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Cirdans Filmbesprechung: DIE RUECKKEHR DES KOENIGS

; Quelle: www.herr-der-ringe-film.de

"Das große Filmwerk unserer Zeit", titelte heute eine neuseeländische Tageszeitung, und die neuseeländische Presseagentur NZPA verkündete: "Die Trilogie endet in einem spektakulären Triumph." Ist dieser Hype wirklich berechtigt? Was ist dran an dem Gerücht, dass es sich beim letzten Teil der Trilogie um den besten handelt?

New Line Cinema hatte mich am 30. November 2003 im Wellingtoner Kino "The Embassy" zu einer exklusiven Pressevorführung eingeladen und hier ist meine Filmbesprechung.

Eins vorweg: Ja, der dritte Teil ist actionreicher, epischer, emotionaler und auch länger als seine beiden Vorgänger. Aber er hat auch einige negative Seiten.

Achtung: Im folgenden Text sind viele SPOILER enthalten! Wer nicht wissenmöchte, was im dritten Film passiert, sollte hier nicht weiter lesen.

Zur Handlung

Wir folgen im Groben und Ganzen wieder drei Handlungssträngen, die brillant ineinander gewoben wurden. Wir folgen den Hobbits Frodo und Sam bis zum Schicksalsberg, wir begleiten Gandalf und Pippin nach Minas Tirith und wir begeben uns mit Aragorn, Gimli und Legolas auf die Pfade der Toten.

Die Handlung ist so komplex und so umfangreich, dass ich sie hier nur bruchstückhaft zusammenfassen kann.

Der Film beginnt mit einem schönen Rückblick auf die Geschichte von Smeagol und Deagol. Endlich mal ohne digitale Maske zeigt Schauspieler Andy Serkis (Gollum), was er kann und treibt sich dabei fast an den Rande des "Over-Actings". Aber trotzdem macht diese Szene Spaß, da man als Zuschauer mehr über die Geschichte des Ringes erfährt. Aber noch wichtiger: Man erfährt, was Frodo (Elijah Wood) widerfahren könnte, wenn er dem Ring verfällt.

Und gleich springt die Handlung zu Frodo, Sam und Gollum am Rande von Mordor. Die Drehbuchautoren Fran Walsh, Philippa Boyens und Peter Jackson haben die Beziehung zwischen den drei Figuren meisterlich herausgearbeitet und es wird wunderbar gezeigt, wie sich Frodo durch Gollum immer mehr von Sam entfremdet und ihn im Unterschied zum Roman sogar zurücklassen möchte,
um alleine mit Gollum weiter zu ziehen.

Dann folgen wir Gandalf (Ian McKellen), Aragorn (Viggo Mortensen) und den anderen Überlebenden von Helms Klamm nach Isengart, wo die Reiter auf die Hobbits Merry (Dominic Monaghan) und Pippin (Billz Boyd) und den Baumhirten Baumbart treffen. Kurzer Inhalt dieser stark gekürzten Szene:
Saruman ist erledigt, also brauchen wir uns um ihn nicht noch zu kümmern. Oh, was schwimmt denn da für eine Kugel? -- Schnitt -- Rauschendes Fest in Edoras. Merry und Pippin geben ein Trinklied zum Besten, während die Rohirrim ihren Triumph feiern.

Doch Pippin ist wie besessen von der Kugel, dem Palantir von Saruman, und schleicht sich nachts zu Gandalfs Quartier, um einen Blick in die Kugel zu werfen. Was er in der Kugel sieht, wirkt sich entscheidend auf die Handlung aus. Denn er sieht Sauron, und der finstere Herrscher sieht ihn und glaubt, Pippin sei der Ringträger. Sofort bricht Gandalf mit Pippin nach Minas Tirith auf und ein herzzerreißender Abschied von Merry wird so manches Schluchzen im Kino erzeugen. Ab nun soll es mit dem Schluchzen und
den Tränen auch kein Ende mehr geben.

