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50 Jahre HERR DER RINGE

; Quelle: herr-der-ringe-film.de

Heute vor 50 Jahren -- am 29. Juli 1954 -- erschien in Großbritannien der erste Teil von J.R.R. Tolkiens Epos DER HERR DER RINGE in einer Auflage von gerade mal 3000 Stück. Bis heute sind die Leser von diesem Werk fasziniert und es hat nichts von seiner Kraft verloren.

Der Jahrestag der Erstveröffentlichung, viele Millionen Bücher später, ist ein Tag zum Feiern für viele. Und auch die Crew von www.herr-der-ringe-film.de gratuliert DEM HERRN DER RINGE!

Was macht die Faszination des HERRN DER RINGE aus? Der Schweizer Tolkien-Experten Dr. Thomas Honegger, der seit 2001 die Professur für Mediävistik (Mittelalterkunde) am Institut für Anglistik der Friedrich-Schiller-Universität Jena inne hat versucht das Phänomen zu erläutern.

Worin liegt -- noch nach 50 Jahren -- die Faszination dieser Geschichte?

Ich glaube, Tolkien hat es fertig gebracht, ein Epos zu schreiben, das auch in der Moderne jenseits von allen Strömungen und Modeerscheinungen überlebt hat, weil es auf archetypische Muster zurückgreift. Da ist zum Beispiel Aragorn, der König, der zurückkehrt, diese Erlösergestalt, oder der alte weise Mann, Gandalf. Das sind Typen, die durch Tolkien Prägnanz erhalten haben, und die dann in die Fantasy-Literatur eingegangen sind, mit der wir aufwachsen, und mehr oder weniger überall wieder auftauchen. Wir leben in einer Welt, in der sehr vieles Grau in Grau ist, und Tolkien zeigt auf, was das Böse ist und was es bedeutet. Man kann ihm vorwerfen, er macht das etwas plakativ, aber man ist vielleicht auch froh zu sehen, was das Böse ist. Und Tolkien hat genügend Figuren dazwischen, die sich entscheiden und den Weg in die eine oder andere Richtung einschlagen müssen. Boromir zum Beispiel ist ein guter Mensch, aber er denkt, der Zweck heilige die Mittel, und das ist gefährlich. Saruman beginnt als guter Zauberer, wird dann aber verführt, weil er strategisch und nicht moralisch denkt.

DER HERR DER RINGE gehört zu den meistgelesenen Büchern überhaupt. Was sind Ihre Erfahrungen -- wer liest das Buch?

In der Deutschen Tolkien Gesellschaft gab es mal eine Diskussion, ob es möglich sei, eine Sozialanalyse der Tolkien-Leser zu machen. Aber man kann nicht einfach die Leute in eine Ecke stellen. Das wird immer probiert von den Literaturkritikern, die mit dem Phänomen nicht umgehen können. Tolkien spricht eine so allgemeine, archetypische Sprache, es geht bei ihm um Grundwerte, und die verpackt er so, dass sie eigentlich alle Leute ansprechen können. Er war bekennender Katholik, aber das Buch kommt ganz ohne Religion aus, und dennoch werden die Grundwerte vermittelt. Ich denke, gerade für den modernen Menschen, der oft den Bezug zur Religion verloren hat, ist eine solche Wertevermittlung sehr wichtig.

Ist DER HERR DER RINGE ein Buch, das man einfach nur lesen kann?

Ich glaube, man kann es einfach nur lesen und eine tolle Geschichte darin sehen, das machen die meisten Leute ja auch. Die erste Generation von Lesern musste das sogar, denn sie hatten nur das Buch. Aber es gibt sehr viel zu entdecken, es steckt mehr dahinter. Sehr viele Leser hatten den Wunsch, mehr zu erfahren und haben Tolkien geschrieben. Genau die Fragen, die später in dem SILMARILLION beantwortet werden, hatten die Leser auch schon. Wenn man das Buch intelligent liest und sich auf die Geschichte einlässt, dann hat es Nachwirkungen.

DER HERR DER RINGE gilt als Grundstein der Fantasy-Literatur. Wo stünde das Genre heute ohne Tolkien?

Ich glaube, Fantasy wäre wahrscheinlich eine Spielvariante der Kinderliteratur geblieben. Fantasy gab es ja schon vor Tolkien, aber er hat das Genre sehr stark beeinflusst. Es gibt eigentlich ein Vor-Tolkien und ein Nach-Tolkien, und wenn man nach Tolkien schreibt, dann kommt man nicht an ihm vorbei. Man sieht das auch daran, dass die Geschichte in drei Bänden veröffentlicht wurde ? Das hatte Vorbildwirkung, und jetzt haben wir sehr viele Fantasy-Trilogien. DER HERR DER RINGE kam wirklich wie ein Blitz aus heiterem Himmel und hatte großen Publikumserfolg. Es gab vorher nichts Vergleichbares. Und es ist nicht wegzudiskutieren: Die meisten Literaturkritiker waren nicht besonders begeistert und haben gesagt, das ist jetzt so eine Mode, und das geht wieder vorbei. Aber man sieht, 50 Jahre danach, es geht nicht vorbei.

