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REISE DURCH MITTELERDE – Brettspiel-Rezension

; Quelle: HDRF

DER HERR DER RINGE: REISE DURCH MITTELERDE heißt der neue Brettspiel-Blockbuster, der derzeit in der Boardgame-Szene gefeiert wird. Als Tolkien-Fans kommen wir um so ein Spiel in Mittelerde natürlich nicht drumherum und haben es auf Herz und Nieren für euch getestet.

DER HERR DER RINGE: REISE DURCH MITTELERDE ist ein kooperatives Brettspiel für 1 bis 5 Spieler, die sich als Gefährten-Gruppe in ein gemeinsames Abenteuer in Mittelerde stürzen, das zeitlich irgendwo zwischen dem HOBBIT und dem HERRN DER RINGE angesiedelt ist. Das Besondere an diesem prächtigen Brettspiel ist der Spiel-Mechanismus, der von einer speziellen App gesteuert wird, die man während des Spiels auf Handy, Tablet oder PC (via Steam) bedienen muss.

Die Gefährten sammeln sich

Zu Beginn des Spiels dürfen die Spieler sich einen Helden aussuchen. Zur Auswahl stehen Bilbo, Aragorn, Legolas, Gimli, sowie die Elbin Elena und die Waldläuferin Beravor, die – wie ich mir sagen ließ – wohl aufgrund des akuten Frauenmangels in den tolkienischen Romanen auch schon im Lord-of-the-Rings-Sammelkartenspiel von Fantasy Flight Games eingeführt wurden. Die Charaktere verfügen je nach Persönlichkeit über verschieden ausgeprägte Attribute wie Körperkraft, Weisheit, Beweglichkeit, Wille und Scharfsinn. Während Zwerg Gimli beispielsweise sehr stark ist, überzeugt Bilbo durch einen hohen Wert bei Scharfsinn. Sind die Helden ausgesucht, erhält jeder Spieler zudem ein speziell auf seinen Charakter zugeschnittenes Ausrüstungspaket und ein einzigartiges Deck von Fertigkeitskarten, das später im Spiel mehrere wichtige Funktionen erfüllt. Zudem gibt’s natürlich für jeden Helden auch eine wunderschön gestaltete Miniatur.

Aufbruch nach Mittelerde

Und dann kann es schon losgehen. Die Heldengruppe wird in der App angelegt, die von nun an das Spiel leitet. Die App zeigt zudem den Bedrohungsgrad und die Fortschritte im Spiel an. Über den „weiter“ Button werden die Spieler immer wieder zu verschiedenen Aktionen aufgefordert, wie beispielweise eine der Landschaftskarte ans Spielbrett anzulegen, das zufällig formiert wird, oder bestimmte Proben abzulegen. Hier kommen die Fertigkeitskarten jedes Helden ins Spiel, denn sie verleihen den Charakteren nicht nur spezielle Fähigkeiten, um bestimmte Situationen zu meistern, sondern ersetzen bei den Proben auch die Würfel. Um zu sehen, ob man eine Probe bestanden hat, zieht man eine gewisse Anzahl von Fertigkeitskarten vom eigenen Stapel und wertet die Symbole in der oberen linken Ecke aus, die einem Aufschluss darüber geben, wie viele Erfolge man erzielt hat. Je nach Schwierigkeitsgrad hat man die Probe dann bestanden oder vergeigt. Um seine Chancen zu verbessern, gilt es während des Spiels die in der Landschaft herumliegenden Inspirationsmarker zu sammeln, mit denen man seine Proben etwas pushen kann.

Zudem ist das Spielbrett noch mit Ereignis- bzw. Begegnungs-Tokens besetzt, die man auslösen kann, wenn man das jeweilige Feld betreten hat. Was genau geschieht, verrät dann die App in kurzweiligen Ambiente-Texten und kurzen Spielanweisungen. Hier kommt es dann auch immer wieder zu Begegnungen mit den Gegnern. Kämpfe gegen die Monster und anderen Bösewichte funktionieren im Prinzip ähnlich wie Proben.

Nach und nach setzt sich dann der Spielplan zusammen, je nach Kapitel entweder aus liebevoll gestalteten Hex-Planteilen, mit landschaftlichen Details, oder feste, quadratischen Schlachtenpläne, die allerdings wenig Möglichkeiten bieten und nur mit Geländemerkmalen versehen werden.

