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REZENSION: DIE GESCHICHTE VON KULLERVO

; Quelle: HDRF

Anfang des Jahres ist bei Klett Cotta die zweisprachige (englisch/deutsch) Fassung von J.R.R. Tolkiens DIE GESCHICHTE VON KULLERVO erschienen, eines der ältesten überlieferten Manuskripte des Professors aus dem Jahr 1916, das die Leser in die finnische Sagenwelt entführt und Einblicke in die Entstehung seiner späteren Mythenschöpfung gewährt.

Eins vorweg: DIE GESCHICHTE VON KULLERVO ist speziell und wird all jene enttäuschen, die einen neuen Roman im Stil von DER HERR DER RINGE oder DER HOBBIT erwarten. Vielmehr handelt es sich um die wissenschaftliche Aufarbeitung eines unvollendeten Manuskripts von J.R.R. Tolkien, das sich in der Bodleian Library in Oxford befindet. Beim besten Willen keine leichte Unterhaltungsliteratur, aber spannend für alle, die sich entweder mit J.R.R. Tolkiens Wirken auseinandersetzen wollen oder sich für Sprach- und Literaturwissenschaften interessieren.

Es ist vermutlich eine der tragischsten Erzählungen aus Tolkiens Feder, die Geschichte des Waisenknaben Kullervo, der sich an seinem Onkel rächen will, welcher seine Familie vermeintlich ausgerottet hat. Doch das unausweichliche Schicksal spielt dem Jungen übel mit. Inspiriert von dem finnischen Nationalepos Kalevala, schuf Tolkien als Student eine Erzählung, die er nie vollendete, die ihm später aber als Vorlage für eine seiner großen Mittelerde-Erzählungen aus dem Ersten Zeitalter diente, nämlich DIE KINDER HÚRINS.

Die Parallelen zwischen den beiden tragischen Helden Túrin Turambar und Kullervo, wie die unfreiwillige Liebesbeziehung zur eigenen Schwester und deren Freitod, sind offensichtlich. Um die faszinierende Sprache von Tolkien zu transportieren, entschied sich der Verlag Klett Cotta dafür, nicht nur den von Joachim Kalka hervorragend ins Deutsche übersetzten Text in dem Buch abzudrucken, sondern auch die englische Original-Fassung. So finden sich jeweils links der Originaltext und rechts die Übersetzung im direkten Vergleich. Die Geschichte selbst macht aber nur einen geringen Teil (2x 39 von 240 Seiten) in dem Buch aus, wesentlich umfangreicher sind Analyse, Anmerkungen und Erklärungen, ausnahmsweise nicht von Tolkiens Sohn Christopher, sondern von der renommierten Tolkien-Wissenschaftlerin Verlyn Flieger. Ergänzt wird dieser Inhalt durch einige Abbildung der Original-Manuskriptseiten in der Handschrift von J.R.R. Tolkien.

Es ist durchaus faszinierend, was J.R.R. Tolkien im Alter von Anfang 20 geschaffen hat. Die kunstvolle Wortwahl und die düstere Erzählung zeugen von einem außerordentlichen Verständnis von Mythologie und Sprache. Keine leichte Strandlektüre, aber anschaffenswert für alle eingefleischten Tolkien-Fans, Tolkien-Sammler und Berufs- und Hobby-Philologen.

DIE GESCHICHTE VON KULLERVO

  • Gebundene Ausgabe: 240 Seiten
  • Verlag: Klett-Cotta
  • Sprache: Englisch, Deutsch
  • ISBN: 9783608960907
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