Zum Inhalt springen

Passwort vergessen?

Jetzt registrieren

herr-der-ringe-film.de

Ein Cutter spricht

; Quelle: Editors Guild

John Gilbert, der HERR-DER-RINGE-Cutter war wegen seiner Schnitte für den Oscar nominiert und sprach nun gegenüber der Editors Guild über seine Arbeit an diesem Mega-Projekt. er berichtet unter anderem, warum er einige Szenen rausschneiden musste, die die Fans gerne gesehen hätten.

"Für mich besteht die Aufgabe des Schneidens darin, eine unbedingt erzählerische und gut geformte Vorstellung zu liefern, so dass die Charaktere glaubwürdig und eins mit der Geschichte sind," erzählt Cutter John Gilbert. "Wenn wir eine emotional befriedigende Erfahrung für die Zuschauer schaffen können, dann haben wir gute Chancen, einen Film gemacht zu haben, den die Leute sehen wollen. [...]

Bei DER HERR DER RINGE hat Regisseur Peter Jackson alle drei Teile gleichzeitig gedreht und so saß ich manchmal alleine mit einem Stapel Filmmaterial, der bis auf 660 Kilometer Film wuchs. An einigen Tagen schaute ich mir 6 bis 10 km Film an (machmal sogar bis zu 20 km). Obwohl Peter beim Schnitt gerne eng einbezogen werden wollte, war es mir kaum möglich seine Aufmerksamkeit mehr als ein paar Stunden zu bekommen. Aber als Cutter bin ich selbstverständlich ein guter Mitarbeiter. Ich mag es die Geschichte, Charaktere und Themen auszudiskutieren, damit ich in den Kopf des Regisseurs schauen kann. Ich reiste also quer durch das Land -- mal mit dem Flugzeug, machmal sogar mit dem Hubschrauber -- und schleppte den Schnittraum mit mir von Hotel zu Hotel, um so viel Zeit wie möglich mit ihm zu verbringen. Und etwa September 2000 hatten wir einen guten Rohschnitt, den wir vorzeigen konnten. Logistisch gesehen war das eine sehr komplexe Operation. Mein Assistant Peter Skarratt hat sich um die technischen Details gekümmert. Wir haben sechs Avid-Schnitteinheiten betrieben, mit einer Gesamtspeicherleistung von 2,5 Terabyte. [...]

Das Drehbuch wurde täglich überarbeitet und ich glaube letztenendes ist keine Seite des Originals übrig geblieben. [...] Die erste Version des Films, die auch New Line gezeigt wurde war 3 Stunden und 17 Minuten lang. Dadurch, dass ich fast zwei Jahre mit diesem Film verbracht habe, war ich natürlich stolz auf unser Werk. Aber trotzdem hatte ich den Eindruck, dass es zu lang war. Und die wenigen Menschen, die den Film bis dahin gesehen hatten, stimmten mir zu. Peter war eigentlich bis dahin ganz glücklich mit der Länge. Wir hatten nun immerhin die gleicher Länge wie der erfolgreichste Film aller Zeiten: TITANIC. Aber es gibt einen grossen Unterschied: Unser Film ist Teil einer Trilogie. Wir mussten also das Interesse des Zuschauers über drei Stunden halten, aber durften den Zuschauer nicht für den zweiten Teil verlieren.

Also arbeiteten wir weiter -- bis sie uns stoppten. Wir hatten zwischen dem ersten Schnitt und der Auslieferung etwa ein Jahr Zeit, aber das kam uns viel zu wenig vor! Die Story ist so komplex, dass es wirklich eine geistige Herausforderung war, sie ein einen Film mit einer kommerziellen Länge zu bringen.

Nach den anfänglichen Vorführungen hatte ich das Gefühl, dass der Film an zwei Stellen schneller werden müsste. Für mich kommt der Film erst richtig in Fahrt, wenn die schwarzen Reiter auftauchen und die Hobbits jagen. Also mussten die Hobbingen-Szenen schneller werden. Selbstverständlich geht dem eine Menge Aufbau voraus und ich war mir sicher, dass wir dies effizienter lösen mussten, ohne aber die Charakterentwicklung zu stören. Die zweite Stelle war Lothlorien. Ich fand es sehr kompliziert so viele neue Charaktere kurz vor dem Höhepunkt der Geschichte auftauchen zu lassen, wo die Geschichte eigentlich vorangetrieben werden musste. Beide Stellen wurden beträchtlich gekürzt, aber Fans werden diese Szenen auf der SPECIAL EXTENDED DVD zu sehen bekommen.

Wir hatten immer zwei verschiedene Zielgruppen im Blickfeld. Einerseits die Fans (so wie meinen 15jährigen Sohn), die durch ihr umfangreiches Wissen keine Handlungsänderungen und Auslassungen verzeihen, und jene Leute, denen die Geschichte völlig unbekannt ist, die mehr Einführung brauchen und nicht so tolerant sind, wenn es um die Filmlänge geht. Ich denke wir haben einen guten Mittelweg für beide gefunden."

[den Original-Artikel lesen]

Sponsor
Anzeige

Die nächsten Termine

Zu den Terminen