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DIE ZWEI TÜRME -- Cirdans Filmbesprechung

; Quelle: HdR-Filme.de

Gigantisch -- das ist das Wort, was den zweiten Teil der Ringtrilogie wohl am besten beschreibt. Heute habe ich DER HERR DER RINGE: DIE ZWEI TÜRME im Kino gesehen und dies ist meine Filmbesprechung.

Vor über einem Jahr prophezeite Gimli-Darsteller John Rhys-Davies nach der Europapremiere des ersten Teils in London: ?Ihr habt noch gar nichts gesehen!?. Und Effekt-Guru Richard Taylor, der für DIE GEFÄHRTEN bereits zwei Oscar-Statuen auf dem Kaminsims stehen hat, lachte angesichts der Tatsache, dass der erste Teil bereits als das große Epos angesehen wurde, denn der sei nichts im Vergleich zu Teil zwei. Und beide hatten sie Recht!

?Erinnerst du dich noch an den Alten Wald, an der Grenze zu Bockland? Die Leute haben immer erzählt, dass es dort etwas im Wasser gäbe, das die Bäume hoch wachsen lässt - und lebendig macht.? ? Merry

Dieser Film ist ein Effektfeuerwerk, wie es kaum überboten werden kann, unzählige sichtbare und unsichtbare Effekte verleihen Mittelerde Leben. Als ganz besonderer Höhepunkt ist hier vor allem Gollum zu nennen, der zweifelsohne der beste CGI-Charakter ist, den es je auf der Leinwand zu sehen gab. Er ist nicht perfekt ... aber fast! Und auch die unzähligen anderen Computer-Effekte, ob Wesen, Gebäude oder Naturerscheinungen schließen nahtlos an die Qualität des ersten Teils an. Und dennoch sind die meisten Effekte sehr subtil, denn sie dienen alle nur dem einen Zweck: Die Geschichte zu erzählen.

?Spät ist die Stunde, in der dieser Zauberkünstler auf den Plan tritt. Lathspell nenne ich ihn. Schlechte Nachricht ist ein schlechter Gast.? ? Grima Schlangenzunge

In DIE ZWEI TÜRME geht es vor allem um die Schicksale vieler einzelnen Personen und die inneren Konflikte die jeder durchlebt, sei es nun Faramir, Théoden, Arwen oder Frodo. Und dennoch, oder vielleicht gerade deswegen, ist der zweite Teil völlig anders als DIE GEFÄHRTEN, denn während im ersten Teil nur die wichtigsten Weichen gestellt und die Charaktere eingeführt werden, geht es nun richtig zur Sache. Und die Handlung dieses Teils war nicht nur für die Drehbuchautoren um Peter Jackson eine Herausforderungen, sondern ist es auch für die Zuschauer, denn es gibt immer mindestens drei Handlungsstränge und etwa 20 Hauptcharaktere. Da verliert der unbedarfte Zuschauer schnell den Überblick. Aber damit nicht genug, die Ausdrucksweise der Charaktere ist viel komplizierter geworden und so mancher Zuschauer droht unter der Schwere der shakespearischen Reden von König Théoden und seinen Mannen erdrückt zu werden. Dem Tolkien-Fan hingegen wird das Herz aufblühen angesichts solcher Dialoge.

?Gondor? Wo war Gondor, als die Westfold fiel? Wo war Gondor, als unsere Feinde den Kreis um uns schlossen? Wo war Gondor? Nein, mein Herr Aragorn, wir sind allein.? ? König Théoden

Es ist schwer diese beiden Teile mit irgendetwas zu vergleichen, aber während DIE GEFÄHRTEN an Schönheit und Leichtigkeit eher Mozarts ZAUBERFLÖTE gleichkommt, sieht der Zuschauer im zweiten Teil Wagners WALKÜRE vor sich, mit all ihrer Bedrücktheit und Dichte. Der zweite Teil ist finster und voller Grausamkeit, Grausamkeit, die nicht durch grausame Darstellungen erzeugt wird, sondern durch die Situationen. So schaudert der Zuschauer, wenn in Helms Klamm Teenager, die eigentlich noch Kinder sind, in Rüstungen gesteckt werden, um gemeinsam mit den verängstigten erwachsenen Kriegern gegen die 10.000 Uruk-hai anzutreten. Grausam auch, wenn Arwen sich der Sterblichkeit von Aragorn bewusst wird, während sie sich entscheiden muss, nach Valinor aufzubrechen oder in Mittelerde zu bleiben.

Bei der inhaltlichen Umsetzung geht Regisseur Peter Jackson zunehmend eigene Wege. Zunächst stolpert er etwas hastig durchs erste Drittel des Films und hakt (vielleicht etwas zu rastlos) die Punkte Fangorn, drei Jäger und Emyn Muil ab, aber als Legolas, Aragorn und Gimli nach Rohan kommen, beginnt sich der Film zu entwickeln. Wie von ihm bereits in einigen Interviews angekündigt, gibt es im zweiten Teil der Ringtrilogie weit mehr Abweichungen von der Romanvorlage als im ersten Teil. Und so mancher Fan wird dies nur missbilligend aktzeptieren, wenn nicht gar mit Wut. Von Seiten des Regisseurs gibt es Beschwichtigungsversuche. Den Mitgliedern des offiziellen Fan-Clubs erklärte Jackson, dass er immer dem Grundverlauf der Handlung folge: ?Der Roman bietet uns jede Menge Grundinformationen, die wir fortführen und weiter entwickeln können. Also zeigen wir im Film Dinge, die im Roman nicht vorkommen ? es handelt sich aber in dem Sinne nicht direkt um Änderungen.? Das werden die Fans, bei denen die Änderungs-Toleranzgrenze etwas niedriger liegt als bei Jackson, wahrscheinlich aber anders sehen.

