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REZENSION: Von Neuseeland nach Mittelerde

; Quelle: herr-der-ringe-film.de

Die Welt des Peter Jackson -- Sechs Journalisten haben sich der Filme von Regisseur Peter Jackson angenommen und sie ausführlich analysiert. Die Betrachtungen der teilweisen trashigen Werke reichen von fachkundig über informativ bis hin zu unfreiwillig komisch.

Der Schüren Verlag, bekannt für seine analytischen Filmbücher, bietet mit dieser Publikation grundsätzlich sehr fundierte und ausführliche Rezensionen zu den Filmen des Neuseeländers Peter Jackson. Aber der Inhalt geht weit darüber hinaus. Unter anderem werden auch Jacksons Schaffen als Filmproduzent und die Auswirkungen der HERR DER RINGE Trilogie auf die Fans ausführlich beleuchtet.

Die Autoren dieses Buches kommen vor allem aus der intellektuellen Film-Wissenschaftler-Ecke und das merkt man diesem Buch auch oft zu deutlich an. Es scheint fast ein deutsches Rezensions-Phänomen zu sein, jeden Film mit Klassikern von Fritz Lang oder Pasolini vergleichen zu müssen. Unfreiwillige Komik kommt dabei ob der Thematik auf, wenn Theater-Dramaturg und Regisseur Harald Harzheim die frühen Trash-Splatterfilme von Jackson ausführlich und etwas zu engagiert analysiert. ("...Die Neugeburt als Erwachsener bedeutet für ihn Identifikation mit der zuvor getöteten Elterninstanz...")

Interessant für HERR DER RINGE Filmfans sind Harzheimers Vergleiche zwischen Jacksons, Rankin/Bass? und Bakshis HERR DER RINGE im Kapitel "Zombies, Drogen und Psychosen". Allerdings betrachtet der Autor ausschließlich die Filme und führt damit eine Negierung des Romans herbei. So wurde Arwen bei Bakshis Zeichentrickversion "völlig gestrichen" anstatt bei Jackson hinzugefügt. Und Grima Schlangenzunges lüsternes Verlangen gegenüber Éowyn wird zu einer Erfindung von Peter Jackson.

Auch Horst Peter Koll, Redakteur des Filmmagazins film-dienst, analysiert die Filmtrilogie als eigenes selbständiges Werk. Die Allegorie, die es im Roman nicht gibt, sucht Koll in der Verfilmung. Seine Vergleiche zu Filmklassikern wie Langs DIE NIBELUNGEN oder DAS CABINET DES DR. CALIGARI hinken zumeist, wirken teilweise unbeholfen und werden vor allem den Jugendlichen Lesern nicht viel sagen. Aber die sind unzweifelhaft auch nicht die Zielgruppe dieses Buches.

Filmjournalistin Sabine Horst outet sich selber als Fantasy-Fan, was ihrem Artikel über das Fan-Phänomen nur zuträglich sein kann. Sie nimmt alle Aspekte dieses Phänomens kompetent und ausführlich unter die Lupe und lässt dabei keinen Aspekt aus. Neben der Erläuterung der Entstehungsgeschichte des Fan-Kultes, schildert sie auch ihre eigenen Erfahrungen mit dem Roman und kritisiert Tolkiens entrückte ideologischen Tendenzen. Erst durch die Verfilmung habe sie sich mit dem Werk versöhnt.
Als besonders positiv empfindet sie den neuen Umgang der Fans mit dem Stoff, die scheinbar ganz ungezwungen an Tolkiens Universum herangehen und es nach ihren Wünschen ummodeln. In diesem Zusammenhang geht sie nicht nur auf die übliche Fan-Fiction, sondern sogar auf das Sub-Genre des Slash ein, einer von meist heterosexuellen Frauen geschilderten homoerotischen Beziehungen der männlichen Helden.
Sabine Horsts Artikel ist so gut, dass ihr verziehen sei, dass sie bei der Aufzählung der LOTR relevanten Internetseiten unsere Seite www.herr-der-ringe-film.de nicht erwähnt.

Als kleines Highlight für Peter Jacksons Fans gibt es ein Interview mit dem Meister persönlich, in dem er seine ersten Erfahrungen mit dem Roman, die Probleme, die bei den Dreharbeiten aufkamen und sein Verhältnis zu Hollywood schildert.

In weiteren Artikel rezensieren und analysieren Ursula Vossen und Rudolf Worschech fachkundig auch die anderen Werke Jacksons und eröffnen dem unbedarften Leser damit vielleicht ganz neue Perspektiven.

Dies ist ein Buch für Filmkunst-Liebhaber, die filmhistorisch bewandert sind. Die teilweise etwas überzogenen Analysen sind vielmehr für Hobby-Philologen und Interlektuelle, als für den jugendlichen Mittelerde-Fan geeignet, der sich unangenehm an seine Deutsch-Klausuren erinnert werden fühlt. Dies sei aber hier nicht als negative Bewertung, sondern eher als eine Abgrenzung der kleinen Zielgruppe aufgeführt, die dieses Werk zweifelsohne hat.

Von Neuseeland nach Mittelerde, Die Welt des Peter Jackson
von Ursula Vossen (Hrsg.)
160 S., über 300 Abb.
¬ 14,90/SFr 27,20
ISBN 3-89472-349-1

-- Offizielle Website (Schüren Verlag)

-- Leseprobe im pdf-Format: Bad Taste

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