Voller Trauer zieht Arwen (Liv Tyler) mit einer Gruppe Elben zu den Grauen Anfurten, als sie während des Reitens eine Vision hat. Sie sieht den gealterten Aragorn und ... ihren Sohn Eldarion. "Hier gibt es nichts für Dich, nur den Tod!" hatte ihr Vater prophezeit, doch die Unsterblichkeit der Menschen besteht nicht in einem langen Leben, sondern in ihren Kindern und Kindeskindern.
Arwen begreift! Während dieser Szene wird sich eine gemeinschaftliche Gänsehaut im Kino breit machen. Arwen reißt die Zügel herum und reitet zurück nach Bruchtal! Sie befiehlt ihrem Vater, das alte Schwert von Isildur wieder neu schmieden zu lassen und es Aragorn zu bringen.

Ein neuer Handlungsstrang beginnt, der sich später mit dem
Gandalf/Pippin-Strang vereint. Faramir verliert die Kontrolle über
Osgiliath und reitet zu seinem Vater Denethor II. nach Minas Tirith. Dort trifft er auf Gandalf und Pippin. Mit Tränen in den Augen gesteht Denethor seinem Sohn, dass er sich wünschen würde, Faramir sei an der Stelle von Boromir gestorben. Eine weitere herausragende Szene, genial gespielt von Denethor-Darsteller John Noble. Um sich nun wirklich vor seinem Vater beweisen zu können, reitet Faramir mit seinen Mannen zurück nach Osgiliath, um die Stadt zurück zu erobern.
Aber dieser Angriff wird alle das Leben kosten, bis auf Faramir, der
schwer verletzt wird. Für mich eine der absolut genialsten Szenen des Films: In Denethors Halle singt Pippin ein melancholisches Klagelied (aus dem Roman), während der Truchsess Denethor sein Essen in sich hinein stopft und sein Sohn in den vermeintlichen Tod reitet. Durch das Unheil in seiner Familie, den Tod von Boromir und den bevorstehenden Angriff durch Sauron ist Denethor völlig dem Wahnsinn verfallen und sieht auch keinen Sinn darin, Rohan um Hilfe zu rufen. Also zündet Pippin auf Gandalfs Befehl hin das Leuchtfeuer von Minas Tirith und in einer absolut epischen Szene sieht man, wie ein Leuchtfeuer nach dem anderen auf dem weißen Gebirge angezündet wird. Bis Aragorn, der vor Meduseld steht, die Leuchtfeuer sieht und König Theoden antreibt, Hilfe
nach Gondor zu senden.

Eine gewaltige Armee Rohirrim reitet zunächst ins Tal von Dunharg, als sich ein finsterer Reiter nähert. Er passiert die Reihen der Krieger und reitet bis zum Zelt des Königs. Unter seiner dunklen Kapuze kann man sein Gesicht nicht erkennen. Im Zelt des Königs von Rohan trifft er auf Aragorn und enthüllt sein Gesicht. Es ist Elrond persönlich, der Vater von Arwen und er bringt Anduril das neugeschmiedete Schwert des Königs. Er empfiehlt Aragorn, die Pfade der Toten zu nehmen um die Eidbrecher als Geisterarmee
gegen die Mordor-Armeen zu führen. Sofort bricht Aragorn zum Entsetzen von Eowyn auf, nur begleitet von Gimli und Legolas.

Währenddessen beginnt der große Angriff auf die Stadt. Über 200.000 Orks, Trolle und Warge attackieren Minas Tirith. Und der Anführer der schrecklichen Armee ist der Hexenkönig von Angmar, der Herr der Nazgul. Doch der Truchsess der Stadt hat kein Interesse am Krieg, er ist damit beschäftigt, sich und seinen verletzten Sohn auf einem Scheiterhaufen zu verbrennen. Im letzten Moment holt Pippin noch Gandalf zur Hilfe, der Schlimmeres verhindern kann. Und hier folgt nun in meinen Augen der größte
Frevel Peter Jacksons. Denn er hat den Tod Denethors überdramatisiert.

