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Círdans Filmbesprechung - Die Gefährten

; Quelle: http://www.hdr-filme.de

Der 11.Dezember 2001 - diesen Tag werde ich so schnell nicht vergessen, denn es ist der Tag, auf den ich so lang gewartet habe. Und als ich den Kino-Saal des Kölner UFA-Palastes betrete, waren meine Erwartungen wohl größer als die jedes anderen Besuchers. DER HERR DER RINGE - DIE GEFÄHRTEN - heute sollten die Bilder im Kopf zu Bildern auf der Leinwand werden. Ich habe in den vergangen Jahren so viele Bilder und Ausschnitte gesehen, dass ich eigentlich davon ausging, mich könnte der Film nicht mehr beeindrucken. Aber was ich da auf der Leinwand gesehen habe, hat mich schlicht weg bezaubert.

Achtung! In dieser Filmbesprechung wird ausführlich auf Änderungen und Handlungsabläufe eingegangen, wer sich die Spannung nicht nehmen lassen möchte, sollte jetzt nicht weiterlesen.

Mit einer Tatsache muss sich der Tolkien-Fan bei dieser Verfilmung von Anfang an anfreunden: Jede einzelnen Szene enthält Änderungen der Buchvorlage, und nur wenn man diese Änderungen akzeptiert, kann man den Film voll und ganz genießen. Aber auch nur durch diese Änderungen funktioniert der Film überhaupt und es bleibt Platz für viele kleine andere Details, die jedem Tolkien-Fan die Freudentränen in die Augen treiben werden. Da sehe ich Barahirs Ring an Aragorns Finger, oder die Elbenbroschen an den Mänteln der Gefährten, ich sehe die Hobbit-Landkarte in Beutelsend und Zwergenrunen an den Wänden von Moria.

Es geht nicht darum, dass sich der Film exakt an die Vorlage hält, es geht vielmehr darum, dass er den Tenor der Vorlage wiedergibt und die besondere, magische Atmosphäre in den Kinosaal transportiert. Und das gelingt Regisseur Peter Jackson besonders in den Auenland-Sequenzen, an denen J.R.R. Tolkien selbst seine wahre Freude gehabt hätte. Besonders an einer Szene, bei der Bilbo und Gandalf gemütlich auf einer Bank sitzen, Bilbo einen wunderbaren Rauchkringel bläst und Gandalf ihn übertrifft, indem er ein detailliertes Elbenschiff durch den Rauchkringel bläst. Auch die Auftritte des alten Ohms und von Bauer Maggot entsprechen nicht der Vorlage, sind aber einfach liebenswert. Ich hatte das Gefühl, nachhause gekommen zu sein.

Aber der Film beginnt nicht im Auenland, sondern im finsteren Nichts. Die Leinwand bleibt dunkel, während Galadriel die Geschichte des Rings zu erzählen beginnt. Dann folgen beeindruckende Aufnahmen von einer apokalyptischen Schlacht im zweiten Zeitalter: Menschen und Elben haben sich gegen den finsteren Fürsten verbunden und kämpfen Seite an Seite. Bereits hier bekommen wir Elrond, als Herold Gil Galads zu sehen. Diese fast biblische Szenen des zweiten Zeitalters lassen vermuten, wie eine würdige Verfilmung des Silmarillions aussehen würde.

Zurück ins Auenland. Höhepunkt dieses Abschnitts ist und bleibt das Gespräch zwischen den beiden Spitzendarsteller Ian McKellen als Gandalf und Ian Holm als Bilbo. Bilbo, der nach seiner Geburtstagsfeier den Ring nun doch nicht vererben möchte und so Gandalf verärgert, der seine Macht subtil demonstriert.

Nach Frodos Aufbruch, zieht die Geschwindigkeit des Films enorm an. Dem Zuschauer bleibt kaum Zeit zu atmen, wenn die Hobbits vor den albtraumhaften Nazgûl fliehen oder durch die verregneten, finsteren Straßen von Bree ziehen. Gleichzeitig sieht man in Zwischenschnitten immer wieder die Erlebnisse Gandalfs. Wenn Gandalf auf die Weiße Stadt Minas Tirith zureitet, um in der Bibliothek von Minas Tirith in Isildurs Aufzeichnungen zu lesen, oder Gandalf sich ein Gefecht mit Saruman liefert, beginnt das Werk wirklich episch zu werden.

Die schwarzen Reiter hätten nicht furchterregender gestaltet werden können, sie sind die Inkanation des unfassbaren Bösen und ihre Schreie jagen jedem Zuschauer die Gänsehaut über den Rücken. In der ersten Hälfte des Films vermitteln sie eine ständig anwesende Bedrohung.

In Bruchtal beginnt die eigentliche Reise der Gefährten und damit die Dramaturgie der Charaktere, die alle sehr klar gezeichnet sind, selbst ein unerfahrener Kinozuschauer dürfte den Überblick nicht verlieren. Auch schauspielerisch glänzen alle Charaktere, ohne Ausnahme! Selbstverständlich können nicht alle Darsteller die Vorstellungen der Fans treffen, ich kann mich beispielsweise nicht mit Hugo Weaving als Elrond anfreunden, auch wenn dieser gewohnt professionell spielt, aber dennoch akzeptiert man die Rollen, da sie einfach glaubwürdig sind. Der Zuschauer spürt die Last, die auf dem Rücken eines jeden Charakters ruht und seine Vergangenheit.

Dann, während der Reise der Gefährten, scheinen kurzzeitig die bombastischen Effekte die Oberhand über die Handlung zu gewinnen, vor allem in den Minen von Moria, muss sich jeder Zuschauer auf ein Oscarreifes Effektfeuerwerk gefasst machen. Doch die Handlung bleibt der Star des Films!

Zauberhaft und mystisch ist der Elbenwald Lothlórien gestaltet, der sich stark vom heimeligen Bruchtal unterscheidet. Der Regisseur Peter Jackson macht deutlich, in diesem Wald sind die Charaktere Fremdkörper, der Wald wirkt bedrohlich und geisterhaft zugleich, unwirklich. Brillianter Höhepunkt: Die marienhafte Cate Blanchett als Galadriel.

Das Finale des Film schafft es zwar nicht mehr, die Moria-Sequenz zu toppen, dennoch bietet der Kampf am Amon Hen einen würdigen Abschluss mit nur einer Frager: Wie sollen wir es jetzt noch bis Teil 2 DER HERR DER RINGE - DIE ZWEI TÜRME aushalten?

Fazit: Es gibt einige kleine Details, die ich nicht mag, beispielsweise Galadriels Verwandlung in eine Banshee, doch im großen und ganzen stehen diese Kleinigkeiten im gewaltigen Schatten der genialen Atmosphäre. Ein gigantischer Film, der die Zuschauer mindestens ein Jahr bis zum zweiten Teil beschäftigen wird. Eine würdige, epische Interpretation des Romans von J.R.R. Tolkien, aber nicht der Film zum Buch.

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