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Rezension: Meister der Ringe

; Quelle: herr-der-ringe-film.de

J.R.R.TOLKIEN: MEISTER DER RINGE heißt eine Dokumentation, die nun auch in Deutschland als recht aufwendige DVD Sonderedition erschienen ist. Der mit dem British Broadcasting Award ausgezeichnete Regisseur Chris Gormlie versucht sehr ambitioniert abseits der übermächtigen Filmtrilogie dem Zuschauer einen Einblick in die Welt des J.R.R. Tolkien zu gewähren und sich gleichzeitig vor dem größten Fantasy-Autor aller Zeiten zu verneigen.

Innerhalb von 80 Minuten deckt Gormlie alle Bereiche bezüglich des Werkes und des Autors so gut wie möglich ab. Da wird mit einer beeindruckenden 3-D-Animation auf die Topografie von Mittelerde eingegangen, Tolkiens Biografie abgehakt, der literarische Kontext hergestellt und die Einflüsse erläutert. Dass er sich aber auch über 20 Minuten der Nacherzählung des HERRN DER RINGE widmet, ist reine Zeitschinderei, denn für Unkundige bleibt die Geschichte weiterhin verworren und Fans kennen den Verlauf der Handlung bereits. Davon abgesehen wirkt die Produktion relativ aufwendig. Nachgespielte und visuell verfremdeten Szenen aus dem HERRN DER RINGE, Naturaufnahmen, Soundeffekten und Computeranimationen werden ergänzt durch interessante Kommentare vom Historiker Aryk Nusbacher, Tolkien-Verleger Rayner Unwin, Ian Collier (von der Tolkien Society), Fantasy-Künstler Roger Dean und diversen Musikern. Besonders beeindruckend sind die seltenen Tonaufnahmen und BBC-Fernsehinterviews mit J.R.R. Tolkien selbst, seiner Tochter Priscilla und seinem Sohn John. Dennoch bleibt unklar, wer genau die Zielgruppe dieser Doku sein soll, denn für alteingesessene Tolkien-Fans gibt es kaum neue Informationen und für werdende Fans ist die Doku oft didaktisch zu verworren.

Die Sonderedition enthält neben der DVD eine Musik-CD mit den Synthesizer-Klängen der Keyboarder-Legende Rick Wakeman und ein Booklet mit den Illustrationen der Gebrüder Hildebrandt, jenen Tolkien-Künstlern, die für ihre bunten und kitschigen Illustrationen zum HERRN DER RINGE bekannt geworden sind, und deren Bilder den Zuschauer auch während der gesamten Dokumentation begleiten. Auch die DVD bietet noch einige Features, wie beispielsweise Konzertmitschnitte der von Tolkien inspirierten Band "Mostly Autumn", eine interaktive Hildebrandt-Galerie und einzelne Interviews mit Musikern und Künstlern, für die kein Platz in der Doku mehr war.

Auf den ersten Blick mag auch die deutsche Adaptation sehr aufwendig erscheinen. Die durchgehende Moderation wurde mit einer deutschen Erzählerin komplett neu aufgenommen, und auch Computeranimationen und Untertitel wurden übertragen. Doch auf den zweiten Blick entpuppt sich dieses Unterfangen als mittelschweres Desaster. Moderatorin Andrea Koch wirkt unbeholfen und über alle Maßen affektiert, ergänzt durch die Tatsache, dass sie als Sprecherin keinerlei Erfahrungen zu haben scheint. Aber es kommt noch schlimmer. Es haben sich Hunderte von inhaltlichen Fehlern eingeschlichen und der Zuschauer gewinnt zunehmen den Eindruck, dass die deutschen Redakteure keine Ahnung vom Thema hatten. Da ist immerfort von "Der Mittel-Erde" und "dem Bruch-Tal" die Rede und es fallen Namen wie "Lorgoth" (statt "Morgoth"), "Sackgassen-Haus" (statt "Beutelsend") oder "Frodin" (statt "Gollum" !!!). Und spätestens wenn Boromir als der "Intendant von Gondor" bezeichnet wird, wird klar, dass der englische Text hier einfach nur wörtlich ins Deutsche übersetzt wurde. Dadurch kommt es zu so aberwitzigen und gestelzten Formulierungen wie:

"Während sie auf der Suche nach den Hobbits die Waldränder Fangorns durchforsten, glauben Aragorn, Legolas und Gimli eine Vision zu haben. Sie stoßen auf Gandalf, der nach seinem Todeskampf mit dem Balrog aus der Finsternis zurückgekehrt ist. Mit ihm zusammen durchstreifen sie Théodens weitläufige Paläste."

Hier darf man sich zu Recht fragen: "Häh??"

FAZIT: Bei J.R.R. TOLKIEN: MEISTER DER RINGE handelt es sich um eine engagierte und ausführliche Dokumentation, die mit seltenen Interview-Auschnitten selbst für alteingesessene Fans einige Leckerbissen zu bieten hat, durch die deutsche Adaptation aber leider komplett verhunzt wurde. Die deutsche DVD ist nur Sammlern zu empfehlen, die an Kuriositäten rund um den HERRN DER RINGE interessiert sind, alle anderen sollten versuchen, sich die englische Original-DVD zu besorgen.

J.R.R. TOLKIEN: MEISTER DER RINGE
FSK: Freigegeben ab 6 Jahren
Sprache: Deutsch (Dolby Digital 2.0)
Bildformat: Vollbild 4:3
Ländercode: 0
Lauflänge: ca. 80 Min.

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