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herr-der-ringe-film.de

Ein Artikel für Pferdefans

; Quelle: Cavallo

Im zweiten Teil der Ringtrilogie kommen die Gefährten nach Rohan, dem Land der Pferdeherren. Dies war Grund genug für die Pferdezeitschrift CAVALLO einen großen Artikel zu den Pferden in Mittelerde zu bringen.

Hinweis: Da leider die Scans nicht alle gestochen scharf sind, findet man den gesamten Text auch noch einmal unten.

Geistes Gegenwart

Harte Arbeit, für den ?Herrn der Ringe?: Der Kino-Schneesturm ist aus Reis, der Zauberer kann nicht reiten, die Wunden sind aufgeklebt.
Quer über den Oberschenkel des Pferdes klafft eine Wunde, Blut strömt übers Fell. Entsetzt starrt Tierarzt Ray Lenaghan auf das Bein ? und merkt plötzlich, dass er auf das perfekte Werk eines Maskenbildners hereingefallen ist.
Lenaghan ist ein guter Beobachter, aber die Maskenbildner sind besser als die Wirklichkeit. Narben, Blut und Wunden sind ihr Geschäft. Neu ist, dass sie außer Menschen auch Pferde mit Spezialmischungen aus Wachs und Kunstblut schminken, Abzeichen mit Wollfarbe übermalen oder Kunsthaar in Mähnen flechten.
Dreh-Alltag in Neuseeland, wo seit dem 11. Oktober 1999 das dreiteilige Fantasy-Epos ?Der Herr der Ringe? verfilmt wird ? ein Mammutprojekt, das sich penibel an die gleichnamige Buchvorlage von J.R.R. Tolkien hält.
Die Geschichte erzählt vom Kampf Gut gegen Böse in einer fabelhaften Welt, die der Brite Tolkien mit Ringgeistern, Hobbits, Elben und Orks besiedelte. Und natürlich mit Pferden, den geheimen Hauptdarstellern im zweiten Teil (?Die zwei Türme), der am 19. Dezember in die deutschen Kinos kommt. Er spielt bei den Rohirrim (?Die Pferdefreunde?), einem pferdeversessenem Steppenkrieger-Volk, das von bösen Horden überrannt wird.
70 Pferde zählen zur Stammbesetzung, 250 weitere wurden kurzfristig samt ihren Besitzern als Komparsen rekrutiert, um Attacken durch die Weiten Neuseelands zu reiten. Sie bilden das wogende Reiterherr im Hintergrund, eine Reihe dunkler Leiber, von denen sich die Schimmel der Heerführer fotogen absetzen. ?Dank Computertechnik machen wir aus 250 Pferden einfach 6 000?, verrät Projektleiter Steve Old.
Das Faszinierende an dem Film sind die Details, die sich Tolkien für die Pferde-Ausrüstung ausdachte und an die sich die Filmcrew penibel hält ? ein Grund, warum die Bücher lange Zeit als unverfilmbar galten.
Selbst die Pferdenamen sind durchdacht: Sprachwissenschaftler Tolkien, der sich großzügig bei nordischen Sagen wie der Edda bediente, verknüpfte beispielsweise alt-germanische und moderne Wortstämme wie das englische Wort Schatten (Shadow) mit dem isländischen Wort für Mähne (Fax) zu Shadwofax. So heißt das Pferd von Zauberer Gandalf ? was im Deutschen zu Schattenfell wird.
Den schuf Tolkien als eigenwilligen Gesellen, was die Filmcrew vor Probleme stellt: Der Hengst duldet weder Zaum noch Sattel; Gandalf hüpft also auf seinen blanken Rücken und galoppiert heroisch in die Schlacht.
Das soll ein Schauspieler erst mal nachmachen ? erst recht, wenn am Set der 16jährige Andalusierhengst Demero wartet. Weil Gandalf-Mime Ian McKellen zwar ein Star, aber kein Reiter ist, rutscht er prompt vom glatten Roß, als es das Gewicht von einem auf das andere Bein verlagert. ?Das fühlte sich an wie ein Erdbeben?, beschreibt McKellen hinterher. ?Ich rutschte ganz sanft und langsam vom Pferd herunter in den weichen Lavaschotter am Ruapehu Vulkan.?
Für den Nicht-Reiter McKellen muss der Hengst daher ferngesteuert werden: Pferdetrainer Don Reynolds dirigiert Demero wie bei einer Freiheitsdressur mit zwei Longierpeitschen genau zu dem Punkt, an dem ihn die Kameraleute haben wollen. Nach sechs Monaten klappt es reibungslos.
Aber was, wenn McKellen auf dem blanken Schattenfell wilde Attacken reiten soll? In solchem Fall greift der erfahrene Filmmensch zum Double, in diesem Fall zum Zweit-Andalusier Blanco, ein Wallach. Die Zeit drängt; Trainer Reynolds hat nur sechs Monate, um mit Blanco zu üben: erst auf dem Reitplatz, wo er zuerst das Zaumzeug weglässt und den Wallach nur auf Schenkel und Gewichtshilfen trainiert, ehe auch der Sattel verschwindet.
Und dann tauch noch ein mittelgroßes Kommunikationsproblem auf: Wie verständigt sich ein amerikanischer Reiter mit einem neuseeländischen Pferd? Die Amerikaner sind fast alle Westernreiter, damit gewöhnt an einhändige, lockere Zügelführung. Die neuseeländischen Filmpferde, in der Mehrzahl Warmblüter, sind aber alle klassisch als Spring- oder Dressurpferde ausgebildet.
?Ich bin gewöhnt, die Zügel mit einer Hand zu halten?, berichtet Viggo Mortensen über seine Reitversuche auf dem Warmblut-Hengst Uraeus. ?Wir sind also an verschiedene Techniken gewöhnt ? das Pferd und ich ? aber wir unterrichten uns gegenseitig.?
Rüstungen und Waffen wurden in monatelanger Arbeit Vorbereitung nach Originalskizzen von Tolkien aus geschäumtem Plastik gefertigt. 48 000 solcher Gebrauchsgegenstände vom Trinkhorn bis zur Trense formte man für den Film von Hand, dazu wurden 900 Rüstungen und 70 maßgefertigte Sättel geliefert.
Die lebende Requisite, die Pferde, stammen teils von umliegenden Farmen. Sie übernachteten entweder mit ihren Besitzern am Set in einem Stallzelt, oder sie werden über Nacht in ihre Ställe zurückgeritten. Reiter-König Theodens Pferd Schneemähne, ein weiterer prominenter Schimmel, trabt nach der Arbeit zurück auf die Stonehurst Farm, wo er nach dem Dreh wieder unter seinem wahren Namen Percy leben wird. Am härtesten sind die Dreharbeiten für menschliche Langschläfer: Ab 5.30 Uhr müssen die Reiter am Set sein, um den Maskenbildnern bis zu zwei Stunden Zeit zu geben, die Pferde zu schminken.
Sie verwandeln brave Trekking-Pferde mit Rüstungen aus leichtem Kunststoff in martialische Kriegsrösser, die ständig vom Tierarzt überwacht werden. Und der muss sich prompt, wie in allen Filmen, bei denen Tiere mitspielen, mit üblen Gerüchten herumärgern, die per Internet in die ganze Welt geblasen werden: Mal werden Pferde angeblich erschossen, um ihre Häute als Requisiten zu verwenden; dann reiten angeblich die Statisten die Pferde zuschanden ? nichts von alledem stimmt. ?In 14 Monaten Drehzeit starben drei Pferde, etwa an Kolik ? das kann in jeden Stall passieren. Ansonsten gibt es Sehnenzerrungen oder Hautabschürfungen.?, erklärt Tierarzt Ray Lenaghan. ?Die Belastungen sind nicht größer als für Rennpferde..?

