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Soundtrack-Analyse: DIE SCHLACHT DER FÜNF HEERE

; Quelle: HDRF.de

Der Kreis schließt sich. Mit dem Score zu DER HOBBIT: DIE SCHLACHT DER FÜNF HEERE liefert Howard Shore die Filmmusik zum finalen Teil der Vorgänger-Trilogie zum oscarprämierten HERR DER RINGE Epos. Die Brücke zwischen den beiden Trilogien ist somit auch musikalisch geschlagen. Wir haben einmal genauer reingehört.

Was vor 9 Jahren mit den ersten News über einen möglichen HOBBIT-Film anfing, findet nun im Kino ein endgültiges Ende. DIE SCHLACHT DER FÜNF HEERE ist der letzte Teil der Prequel-Trilogie, aber auch der dritte Film von sechs. Und genau so funktioniert auch Howard Shores Score. Wie der Film, rückt auch die Filmmusik wieder näher an die etablierte Formsprache der HERR DER RINGE-Trilogie heran und verbindet so auf teils subtile, teils epische Weise die beiden Trilogien miteinander.

Die Musik stammt natürlich zweifelsohne von Howard Shore. Allerdings haben auch hier, wie schon in SMAUGS EINÖDE, ein ganzes Heer von Arrangeuren, Orchestratoren, Toningenieuren und -technikern an dem Mammutwerk geschraubt. Conrad Pope übernahm wieder die Leitung von Ort, in der Wellington Townhall, während Howard Shore das thematische Material für die einzelnen Szenen beisteuerte. Trotz gebrochenem Ellenbogen hat Pope Shores Material auf einzigartige Weise umgesetzt und dirigiert.

Schon zum Score von SMAUGS EINÖDE gab es einige Stimmen unter den Audiophilen, dass der Score einen leicht dumpfen Sound habe. Wie wir in der Special Extended Edition von SMAUGS EINÖDE erfahren haben, lag dies wohl an den Mikrophonen, mit denen der Score aufgenommen wurde. Wie mir scheint, wurde an dem Sound nun etwas geschraubt. Der Score zu DIE SCHLACHT DER FÜNF HEERE ist klar, jedoch nicht mehr ganz so warm.

Während die erste CD in großen Teilen die Narrative nach der Zerstörung Seestadts zu vertonen versucht, fällt diese im Gesamteindruck leider auch etwas hinter den gigantomanischen Klängen der zweiten CD ab. Viele der in EINE UNERWARTETE REISE und SMAUGS EINÖDE etablierten Themen variiert Shore hier in einer dunklen Einfärbung. Es ziehen Wolken auf über Mittelerde - und bersten somit auch musikalisch in degenerierten und abgewandelten Formen über den Ohren der Zuschauer (und -hörer).

Der Einstieg ist mit "Fire and Water" durchaus gelungen. Smaugs Wut ist nicht mehr nur auf eine Handvoll Zwerge gerichtet, sondern wird Seestadt um seine Existenz bringen. Die breiten Smaug-typischen Instrumente beschreiben in einem breiten Klangteppich die Schlangenbewegungen des Drachen. Das Schicksal Seestadts ist so gut wie besiegelt. Sein Thema spielt in den Streichern und den Shakuhachi (eine japanische Bambuslangflöte), unterschwellig begleitet von indonesischen Gamelan, tibetanischen Glocken und Harfen. Der gemischte Chor mahnt in sanften, klagenden Tönen die Gier des Königs, Thorins, an und beschuldigt ihn in Sindarin an der Zerstörung Seestadts. Hier und da ertönt das 'Seestadt'-Material, 'Bard' oder auch das 'Erebor'-Thema. Ein fantastischer Auftakt, der mit einem Fingerzeig auf den 'Erebor' endet. Bard weiß, wer der Schuldige für dieses Chaos ist.

Was folgt ist die Besinnung auf den Verlust. Mittelerde hat seine erste Warnung erhalten. Mit dem König unter dem Berge ist nicht zu spaßen. Das Seestadt-Material wird durch einige neue Themen erweitert. Auch Bard, der nun der Anführer der Seestädter ist, erhält neues, dynamisches Material.

"Beyond Sorrow and Grief" eröffnet mir einer starken, chorischen Variante des 'House of Durin'-Themas. Während in Seestadt getrauert wird, erhält hier Smaugs Material Einzug in die Hallen Erebors und nagt an Thorins Verstand. Die Verbindung der Themen schafft Shore auf eindrucksvolle Weise. Immer wieder scheinen Momente von Smaug und Thorin durch den Klangteppich, können sich aber nicht etablieren. Der König unter dem Berge ist zerrissen.

