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Die HERR DER RINGE Ausstellung - Ein Erlebnisbericht

; Quelle: HDRF

Seit über anderthalb Monate läuft die Ausstellung zu DER HERR DER RINGE und erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit. Die voraussichtlich letzte Zurschaustellung der Exponate in Europa (danach wird die LORD OF THE RINGS Exhibition nur noch in Neuseeland zu bestaunen sein) lockt Besucher aus unterschiedlichsten Ländern an. Wir haben die Ausstellung unter die Lupe genommen.

Unsere Delegation konnte bereits im Bus mit dem geschulten Auge die eine oder andere Vertreterin der Gattung "Sie hat das Licht von Aman in den Augen" - sprich weiblicher Tolkien-Fan - erspähen. Später auf der Haltstelle "Filmpark" bestätigte sich der Anfangsverdacht: die TolkienistInnen zogen in Richtung Parkeingang. Allerdings reisten die größten Tolkienfans mitsamt Rüstung oder Elbenmantel mit dem Auto an und kleideten sich auf dem Parkplatz um. Zwar gab es keine so ausgefallenen Kostüme wie bei der Ring*Con, aber der Gedanke zählt schließlich auch.

Zwischen dem Ticketkauf (die Kassierer fragen gerne nach dem Herkunftsland nach, in unserem Fall waren sie über fünfmal "Russland" besonders erfreut), und der Ausstellung selbst liegt ein Gang über das Gelände des in der Winterpause befindlichen Filmparks Babelsberg. Das Babelsberger Filmstudio ist das älteste Studiogelände der Welt. Dort wurden solche Klassiker wie METROPOLIS (1927) und DER BLAUE ENGEL (1930) gedreht. Zuletzt entstanden dort Filmen V WIE VENDETTA (2005), AEON FLUX (2005) und sogar einige Szenen von MISSION IMPOSSIBLE 3 (2006). Mittlerweile gibt es dort auch einen Besucherpark, wo unter anderem Modelle der Helden aus alten Filmen am Wegesrand stehen. Am Ende des Weges liegt dann der Pavillon mit der Ausstellung.

Die Autoren der russischen Parodietrilogie THE TROUBLE OF THE RINGS hatten mal wieder recht. Wenn Gandalf, wie in jener Parodie, statt auf einem Pferd auf einem Motorrad säße, dann würde es vermutlich so aussehen, wie das im Foyer des Pavillons. Abgesehen von der Garderobe und des Speisesaals mit lustigen Mittelerdenamen für Speisen (die "Orkohren" der DTG-Tolkien-Tage lassen grüßen) kann man Merchandising kaufen – dazu später, denn man fühlt sich zur dunklen Tür mit der Aufschrift "Eingang" regelrecht hingezogen. Nur noch eine Hürde muss überwunden werden: ein strenger Mann, der die vielen Verbote noch mal aufsagt und sogar bittet, die Handys auszumachen. Die Leute tun es (pro forma) und gehen hinein...

…wo man sofort vom Mittelerde-Feeling erfasst wird, sobald man das Tor aus zwei riesigen Argonath durchschreitet. In der halb verdunkelten Umgebung kann man sich leicht zwischen den Ständen verirren, die in der Saalmitte stehen und thematisch angeordnete Exponate zeigen. Wir haben den bequemsten Weg gewählt – an der Außenwand herum, doch es war nicht leicht, die Route beizubehalten, denn es gab immer wieder irgendwas Interessantes in der Mitte zu sehen.

An den Außenwänden hingen Storyboards, Entwürfe, Matte Paintings und einige Originale (!) von John Howe und Alan Lee, und auf den Ausstellungsinseln in der Mitte wurden unzählige Requisiten nach Themen sortier präsentiert. Ein Teil der Ausstellung gleich nach dem Eingang ist ganz Aragorn gewidmet: Unter einer Glasvitrine hing Anduril in voller Pracht, und gleich daneben gab es das Kostüm des Streichers zu bestaunen (mit der Aufschrift "Ihr denkt, das Kostüm ist verdreckt, zerschlissen und alt? Ihr habt absolut recht!") Es gab die Rüstung und den Sattel von Théoden, die Kostüme von Legolas und Gimli, die Kleider von Arwen und Galadriel (der weibliche Teil unserer Delegation war etwas verärgert darüber, dass Éowyns Kleid fehlte), sowie an ganz zentraler Stelle: Frodos Kostüm, samt Mithrilhemd, Stich, Galadriels Phiole und dem Roten Buch.