ACHTUNG EXTREM SPOILER!!

Als Faramir im letzten Moment vom Scheiterhaufen gerettet wird, nimmt Denethor eine Fackel und läuft auf Faramir zu, um ihn doch noch anzuzünden, aber Gandalf stößt den Truchsess auf den Scheiterhaufen. Sofort beginnt Denethor, der sich mit Öl übergossen hat, zu brennen. Damit aber nicht genug. Er erhebt sich wieder aus den Flammen, läuft lichterloh brennend durch die Halle, über Ecthelions Hof, vorbei an Turm und Baum und stürzt sich dann von der höchsten Klippe Minas Tiriths in die Tiefe. Musste das wirklich sein, Peter??

Nun gut, es geht spannend weiter. Auf dem Spinnenpass ist Frodo mittlerweile völlig alleine. Er hat Sam tränenreich verstoßen und Gollum hat sich davon gemacht. Ganz allein trifft er auf die gewaltige Spinne Kankra, die ihn nach längerer Jagd fängt und ihm ihr Gift in den Körper pumpt. Im letzten Moment taucht Sam auf, vertreibt die Spinne. Aber Frodo scheint tot! Diesmal aber wirklich! Oder nicht? Sam lässt den Leichnam von Frodo zurück, als Orks auftauchen und muss mit Entsetzen feststellen, dass Frodo doch noch lebt. Todesmutig folgt er den Orks in den Wachtturm von Cirith
Ungol und mutig wie ein Krieger metzelt er einen Ork nach dem anderen ab. In der obersten Kammer findet er den gefesselten und halbnackten Frodo und rettet ihn aus dem Turm.

König Theoden, Eowyn und Merry haben mittlerweile auch das Pelennor erreicht und die Armee der Rohirrim fegt durch die Orks, als handele es sich um Grashalme. Bis sich ein dunkler Schatten auf Theoden hinabsenkt und der Fürst der Nazgul den König von Rohan erledigen möchte. Nur einer steht alleine da, über alle Furcht erhaben: Dernhelm. Eine wunderbare Szene, die originalgetreu (nur leicht gekürzt) aus dem Roman entnommen wurde.

Aber die Armee des Bösen erlangt neue Kraft, als Grond die Riesenramme das Tor zerstört und Minas Tirith scheint verloren, als schwarze Segel am Horizont auftauchen. Mittlerweile sind Aragorn, Legolas und Gimli der Totenarmee begegnet und erreichen mit den schwarzen Schiffen der Korsaren von Umbar und einer gewaltigen Glibber-Geist-Armee das Pelennor. Wie ein reinigender Wasserstrom vernichten die Geister alle Orks und andere Kreaturen.

Nun steht eine letzte entscheidende Schlacht bevor: Mit allen verbleibenden Gondorianern und Rohirrim zieht Aragorn zum schwarzen Tor, um die großen Ebenen von Mordor zu leeren und alle verfügbaren Streitmächte zum Tor zu locken. Dies alles hat nur einen Zweck: nicht den Sieg, sondern um Frodo eine Chance einzuräumen.

Die Endschlacht folgt und mühsam erreichen Frodo und Sam den
Schicksalsberg. Alles ist bereit für ein grandioses Finale. Vielleicht
eines der größten Final-Szenen, die ein Film jemals gehabt hat. Einfach unbeschreiblich!

Dann ist es geschafft! Mittelerde ist gerettet und es folgen noch viele Minuten wunderschöner Endszenen. Die Krönung und Hochzeit von Aragorn, die Heimkehr der Hobbits und schließlich der Abschied an den Grauen Anfurten. Wer jetzt immer noch keine Träne im Auge hat, darf sich offiziell als emotionslos betrachten. Eine wunderschöne Trilogie endet in einem bittersüßen Abschied, der nicht nur den Hobbits schwer fallen wird, sondern jedem Kinozuschauer.

Als ob man sich das allerletzte Mal von sehr alten Freunden verabschiedet.

