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REZENSION: Hautnah bei den Dreharbeiten dabei

; Quelle: HDRF

In dieser Woche sind in Deutschland die HERR DER RINGE Limited Editions erschienen, eine neue Auflage von HERR DER RINGE DVDs, die sowohl die Kinoversion als auch die Extended Edition enthalten. „Abzocke“ oder „Geldmacherei“ schalte es vorab durch die Fan-Foren. Doch was ist wirklich dran an dem Vorwurf oder was macht diese Versionen zu etwas Besonderem?

Auf jeweils einer doppelseitigen DVD befinden sich beide Film-Versionen, allerdings in der Sparfassung, ohne Audiokommentare und nur in Dolby Digital, ohne eine 5.1. Tonspur. An einer Beschreibung dieser DVDs sollte man sich nicht lange aufhalten, denn sicherlich hat schon jeder die weitaus bessere Extended Edition im Regal stehen. Warum also diese Limited Edition kaufen? Die Antwort ist einfach: Es sind nicht die Kinofilme, sondern die neuen Dokumentationen von Filmemacher Costa Botes, deren Anschaffung sich lohnt. Die Veröffentlichung in dieser Form hat vor allem einen rechtlichen Hintergrund. Ursprünglich war geplant die Dokus von Botes in eigenständiger Form – ähnlich wie die Production Diaries bei KING KONG – zu veröffentlichen, doch aus lizenzrechtlichen Gründen war dies nicht möglich. Die Filmrechte beinhalten unter anderem die Klausel, dass Zusatzmaterial immer nur im Zusammenhang mit den Filmen veröffentlicht werden darf. Daher eine Neuauflage der DVDs.

Doch was unterscheidet diese neuen Dokumentationen von den ausführlichen Making Ofs auf den Extended Editions? Einiges! Insgesamt fast fünf Stunden lang bekommt der Zuschauer einen komplett neuen Eindruck der Filmproduktion. Costa Botes war mit der Kamera so nah am Geschehen dabei, dass man als Zuschauer bald das Gefühl bekommt, selbst Bestandteil der Filmcrew zu sein. Doch durch diese Sicht der Dinge offenbaren sich schnell auch die negativen Seiten des Filmemachens. Die Illusion von der Traumfabrik zerplatzt und der Zuschauer bekommt einen Eindruck von der harten Arbeit am Set, einer knallharten 100 Stunden Woche für die Crew und dem Druck, der auf allen lastet. Wir sind dabei, wenn Peter Jackson versucht seinen Produzent zu überzeugen 2 Millionen Dollar mehr in den Prolog zu investieren, es Streit unter der Crew gibt und am Ende mit völliger Erschöpfung der Lagerkoller ausbricht.

Costa Botes bleibt nah dran am einfachen Filmvolk, es kommen Tontechniker zu Wort, Helfer und Beleuchter. Statisten sprechen über die unendlich langen Wartezeiten und Praktikanten berichten von ihrer Erfahrung. Es geht Botes dabei weniger um die Darstellung der Adaption des HERRN DER RINGE als vielmehr darum, das alltägliche Leben an einem Filmset darzustellen, mit allen Höhen und Tiefen, die die Crew erlebt. Botes veranschaulicht immer wieder den Kampf der Filmcrew mit den oft katastrophalen Wetterbedingungen und den widrigen Umständen. Dabei kommt er komplett ohne Kommentar aus. Seine Dokumentation ist vielmehr ein atmosphärische Stimmungs-Collage.

Erwähnenswert ist, dass tatsächlich etwa 90% des Materials bisher noch nirgendwo zu sehen waren. Ein Genuss für jeden Film-Fanatic, aber auch für Tolkien-Fans verstecken sich einige Perlen in dem Material: Beispielsweise sind wir live bei den Dreharbeiten zu Szenen, die es niemals in den Film geschafft haben, so etwa Gandalfs Versuche Frodo Sindarin beizubringen, der Angriff der Orks am Osttor von Moria oder Eówyns Kampf mit den Uruks in den Glitzernden Grotten. Und wer noch immer auf die legendären Blooper-Reels (Patzer-Szenen) wartet, wird mit diesen Dokus zumindest teilweise zufrieden gestellt, denn immer wieder sind verpatze Szenen oder Gags der Schauspieler zu sehen.

Leider orientiert sich Botes beim Ablauf aber nicht an der Chronologie der Dreharbeiten, sondern dem Szenenablauf der Filme. So springt er beliebig zwischen Nachdrehs, der ersten Drehwoche und Postproduktion. Dies wirkt leider etwas beliebig, kommt aber natürlich auch dadurch zustanden, dass man jedem der drei Teile eine eigenständige Doku widmen wollte, obwohl die Filme parallel gedreht wurden.

Zur technischen DVD-Umsetzung selbst lassen sich positive wie negative Worte finden. Schlecht umgesetzt ist das Bildformat, denn obwohl die Dokus anscheinend in 16:9 gedreht wurde, befinden sie sich in einem ärgerlichen 4:3 Format auf der DVD. Positiv hingegen ist die deutsche Untertitelung hervorzuheben. Sowohl Bezeichnungen aus dem Tolkien-Kosmos als auch Fachbegriffe des Filmemachens wurden allesamt richtig übersetzt. Hier ein Lob an die Übersetzer von Warner Bros. Deutschland.

Für wen lohnen sich die DVDs? In erster Linie sind die neuen Dokumentationen für Film-Fans interessant, denn sie bieten einen hautnahen Einblick in die Produktion, auch wenn dies manchmal desillusionierend ist. Fans der HERR DER RINGE Filme werden zwar die oft fehlende Präsens ihrer Lieblingsdarsteller bemängeln, werden aber auch in den filmischen Aspekten noch einige neue Details entdecken. Und vielleicht gefällt es dem einen oder anderen ja auch viel besser, den Zeichner Alan Lee bei seiner Arbeit allein im Wald zu beobachten, als den typischen Making-Of-Kommentaren der Stars zu lauschen.

-- Doku Video-Clip 1 (Quicktime, 10 MB)
-- Doku Video-Clip 2 (Quicktime, 12 MB)
-- Doku Video-Clip 3 (Quicktime, 11 MB)


DER HERR DER RINGE TRILOGIE: Limited Edition Collection
Laufzeit: ca. 705 Minuten
Freigabe: ab 16 Jahren
Bildformat: Widescreen (2.35:1 - anamorph)
Tonformat: Dolby Digital in Deutsch, Dolby Digital in Englisch
Untertitel: Deutsch, Englisch, Deutsch für Hörgeschädigte
Extras: nie zuvor gesehene "Behind-the-scenes"-Dokumentationen in Spielfilmlänge
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