefe Verbeugung vor Neuseeland. Und so verlässt der Zuschauer Mittelerde schließlich mit einem Lächeln und einer Träne im Augenwinkel, wenn in den letzten Szenen der Bogen geschlagen wird zu jenen Ereignissen, mit denen DER HERR DER RINGE beginnt.

Fazit

DER HOBBIT: DIE SCHLACHT DER FÜNF HEERE schafft es im Gegensatz zu den anderen beiden Teilen der HOBBIT-Trilogie vollständig als eigenständiges Epos im tolkienschen Universum zu bestehen und mehr als die anderen Teile den Geist von Tolkiens Werk einzufangen (soweit dies in Peter Jacksons Interpretation möglich ist). Endlich braucht es keine Anleihen mehr an DER HERR DER RINGE, keine Erinnerungen, dass es sich um ein Prequel handelt, platte Anspielungen wie Eins-zu-Eins-Kopien von Szenen oder gar Slapstick-Einlagen. DER HOBBIT: DIE SCHLACHT DER FÜNF HEERE schafft, worauf viele Fans lange gewartet haben: Er spielt auf Augenhöhe mit DER HERR DER RINGE Trilogie. Und so schließt der finale Film den Kreis und rundet das Gesamtwerk ab. Ein würdiger Abschluss und ein bittersüßer Abschied aus Peter Jacksons visionärer Umsetzung von J.R.R. Tolkiens Mittelerde.

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