Man sollte hervorheben, dass es sich ausschließlich um echten Requisiten und Kostüme aus der Filmtrilogie handelt, und keine Replikas; Nur wenige Teile wurden speziell für die Ausstellung gefertigt. Zum Beispiel Lurtz’ Statue in voller Größe ( vermutlich hat man keine Schaufensterpuppe in der Größe finden können, um dort das Kostüm des mächtigen Uruk-Hai überzustülpen). Mit den einfachen Ork-Kostümen war es erheblich leichter, ebenso wie mit den Filmrüstungen. Sie standen angeordnet in Reih und Glied: die Gondorianer, die Elben des 2. Zeitalters, die Rohirrim und dann natürlich wieder haufenweise Orks.

Viele Kleinteile sind so kunstvoll angefertigt und vor allem gealtert worden, dass man voll den Eindruck bekommt, es sind echte Artefakte, die irgendwo ausgegraben wurden. Manche von ihnen stellten uns vor ein Rätsel, bis wir nachlasen, dass es sich um Piercings der Orkfratzen handelte. Übrigens kann man von diesen Fratzen ganz viele sehen, in einer Wand aus Latex-Gesichtern und Hobbitfüßen – ein surrealer Anblick! Außerdem gab es auf der Ausstellung zwei Trolle zu sehen. Einer in Originalgröße, als Teil einer Diarama, sowie einer so groß wie ein Mann (und anatomisch korrekt, inklusive Detail, das im Film durch einen Lendenschurz verdeckt war), der zum 3D-Scan verwendet wurde.

Es gab auch einige der berühmten Big-atures aus dem Film zu sehen. Und wenn Barad-dûr nicht sonderlich groß ist (kleiner, als die Rüstung Saurons, die daneben steht), so ragt Orthanc fast bis zur Decke. Sehr beeindruckend sieht auch die industrialisierte Hobbitmühle aus (aus der "Säuberung des Auenlandes", die Frodo in Galadriels Spiegel sieht).

Der Kern der Ausstellung ist ein völlig verdunkelter Raum mit flammenden Effekten an den Wänden und dem leuchtenden goldenen Ring in einer Säule aus Glas; dabei tönt der Spruch "Ash nazg …" in Dolby Surround um einen herum, um zu erinnern, wer hier der HERR DER RINGE ist. Die Ringe der Macht sind hier ebenfalls versammelt "um ewig zu binden": die neun Ringe der Nazgûl und die sieben Ringe der Zwerge sind alle an einer Stelle, und die drei Ringe der Elben befinden sich bei ihren jeweiligen Trägern: Gandalf, Elrond und Galadriel.

(Anmerkung con Cirdan: Interssanterweise gibt es sowohl die sieben Ringe der Nazgûl als auch die sieben Ringe der Menschen zu sehen.)

Doch die Ausstellung beschränkt sich nicht auf eine statische Vorführung der Requisite. Es gibt sowohl multimediale, als auch schlicht unterhaltsame Aspekte. Bei den interessantesten thematischen Sammlungen (z.B. "Makeup", "Special Effects", "Arbeit von John Howe und Alan Lee", "Gollum", usw...) gibt es Videomonitore, wo man per DVD-Navigation die entsprechenden Beiträge zum Thema abrufen kann. Die Beiträge stammen auch nicht von den Kauf-DVDs, sondern wurden speziell für die Ausstellung zusammengeschnitten, so dass auch die Kenner der SEE-Bonusfeatures etwas Neues erfahren können.