Obwohl das Buch von der Kritik als trivial verrissen wurde, beschäftigen sich viele unter wissenschaftlichen Gesichtspunkten mit Tolkien. Was erforschen Sie in Tolkiens Werk?

Ich bin Mediävist, mein Ansatz ist das Quellenstudium. Ich arbeite mit den Texten, die Tolkien kannte, und schaue, inwiefern er von der altenglischen Sprache, Literatur und Kultur beeinflusst wurde, inwiefern sich diese Ideen in seinem Werk wieder finden. Tolkiens Motivation war ja ursprünglich, einen Komplex von Sagen, Erzählungen und Legenden für England zu schaffen. Das keltische England hat so etwas in der Artus-Sage, die Griechen haben es in den antiken Mythen, aber das angelsächsische England hat das nicht. DER HERR DER RINGE ist eigentlich ein Nebenprodukt der Beschäftigung mit den erfundenen Sprachen, mit den erfundenen Sagenkomplexen. Diese Komplexität, dass Tolkien als einzelner Mann einen ganzen Kosmos erschaffen hat, das ist eine faszinierende Leistung. Es gibt viele andere Gesichtspunkte, wie man Tolkien verstehen kann. Literaturwissenschaftler beispielsweise untersuchen seinen Stil. Und dann gibt es auch eine feministische Kritik, die schaut, wie Tolkiens Frauenfiguren dargestellt sind, und eine sehr starke christliche Interpretation. Tolkien wurde besonders in den USA wieder entdeckt als christlicher Autor.

Welchen Anteil am aktuellen Boom hat die Filmtrilogie? Ist zu befürchten, dass das Buch in den Hintergrund tritt?

Viele Leute, die die Filme, die ich übrigens sehr gut gelungen finde, gesehen haben, aber das Buch noch nicht kannten, haben es gelesen. Ich habe teilweise die Befürchtung, dass der Film die Vorstellungen der Menschen, die zuerst den Film sehen und dann das Buch lesen, dominiert. Wenn man über Aragorn liest, dann hat man jetzt Viggo Mortensen vor Augen. Das sieht man auch auf Fan-Treffen. Früher gab es dort eine breite Palette von Kostümen, jetzt ist alles homogenisiert. Die eigene Kreativität ist beinahe auf Null gesunken. Was an den Filmen gut ist, ist, dass Alan Lee und John Howe mitgewirkt haben, die zwei der besten Tolkien-Illustratoren sind. Sie haben den Film stark geprägt. Deshalb bin ich auch nicht unglücklich über die Bilder, die in den Filmen kreiert wurden.

Wird ein Buch wie DER HERR DER RINGE die Jahrhunderte überleben können oder ist in 50 Jahren vielleicht schon alles vorbei?

Ich glaube nicht, dass es so schnell vorbei sein wird. DER HERR DER RINGE ist in vieler Hinsicht ein anachronistisches Buch. Auch wenn es im und als Reaktion auf die Ereignisse in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts entstanden ist, passt es nicht in den Literaturkanon des 20. Jahrhunderts, und deshalb wird es im 21. oder 22. Jahrhundert auch nicht mehr fehl am Platz sein als heute. Es spricht die Menschen auf einer anderen Ebene an als die Literatur, die jetzt relevant ist. Ein Vorwurf an das Buch war, es würde sich nicht mit den aktuellen Themen und Nöten der Menschen auseinandersetzen. Aber wenn man zurückschaut und die Literatur der 1950er Jahre liest, die damals realistisch war, dann müssen wir sagen: Was soll ich jetzt damit? Es spricht uns nicht an, weil es sehr stark zeitgenössisch ist. Aber ein Buch wie DER HERR DER RINGE, das, wie ich behaupten würde, archetypisch ist, überdauert gerade, weil es nicht zeitgenössisch ist.

Kann es so ein Buch, so ein Phänomen, noch mal geben?

Sagen wir so: Dass es so einen Fankult gibt, das ist vergleichbar mit anderen populären Themen wie STAR TREK, vor allem jetzt, da es die Filme gibt. Was die Geschichte angeht: Ich sehe momentan nichts Vergleichbares; in der modernen Fantasy-Literatur habe ich bisher nichts gefunden, von dem ich sagen könne, das hat vergleichbaren Status.

Kann man von DER HERR DER RINGE eigentlich zuviel bekommen?

Es gibt noch so viel zu erforschen, das wird einige Zeit dauern, bis wir mal sagen können: Jetzt haben wir genug. Tolkien hat an seinem Werk ein Leben lang gearbeitet und hat auch viel geschrieben, das nur teilweise publiziert wurde. Gerade, wenn man sich mit all den Aspekten von Tolkien beschäftigt, dann führt das in so viele Gebiete, dass ich sagen würde, da wird es einem nicht so leicht langweilig.

Das Interview führte Starbrow aka Nicole.

Auf die nächsten 50 Jahre!!

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