Ein Gefühl wie bei Tolkien

Für uns als Tolkien-Fans ist natürlich interessant, ob bei dem Spiel auch wirklich Mittelerde-Feeling aufkommt. Abgesehen von den Namen und den Monstern erinnern die Abenteuer leider nur vage an die literarische Vorlage. Die Ambiente-Texte in der App sind zwar nett geschrieben, bieten aber kaum die literarische Qualität der Vorlage. Banditen, Orks und Warge im Auenland, und Sidequest, wie ein verlorenes Schaf zurück zu Herde bringen, wirken beliebig und die zufällig zusammengesetzten Landschaft erinnert nicht wirklich an die ikonischen Landkarten von Mittelerde. Auch wenn die Questen vermutlich von Kapitel zu Kapitel epischer werden, dürfen Fans, die gegen größere Gegner als einen Troll kämpfen wollen, auf die Erweiterungen hoffen, die vermutlich die Epicness der Abenteuer steigern werden. Und hoffentlich erweitert sich dann auch die Auswahl der Helden. Trotz alledem machen die Kampagnen Spaß, wenn man nicht erwartet mit der Vernichtung des Einen Rings betraut zu werden.

Kampagnen in Mittelerde

Das Spiel ist aufgrund seines Kampagnen-Charakters eher nicht für Gelegenheitsspieler konzipiert, sondern eher für Spielrunden, die sich regelmäßig treffen. Wer also nicht immer nur wieder nur das erste Szenario spielen möchte, für den gilt es, sich langfristig Mitspieler zu suchen. Dafür werden praktischerweise alle Zwischenstände und aktuellen Werte in der App gespeichert. Dies allerdings nur auf dem verwendeten Gerät und nicht serverbasiert. Das heißt, dass die gespeicherten Daten nicht übertragen werden können, wenn man auf ein anderes Gerät umsteigen möchte. Beim Spielen hat sich ein Tablet, das man auch rumreichen kann, als praktisch erwiesen. Auf dem Handy ist die App mit ihren Abbildungen und Texten schon ziemlich klein und schwer zu lesen. Ein PC oder Laptop hat den Nachteil, dass er gegebenenfalls relativ unflexibel ist. Und für alle Geräte gilt: Wenn der Akku leer ist, ist das Spiel sowieso vorbei. Das Ladekabel sollte also immer in Reichweite liegen.

Fazit

Auch wenn das Spiel für Familien angepriesen wird, sollte sich zumindest ein brettspielerfahrener Spieler in der Gruppe befinden, denn die Regel-Mechanismen von DER HERR DER RINGE: REISE DURCH MITTELERDE sind relativ komplex für ein Familienspiel und viele Dinge sind in den Runden zu berücksichtigen. Je nach Erfahrung können verschiedene Schwierigkeitsgrade in der App gewählt werden, wobei der Standard-Modus die meisten Spieler schon ordentlich herausfordern wird.

Sieht man von diesen kleineren Mankos ab, macht das Spiel einen Riesenspaß. Wer also kooperative, App-unterstützte Kampagnen-Spiele mag, und nicht zu viel Wert auf den tolkienischen Kanon legt, kommt hier voll auf seine Kosten. Zeitlich ist das Spiel auch mit einer Dauer von 1 - 3 Stunden pro Kapitel durchaus im Rahmen.

Die Spielausstattung ist recht prächtig, die 31 Miniaturen sehen klasse aus und man kann sie nach Lust und Laune auch bemalen. Beim Preis von rund 100 Euro hätten es aber auch gerne noch ein, zwei Figuren mehr sein dürfen. Die Fertigkeitskarten, Ausrüstung und Co. sind ebenfalls sehr liebevoll und atmosphärisch gestaltet.

Alles in allem ein abwechslungsreiches Abenteuer-Spiel für Spielekenner, das durch eine sehr gutes Balancing Spannung bis zum letzten Spielzug erzeugt. Man muss nicht zwingend Tolkien-Fan sein, um das Spiel zu mögen. Also wir werden es auf jeden Fall nicht zum letzten Mal gespielt haben!

Der Herr der Ringe – Reise durch Mittelerde

  • Verlag: Fantasy Flight Games / Asmodee
  • Spieldauer: 2-4 Stunden
  • Spieleranzahl: 1 - 5
  • Altersangabe: ab 14 Jahren
  • Preis: ca. 85 EUR
  • bei amazon.de bestellen


Anmerkungen: Auf den Fotos sieht man noch einige Details, die im Grundspiel so nicht vorhanden sind. Die Figuren werden unbemalt geliefert. Auf den Fotos sieht man, dass wir (konkret Mitspieler Alex aka Elster) bereits mit dem Bemalen begonnen haben. Damit die Spielelemente im Karton nicht durcheinander geraten, verwenden wir einen Schaumstoff Organizer Insert von CGGamesGoods. Zum Schutz der Spielkarten stecken diese in passenden Schutzhüllen, die es z.b. hier bei amazon.de gibt. Das Grundspiel wurde uns zur Rezension von Asmodee kostenlos zur Verfügung gestellt.

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