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Es lebe das Buch im Film!

; Quelle: HdR-Filme.de

Es war einmal eine Leserin, die flehte den altehrwürdigen Professor Tolkien gar bitterlich an, er dürfe auf keinen Fall zulassen, dass der "Herr der Ringe" jemals zur Verfilmung komme. Das wäre etwa so, wie wenn der Grand Canyon im Disneyland nachgebaut würde. Wie wir alle wissen, hat die Befürchtung der leinwandskeptischen Leserin mittlerweile gleich mehrfach Gestalt angenommen, auch wenn der ersten filmischen Inkarnation des "Herrn der Ringe" von Ralph Bakshi der Zutritt ins Disneyland wohl definitiv versperrt worden wäre. Mögliche Begründung: In diesem schäbigen Aufzug kommen Sie hier nicht rein! Zugestanden, auch die Fangemeinde wird nicht unglücklich darüber sein, dass Peter Jacksons Verfilmung die Disneysche Machart gescheut hat wie ein Troll das Tageslicht. Wäre ja sowieso testamentarisch verboten gewesen.

Die Erwartungen waren hoch gesteckt. Und als sich an diesem denkwürdigen Montag morgen das Licht im Kinosaal langsam verdunkelte, war einem nicht nur kribbelig, sondern geradezu feierlich zumute. Und eine Feier sollte es werden.

Klar: Nicht nur Tolkien-Puristen werden Tom Bombadil und den Alten Wald vermissen. Viele werden irritiert darüber sein, dass Arwen anstelle von Glorfindel den Ringträger über die Bruinen-Furt reitet. Oder sich wundern, wo denn Gil-galad (Anm. von Círdan: Gil-galad gab es schon zu sehen, nur ohne Hinweis) und Elendil geblieben sind, wenn es am Ende des Zweiten Zeitalters zum Showdown mit Sauron kommt. Doch wenn Jackson Charaktere und Passagen der filmischen Dramaturgie opfert, hat man Verständnis für solche Entscheidungen. Umso mehr jauchzt das Herz, wenn etwa die Crebain unweit des Caradhras den Himmel verdunkeln oder der Film gar mit zusätzlichen Elementen aus dem Tolkienuniversum aufwartet - sozusagen Bonusmaterial aus Mittelerde.

In diesem Film steckt der Teufel eindeutig im Detail. Buchstäblich. Die grandiosen Kulissen sind mit einer visuellen Präzision umgesetzt worden, die schon fast an filmischen Fanatismus grenzt. Besonders schön sind Moria und Bilbos Geburtstagsfest gelungen: Die Flamme von Udun ist so furchterregend wie wir immer ahnten, während wir dem funkensprühenden Wunder von Gandalfs Feuerwerk (Drache!) beiwohnen, als hätten wir selbst grosse Hobbitkinderaugen im Kopf. Einnehmend sind auch die Darsteller: Die fünf Hobbits hätte man besser nicht casten können, Ian McKellen liefert als Gandalf der Graue ein schauspielerisches Glanzstück ab und Cate Blanchett ist eine durch und durch würdige Galadriel. Allein mit der Wahl von Hugo Weaving als Elrond kann man nicht zufrieden sein. Weavings näselnde Überheblichkeit erinnert zu stark an dessen Rolle als fleischgewordenes Computerprogramm in "The Matrix".

Doch diese schauspielerischen Leistungen stehen letztendlich im Schatten des unangefochtenen Hauptdarstellers: Dem Einen Ring. Als Symbol für die Bürden und Verlockungen irdischer Macht verleiht er dem Film jene epische Tiefe, die einer adäquaten Verfilmung von Tolkiens Werk ansteht. Gelungen ist auch das musikalische Ringthema, weniger dagegen die Untermalung romantischer oder tragischer Szenen: Für meinen Geschmack trällert der Soundtrack in solchen Passagen eindeutig zu süsslich.

Den Ton wiederum getroffen hat Jackson, wenn er Bilbo in Bruchtal an "Hier und wieder zurück" schreiben lässt. Es lebe das Buch im Film!

Kurz: Ich will mehr. Obschon es in Anbetracht des Titels vielleicht gar nicht so eine schlechte Sache ist, wenn wir uns jetzt noch mehr als zwölf Monate gedulden müssen, bis "Die zwei Türme" ins Kino gelangen. Es steht jedenfalls zu befürchten, dass mir das lidlose Auge Mordors derweil die Träume verdunkeln wird.

Beorn

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