Dass es in Wahrheit nicht um den Tierschutz, sondern um Selbstdarstellung geht, zeigt sich schnell. Um alle strittigen Fragen auszuräumen, öffnet das Filmteam dem Animal Welfare Institute of New Zealand (AWINZ) Tür und Tor. Prompt krittelt die amerikanische Tierschutzorganisation AHA, die bislang alle amerikanischen Filmproduktionen überwachte, an der Kompetenz der neuseeländischen Kollegen herum ? schließlich stehen sie und nicht die Amerikaner im Abspann.
Dabei wird der Tierschutz am Set so ernst genommen, dass selbst eine Motte ? die laut Drehbuch um eine Lampe flattern muss ? nach ihrem Auftritt freigelassen wird. Natürlich bleiben kleiner Unfälle nicht aus: Einmal stoßen zwei Reiter zusammen, weil sie die Regie-Zeichen falsch verstanden haben. Ein anderes Pferd, Zee, rutscht samt Reiter von einem Anlegesteg ins 40 Zentimeter tiefe Wasser, als es getreu der Regieanweisung in einem spektakulären Sliding Stop (Vollbremsung) über einen Steg schliddern muss.
Passiert ist nichts ? nur der Reiter kann nicht mehr aufstehen, weil kiloweise Wasser in seinem wallenden Kostüm quatscht. Das Pferd steht längst wieder am Ufer, als sein Reiter endlich aus dem Teich gehievt wird.
?Hauptsache sicher?, lautet die Devise für die Pferde. Darum zieht ihnen die Crew Gummisocken über die Hufeisen, wenn sie im Studio über glatte Attrappen steigen; darum schaufeln Hunderte Helfer in einer Ebene die Kaninchenlöcher per Hand zu, damit sich ja kein Pferd im Schlachtgetümmel vertritt. Viele Pferde sind so ruhig, dass sie die Schauspieler verblüffen. So staunt Ian McKellen, als der 11jährige Fuchs Rastus, ein Quarter-Shetlandpony-Mix, mit ihm geduldig in einem Schneesturm aus Polysterol und Reisflocken ausharrt, der ihnen in einem Wellingtoner Studio um die Ohren pfeift.
?Zwischen den Aufnahmen als ich erschöpft nach einen Glas Wasser und Make up rief, bediente sich Rastus gelassen an der Salschicht, die als Glitzereffekt auf der künstlichen Schneeoberfläche klebte?, erzählt McKellen.
In echten Schneewehen stecken weder Rastus noch sein größeres Double Shane, obwohl sich das Pferd im Film durch meterhohe Schneewehen kämpft. Hier muss das sogenannte ?Panto-Pony? ran, das Pantomimenpony: Zwei Darsteller im Pferdekostüm imitieren in der Schneewüste des Bergs Tanaka den mühsamen Marsch des Ponys.
Dahinter steckt nicht nur Tierschutz, sondern auch eine praktische Überlegung: Die Schauspieler können per Hubschrauber auf den Berg geflogen werden ? aber wie würde man ein Pferd dorthin schaffen?

(Tausend Dank an Kaah für die Scans und den Artikel!!!)

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