Etwas enttäuschend ist das Material in Dol Guldur in "Guardians of the Three", von dem man sich, gerade mit Blick auf die neuen Themen aus der HOBBIT-Trilogie, musikalisch etwas mehr hätte versprechen können. Allerdings hat hier Saurons Material seinen ersten großen Auftritt, der neben der martialischen Variation des 'Bruchtal'-Themas hervor sticht. Beendet wird der Track mit einem bekannten Konzept-Thema aus der HERR DER RINGE: 'Weakness and Redeption'. Was zur Schande der eine Sache geschieht, wandelt sich zum Wohl einer anderen. Ein bekanntes Thema in Tolkiens, aber auch in Shores Werk. Die Schwäche Sarumans überdauert diese Niederlage Saurons und wird noch mehr Unheil nach sich ziehen. Auch hier deutet Shore mit aller Deutlichkeit auf den Ring-Zyklus.

Zurück in Smaugs Einöde besinnt sich Bard auf die Abwendung einer Schlacht, während sich Thranduil drauf vorbereitet. Das Seestadt-Material zerfällt zusehends in ins leere laufende Phrasen, während das Schlagwerk und das elbische Material Oberhand gewinnen. In den nächsten Tracks geben sich neue Variationen aller bisher etablierten Themen die Klinke in die Hand. Die Zeichen in Mittelerde stehen auf einen Aufeinanderprallen der Kulturen. "Mithril" endet mit einer unglaublich kraftvollen Iteration des 'Erebor'- und Thorin-Materials.

Smaugs Gier lebt weiter - in Thorin. So sind Spuren von Smaugs Musik in "Mithril" und "Dragon-sickness" (nur auf der Deluxe Editon) erhalten. Das erste Mal in Shores Mittelerde-Kosmos geht das komplette musikalische Material von einem Charakter auf einen anderen über. Thorin vereinnahmt das Drachenmaterial und macht es seins. Zusammen mit seinem 'Thorin'-Thema deutet das neue Material in eine ungewisse Zukunft. Auch ist der 'Arkenstein' keine Randerscheinung mehr, sondern drängt sich schon am Anfang des Tracks in den Mittelpunkt und wird immer deutlicher, doch bleibt für Thorin ungreifbar. Thorins Wahn bestimmt auch sein Material auf der ersten CD. So wird in "The Clouds Burst" vermehrt eine schrille, leicht abgewandelte Variation von Smaugs Hinterlist gespielt, oft Verbunden mit Andeutungen auf 'Thorins' Thema. Sein Wahn und die Folgen daraus bringen die Wolken über Mittelerde zum Bersten.

In "Battle for the Mountain" führt Shore musikalisch die Zwerge aus den Eisenbergen ein. In Streichern und Bläsern triumphiert es, bis das orkische Material Oberhand gewinnt. Der Sindarin-Chor intoniert: "Der Tod hat seinen Tanz begonnen."

Die Schlacht der Fünf Heere wird von Shore eindrucksvoll aus einer Vielzahl von Themenvariationen und -kombinationen vertont. Hier liegt wohl auch die wahre Stärke dieser Filmmusik. Das Material ist so dicht, die Komplexität und die musikalische Struktur der einzelnen Themen, die hier verbunden werden, kommen erst in diesem Teil der Trilogie voll zum Tragen. Shore liefert eine knappe Dreiviertelstunde reines Kriegsmaterial, das nicht nur so in den Lautsprechern donnert, sondern auch dynamische Abwechslung und eine überzeugende, unterliegende Struktur aufweist.

"Courage and Wisdom", die Schlacht ist vorbei, Wunden werden geleckt und die Toten betrauert. Viele der bekannten Themen tauchen auch hier noch einmal auf, wirken allerdings kraftlos und untröstlich. In diesem Track schafft Shore die thematische Überleitung zum Ring-Zyklus sehr überzeugend, indem er das Material aus Lorien mit dem des Waldlandreiches verbindet. Und auch der erste Teil des 'Gefährten'-Themas hat hier seinen allerersten Aufritt, der allerdings etwas unvermittelt hereinbricht (wohl ähnlich, wie der Moment im Film). Eine sehr verlangsamte Variation von 'Tauriels'-Thema beschließt den Track.

Das Ende der vorerst letzten Mittelerde-Reihe lässt nach all dem Epos und Tempo Ruhe einkehren. Shore besinnt sich auf den Abschied und kehrt mit uns in Auenland zurück. 'Die Geschichte des Ringe' ist das vorletzte Thema, dass vollständig ausgespielt wird - und somit auch für Shore seine Fingerzeig auf das, was Mittelerde noch erwartet. So verlassen wir das Auenland und einen Musikopus, der in der Filmmusikwelt seines Gleichen sucht.

Und eine gute Nachricht noch zum Schluss: Nachdem die Score-Aufnahmen für den letzten HOBBIT-Film beendet wurde, wurde auch entschlossen, die baufällige Substanz der Townhall in Wellington zu erhalten und sie zu renovieren. Natürlich mit Rücksicht auf die einzigartige Akustik.

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