Was macht Peter Jackson da eigentlich mit der Handlung? Im zweiten Teil der HERR DER RINGE Trilogie entführt uns Peter Jackson wieder in ein Mittelerde, das ganz und gar in Tolkiens Sinne erschaffen wurde. Und nach DIE GEFÄHRTEN haben wir uns längst daran gewöhnt, wie brillant es Jackson mit Hilfe der beiden Tolkien-Künstler Alan Lee und John Howe gelungen ist, die Magie dieser phantastischen Welt auf die Leinwand zu bannen. Nach dem ersten Teil erwarten wir gar nichts anderes, als dass die Landschaften von Rohan, die Stadt Edoras, der dichte Fangorn-Wald oder die Festung von Helms Klamm perfekt sein werden. Wir haben also Zeit uns auf die Details zu konzentrieren.

?Wir müssen nur jene beseitigen, die gegen uns sind. Damit beginnen wir in Rohan. Die Bauern dort haben sich Euch lange widersetzt. Das hat nun ein Ende.? ? Saruman

Dort wo J.R.R. Tolkien den Leser annäherungsweise mit Scheuklappen durch Mittelerde führt, streng auf dem Pfad der Charaktere, verlässt Peter Jackson mit der Filmkamera diesen Pfad und zeigt dem Publikum mehr von Tolkiens Mittelerde. Peter Jackson nimmt den Zuschauer an die Hand und zeigt ihm das Schicksal von Morwen und ihren Kindern Freda und Éothain, Bewohnern eines Dorfes in Rohan, das von Uruk-hai überfallen wird. Peter Jackson führt auch den Ent Baumbart um einiges brisanter und brutaler in die Handlung ein und lässt ihn gleich noch den Mordor-Ork Grischnákh zerstampfen.

Auch Aragorns große Liebe Arwen (Liv Tyler) ist im zweiten Teil wieder mit von der Partie. Dem Zuschauer wird am Beispiel von Arwen die traurige Geschichte der Elben dargelegt, die aufbrechen um Mittelerde für immer zu verlassen. Zu guter letzt stellt Jackson auch noch Boromirs Bruder Faramir (David Wenham) um einiges bedrohlicher da, als Tolkien dies tut. Jackson führt uns zusammen mit Faramir in die Ruinen von Osgiliath, der ehemaligen Hauptstadt des Königreiches Gondor, und er verleiht den bei Tolkien vernachlässigten Charakteren wie etwa dem Torwächter Hama eine Seele.

?Wo sind Reiter und Ross? ... Und das Horn, das weithin hallende?? ? König Théoden

Peter Jacksons HERR DER RINGE ist eben doch nicht Tolkiens HERR DER RINGE, aber darauf besteht der Regisseur auch keinesfalls. Jackson trennt sich meisterhaft von der Vorlage und begeht andere Pfade und ist dennoch im gleichen Moment wieder ganz nah an Tolkiens Idee von Mittelerde, wenn König Théoden Eorls Gedicht zitiert oder Sam und Gollum sich über die richtige Zubereitung von Kaninchen streiten. Aber vor allem entspricht Jacksons Interpretation der Vorlage, in dem er es schafft die Traurigkeit und Vergänglichkeit von Mittelerde deutlich zu machen. Mittelerde ist keine lustige, bunte Fantasy-Welt, sondern eine Schöpfung, die in Ruinen liegt und in der fast alle Hoffnung verloren ist. Tolkien war eigentlich Pessimist, der mit Traurigkeit der Zerstörung seiner Welt zuschaute, und dies hat Jackson deutlich gemacht. Von Anfang an scheint die Mission von Frodo zum Scheitern verurteilt und der zweite Teil endet wie er begonnen hat: Düster und Melancholisch.

Für den durchschnittlichen Zuschauer wird dieser Film eine Herausforderung, bei der einige auf der Strecke bleiben werden. Das ist wirklich harte Kost, die Jackson uns da serviert und höchst anspruchsvoll! Aber wer sich auf diese finstere Reise einlässt und die Handlungsänderungen von Jackson akzeptiert, wird Kino erleben, dass es in dieser Form noch nie zuvor gegeben hat.

Einziger wirklicher Nachteil ist, dass es wieder ein langes unerträgliches Jahr dauert, bis auch der letzte Teil endlich ins Kino kommt. Die ersten beiden Teile der HERR DER RINGE Trilogie haben schon jetzt Kinogeschichte geschrieben und auch der dritte Teil DIE RÜCKKEHR DES KÖNIGS wird nach seinem Start im Dezember 2003 nicht von dieser Linie abweichen. Wir sehen uns in der Zwischenzeit bei der Oscar-Verleihung!

Eine Filmbesprechung von Stefan "Círdan" Servos

(Copyright Stefan Servos)

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