Buchnähe

Der dritte Teil ist unglaublich nahe am Roman und fast alle Dialoge wurden 1 zu 1 übernommen. Es gibt sehr viele Lieder und Tolkiens Geist schwebt über der gesamten Handlung. Ob dies immer positiv ist, bleibt fraglich. Denn genau wie im Roman werden auch einige Charaktere unnahbar, und beispielsweise der sympathische Strleicher aus dem ersten Teil ist im dritten Teil keine Identifikationsfigur mehr, sondern eine abstrakte Königsgestalt. Dafür wird man aber mit wunderbar intimen Momenten zwischen Theoden und Eowyn, Merry und Pippin oder Frodo und Sam entlohnt.
Es gibt nicht mehr die groben Handlungsänderungen wie im zweiten Teil, aber dafür stand Jackson diesmal unter enormen Zeitdruck und musste viele Szenen stark kürzen oder gar ganz streichen.

Die fehlenden Szenen

Der dritte Film ist in der Kinofassung ebenso "hastig" wie der zweite es auch war. Wir sehen kaum ruhige Momente oder Reiseszenen. Alle Orte scheinen unglaublich nah beieinander zu liegen. Osgiliath liegt 50 m vor Minas Tirith und bis zum schwarzen Tor sind es auch nur 20 Minuten. Viele Stationen werden zu schnell abgehakt und schon während des Schauens ist man auf die Extended Edition dieses Films gespannt.

Rausgeschnitten wurden unter anderem wichtige Szenen wie Sarumans Stimme, der Stein von Erech und der Sieg über die Piraten von Umbar, die Häuser der Heilung, die Beziehung von Eowyn und Faramir, Saurons Mund, Frodos und Sams Begegnung mit dem Orktrupp und meine Lieblingsszene aus dem Roman:
Gandalfs Begegnung mit dem Hexenkönig!!! Einfach weg und nicht weiter erwähnt.

Die Darsteller

Die Darsteller sind wieder einmal alle perfekt. Alle? Nein, nicht alle.
Meiner Meinung nach gibt es Schwachstellen bei Andy Serkis Darstellung von Smeagol. Und die zweite Schwachstelle ist sehr bedauernswert, denn es handelt sich um Sean Astin als Sam. Seine Trauer um Frodo schien mir persönlich manchmal etwas zu sehr gespielt und hat nicht immer überzeugt.

Brilliert haben diesmal vor allem Billy Boyd (Pippin) und Dominic Monaghan (Merry). Und Höhepunkt war für mich die Darstellung von Denethor durch John Noble! Ebenfalls sehr bewegend spielt Miranda Otto als Eowyn, die in diesem Teil erfahren wird, dass Aragorn sie nicht liebt und zusammen mit Merry in den Krieg reitet.

Die Effekte

Auch hier gilt: Daumen hoch! Alles ist noch besser als in den letzten
beiden Teilen. Das Massen-System MASSIVE wurde perfektioniert und erschafft Armeen, die sehr realistisch erscheinen und auch Gollum sieht noch besser aus, als im zweiten Teil! Hier gibts garantiert nen Oscar!!

Das Fazit

Der dritte Teil DIE RÜCKKEHR DES KÖNIGS ist sehr, sehr gut. Alle Szenen in diesem Film stimmen einfach. Es gibt mehr Gänsehaut-Szenen als in den anderen beiden Teilen, mehr traurige Szenen (die letzten zwei Stunden des Films werden viele Taschentücher benötigt!) und es gibt jede Menge Action!
Doch der Film hat einen gewaltigen Nachteil: Peter Jackson war einfach etwas zu ungeduldig, treibt den Film zu schnell voran und hat ihn zu kurz gemacht. Der dritte Teil ist sehr gut, aber erst die EXTENDED EDITION wird ihn perfekt machen!

Trotzdem gilt: EIN WÜRDIGER, GRANDIOSER ABSCHLUSS DER TRILOGIE!!!

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