Es gibt außerdem eine anschauliche Demonstration der Waffen aus den Filmen. Die meisten Schwerter wurden in drei Varianten gefertigt: aus Stahl (für Close-Ups), aus Aluminium (für die Kampfszenen) und aus Urethan (für die Komparsen und die Hintergrund-Action). An der Wand hängen drei absolut gleiche Schwerter mit der Aufforderung "Berühre und rate mal". Und tatsächlich kann man den Unterschied erst beim Anfassen feststellen.

Ein besonderes Augenmerk wird der Frage der Skalierung von Hobbits und Menschen gewidmet. In einem speziellen Greenscreen-Raum sind zwei Hälften einer Bank aufgestellt, eine Hälfte in der Größe "Mensch", die andere – "Hobbit". Zwei Videokameras fügen die beiden Hälften zusammen, und man kann ein Foto zu zweit machen lassen. Allerdings sollte man anmerken, dass wenn Peter Jackson in seinen Filmen eine solche Bildqualität wie auf diesem Foto gehabt hätte, er wohl kaum einen Oscar bekommen hätte – und das zum stolzen Preis von 5 Euro pro Ausdruck! Aber etwas Positives verbirgt sich gleich in der engen Gasse neben dem Greenscreen-Raum: dort kann man Requisite in zwei Maßstäben bewundern, z.B. Bierkrüge, Elbenseil, Pippins Hosenträger und - als Highlight - Sams Rucksack samt Pfannen!

Die effektvollste Requisite, die einem einen Schauer über den Rücken jagt, liegt jedoch in einem Boot an der entfernten Wand der Ausstellung: es ist "Boromirs Abschied". Im Boot liegt der große Krieger Gondors in voller Rüstung, und wenn man ihn ansieht, scheint es, als wäre es Sean Bean persönlich, der sich kurz zum Ausruhen hingelegt hat, und gleich wieder aufstehen wird. Und doch ist es nur ein Modell, das man für Faramirs Flash-Back-Szene in der Special Extended Edition DIE ZWEI TÜRME erstellt hat. Und wenn man die lange Schlange ausgestanden und die Figur angeblickt hat, wird einem ganz mulmig. Das Gesicht, die Haare, die Hände, die Adern unter der Haut, die Hautstruktur und selbst die unrasierten Bartstoppeln – alles sieht absolut echt aus.

Nach dem Rundgang über die ganzen Kurven und Ecken des Saals bekommt man das Gefühl "War es das etwa?" Und dann kann man sich im Foyer mit Merchandising eindecken. In einem Laden bekommt man Replika von einigen Artefakten aus der Ausstellung: den Einen Ring, Arwens Anhänger, sowie das meiste aus dem Katalog von Noble Collection (jedoch zu recht stolzen Preisen). An einem anderen Stand bietet ein Graveur einen exklusiven Service an: gegen Gebühr lasert er eine eigene Inschrift nach Belieben auf den Ring, den man natürlich auch bei ihm kaufen kann.

Nach einigen Stunden verließen wir die Ausstellung, mit dem Gefühl, mal wieder die Nähe zu Mittelerde gespürt zu haben. In dieser Hinsicht ist die Ausstellung ein Erfolg, und die Anordnung ist thematisch sehr gut gewählt. Der einzige Wermutstropfen: auch wenn man nicht fotografieren darf, kann man auch keinen Katalog mit den Ausstellungsstücken erwerben. Man kann also nur Erinnerungen mitnehmen.

Insgesamt war es eine tolle Erfahrung, mit sehr erschöpfenden, aber positiven Eindrücken. Wenn man bis 29. April in der Nähe von Berlin ist, sollte man unbedingt mal hin: denn nach Europa wird sie wohl nicht mehr zurückkehren…

Das heimliche Fotografieren kann man übrigens nur Adrenalin-Liebhabern empfehlen, denn es sind ständig Kontrolleure unterwegs, die Besucher bei Verstoss gegen diese Regel von der Ausstellung verweisen können. Mehr Fotos gibt es bei den Adrenalin-Junkies von henneth-annun.ru.

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