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REZENSION: DER FALL VON GONDOLIN

; Quelle: HDRF

Ab heute steht J.R.R. Tolkiens DER FALL VON GONDOLIN in den Regalen der Buchhandlungen und vervollständigt damit Tolkiens große Trilogie zum Ersten Zeitalter von Mittelerde. Wir haben uns das Werk, welches von Tolkiens Sohn Christopher Tolkien überarbeitet und herausgegeben wurde, genauer für euch angeschaut.

Wie auch die beiden Vorgänger-Romane DIE KINDER HÚRINS und BEREN UND LÚTHIEN beeindruckt auch dieses Hardcover gleich auf den ersten Blick durch seine hochwertige Aufmachung, mit dem Gemälde von Alan Lee auf dem Cover und den in Gold geprägten Lettern des Autorennamens sowie der Rahmen. Inhaltlich beginnt das Werk mit einer Auflistung der wundervollen Farbtafeln und Illustrationen von Tolkien-Künstler Alan Lee, samt dazugehöriger Textstellen und Verweise. Außerdem ist eine Karte von Beleriand eingelegt.

Im Vorwort schreibt der 94jährige Herausgeber, nicht ohne ein Augenzwinkern, dass er zwar im Vorwort von BEREN UND LÚTHIEN bereits angekündigt hatte, dass jenes sein letztes Buch in der langen Reihe von Editionen der Schriften seines Vaters sei, beruft sich aber auf den Einschub des Wortes „vermutlich“ und entschuldigt sich für seine Fehlannahme. Aber DER FALL VON GONDOLIN sei nun „sicherlich“ sein letztes Buch. Warten wir es also ab. Nachdem er das Werk in einen Zusammenhang mit der gesamten Mittelerde-Erzählung gebracht hat, folgt der Prolog, mit dem Bericht über die Entsendung der Neun Valar zur Lenkung der Welt und dem Beginn des ersten Zeitalters.

Der Aufbau der Geschichte selbst ist anders als bei BEREN UND LÚTHIEN gestaltet. Zunächst wird die Erzählung in Folge und mit nur wenigen Anmerkungen an einem Stück dargestellt. Ein Bericht über die Entwicklung der Geschichte und die unterschiedlichen Fassungen von Tolkien folgt im Abschluss. So beginnt auf Seite 45 die „ursprüngliche Geschichte“ des Falls von Gondolin, über den Menschen Tuor, der sich nach einer Begegnung mit dem Vala Ulmo auf die Suche nach der verborgenen Elbenstadt Gondolin macht, um deren Untergang zu verhindern. Aber wie es in so schicksalhaften Geschichten meistens ist, löst seine Ankunft in Gondolin den Untergang indirekt (durch Maeglins Verrat) erst aus. Der Angriff von Melkors Armee, bestehend aus Orks, Balrogs und Drachen, wird äußerst eindringlich geschildert. Wenn die eisernen Maschinen von Gothmog, des Fürsten der Balrogs, vorwärts rollen, und sich die Leiber der Ungeheuer aus Eisen so winden, dass sie alle Hindernisse überkriechen können und sich ihre gekrümmten Leiber mit einem Krachen gegen die Türme und Bastionen werfen und ihre hohlen Wänste unter dem Aufprall dröhnen, dann werden im Geiste des Lesers unwillkürlich Kriegsbilder heraufbeschworen. Kein Zufall, denn J.R.R. Tolkien schuf die Geschichte 1916, mitten im Ersten Weltkrieg, nachdem er die Schlacht an der Somme überlebt hatte, im Krankenhaus und im Krankenurlaub, in „Heeresbaracken, im Gedränge und im Lärm der Grammophone“. Dies ist insbesondere interessant, weil Tolkien damals, mit Anfang 20, mit DER FALL VON GONDOLIN seine erste Mittelerde-Erzählung überhaupt schuf, die er allerdings zeitlebens überarbeitete.

Und so folgt der „ursprünglichen Geschichte“ ein kurzes Kapitel zum „frühsten Text“ mit Anmerkungen zu ganz frühen Notizen des Autors zu dieser Geschichte, wiederum gefolgt von einer überarbeiteten Version mit dem Titel „Turlin und die Verbannten von Gondolin“ (Tolkien war sich bei der Namensgebung seines Haupthelden unsicher und so wechselte der Namen mal von Tuor über Turlin zu Turgon. Wobei Tuor als finale Version bevorzugt wird.) Es folgt ein Kapitel mit der Geschichte in der Fassung der Skizze der Mythologie aus dem Jahre 1926, in der vor allem signifikant ist, dass Morgoth das versteckte Tal entdeckt, bevor Meglin (bzw. Maeglin) von den Orks gefangengenommen wird. Diese Version wird gefolgt von der Geschichte in der Fassung der Quenta Noldorinwa, jener Fassung, die Tolkien 1930 im Stile des SILMARILLION niederschrieb. Gefolgt von der „letzten Fassung“ aus dem Jahr 1951, bei welcher es sich um die literarisch eingängigste Version handelt, und welche die Herzen von HERR DER RINGE Fans am höchsten schlagen lassen würde, wäre da nicht der eine Wermutstropfen: Diese erzählerisch rundgeschliffene Version bricht nach 63 Seiten plötzlich ab, kurz nachdem Tuor in Gondolin angekommen ist, weil Tolkien die Arbeiten an dem Werk eingestellt hatte. Im Folgenden widmet sich Christopher Tolkien der Entwicklung der Geschichte, zitiert aus Briefen und Anmerkungen und schildert die Entstehung. Dann folgen verschiedene Abschlüsse der vorher erzählten Geschichte. Im Anhang liefert der Herausgeber schließlich ein ausführliches Namensverzeichnis, Anmerkungen, vervollständigt durch die Stammbäume der Fürsten der Noldor und des Hauses Beor.

DER FALL VON GONDOLIN ist ein großartiges Opus, das auch Gelegenheitsfans die Möglichkeit bietet, tiefer in Tolkiens Vision von Mittelerde abzutauchen und sie mit allerlei Querverweisen zu seinen populäreren Werken, wie dem Herrn der Ringe, entlohnt. Nicht unerwähnt bleiben soll an dieser Stelle die großartige Übersetzung von Tolkien-Wissenschaftler, Lektor und Übersetzer Helmut W. Pesch, der sich seit vielen Jahrzehnten mit Tolkiens Werken beschäftigt und dessen Übersetzung den Geist des Originals atmet.

DER FALL VON GONDOLIN ist ab sofort erhältlich und gehört in jedes gut sortierte Tolkien-Regal.

DER FALL VON GONDOLIN

von J.R.R. Tolkien

  • Gebundene Ausgabe: 352 Seiten
  • Verlag: Klett-Cotta; Auflage: 1., (30. August 2018)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3608963782
  • ISBN-13: 978-3608963786
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