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Der Herr der Runen und Karten

; Quelle: HDRF

Regisseur Peter Jackson wollte von Beginn an einen authentischen Look für das Ring-Epos. J.R.R. Tolkien war vernarrt in Sprachen und Schriften. Daher war es enorm wichtig, dass vor allem diese Elemente reichlich im Film vorhanden waren und vor allem auch korrekt.

Landkarten und Runen spielen eine enorm wichtige Rolle in der Welt des HERRN DER RINGE, im Buch wie auch in der Filmtrilogie, denn sie lassen den Leser und den Zuschauer für einige Stunden an diese Welt glauben. Und so beginnt auch der erste Film DIE GEFÄHRTEN mit der Landkarte von Mittelerde. Im weiteren Verlauf der Handlung spielen Briefe, Bücher und Inschriften immer wieder eine übergeordnete Rolle, seien es die feurigen Runen auf dem Einen Ring, Bilbos Buch, die leuchtende Ithildin-Inschrift auf dem Westtor von Moria oder Balins Buch in der zwergischen Grabkammer.

Aber auch viele Elemente im Hintergrund des Films sind kleine kalligraphische Kunstwerke, beispielsweise Gandalfs Feuerwerkskörper, die Schriftrollen in der Bibliothek von Minas Tirith oder in der Bibliothek von Bruchtal die Bücher "Der Sturz von Gil-Galad" und "Die Geschichte von Turin Turambar", die Inschrift auf dem Grabstein von Aragorns Mutter Gilraen, die Zwergenrunen an den Wänden der Minen von Moria, aber auch die Ork-Schmierereien über diese Runen.

Für alle diese Zeichnungen, Inschriften und Runen war ein Mann verantwortlich: Der langjährige Tolkien-Fan Daniel Reeve. Viele Jahre betrieb der ehemalige Bankangestellte das Kalligraphieren nur als Hobby, aber mittlerweile kann Daniel ganz gut von dieser Arbeit leben. Er hat seinen Bank-Job gekündigt und arbeitet nun hauptberuflich als der offizielle Herr-der-Ringe-Kalligraph. Er fertige unzählige Requisiten, Dokumente und Karten an, trainierte mit Ian Holm und Elijah Wood vor den Dreharbeiten, wie man richtig mit dem Federkiel umgeht und ist mittlerweile zum Design von Rollenspiel-Utensilien und Brettspielen übergegangen. Mittlerweile hat Daniel Reeve sogar eine eigene Website www.danielreeve.co.nz, wo er seinen Karten, Schriften und Kalligraphien präsentiert.

Ich habe mit Daniel Reeve über seine Arbeit für DER HERR DER RINGE gesprochen.

Hallo Daniel. Kannst du uns erzählen, wie du zur Herr-der-Ringe-Trilogie gekommen bist? Und wie wird man überhaupt professioneller Film-Kalligraph?

Damit das möglich wurde, sind jede Menge Faktoren zusammengekommen. Ich bin ein ziemlich großer Tolkien-Fan und habe wie viele andere auch ein bisschen mit Kalligraphie herum gespielt. Tolkiens Elbenrunen habe ich seit vielen Jahren schon gezeichnet, nur so zum Spaß. Und dann ergab es sich, dass Peter Jackson genau wie ich in Wellington lebte und grade dabei war eine Verfilmung des HERRN DER RINGE zu planen. Diese unzähligen Faktoren konnte ich einfach nicht ignorieren. Ich ging also einfach mal davon aus, dass die Filmemacher einen Elbisch-Kalligraphen benötigen würden und schickte ihnen einige Muster. Das war eine glückliche Fügung verschiedener Faktoren, die mir das schließlich ermöglicht haben. Also letztendlich viel Glück und gutes Timing.

Also bist Du eigentlich ein Tolkien-Fan, dessen Träume wahr wurden?

Ja genau, so ist es.

Ein paar deiner Werke konnte man im Film ja nicht übersehen, wie beispielsweise Thorins Karte in Beutelsend. Aber ich vermute, dass die meisten deiner Arbeiten nur im Hintergrund zu sehen waren und dass die Zuschauer sie gar nicht bewusst wahrgenommen haben. Was haben wir denn nicht gesehen?

Das ist eine verdammt lange Liste. Vermutlich könnte man die meisten meiner Werke als Hintergrundrequisiten beschreiben.. Ich hab verschiedene Dinge für die DVD hergestellt, die man später zu sehen bekommt. Außerdem jede Menge Zeug für Bruchtal, dass vielleicht auf der DIE RÜCKKEHR DES KÖNIGS-DVD zu sehen sein wird, ich bin mir da aber nicht sicher. Ich habe viele Requisiten hergestellt, ohne zu wissen, wie lange sie auf der Leinwand auftauchen werden, wenn überhaupt. Und selbst wenn etwas gefilmt wurde, kann es passieren, dass es später wieder raus geschnitten wird.

Gibt es irgendein Stück, das dir am meisten am Herzen liegt? Vielleicht etwas, was wir gar nicht zu sehen bekommen haben?

Ich würde sagen eines meiner Lieblingswerke ist Bilbos Buch, und das hat man ja zu sehen bekommen. Bei der Herstellung wurden mir viele Freiheiten gelassen und ich konnte es in meinen eigenen Worten verfassen, beziehungsweise in Worten, wie sie meiner Meinung nach Bilbo wahrscheinlich benutzt hätte. Im Gegensatz zu anderen Dingen, die oft sehr eilig produziert werden mussten, hatte ich bei diesem Werk ausreichend Zeit. Da Bilbos Buch ja ein wesentlicher Bestandteil des Films war, hatte ich diese Zeit bekommen, um mir über die Gestaltung Gedanken zu machen, beliebige Illustrationen einzufügen, Dinge wieder auszustreichen und so weiter...

Und das Buch sieht großartig aus. Ich würde sagen, dass es jedem Fan im Film gefallen hat. War das Buch auch die größte Herausforderung für dich? Welcher war denn der komplizierteste Gegenstand?

Das komplizierteste war eigentlich schnell genug zu arbeiten. Die größte Herausforderung war die Zeit. Ich wurde niemals gebeten etwas zu machen, was ich nicht konnte, aber bei manchen Gegenständen gab es nur einen Versuch und es musste beim ersten Mal sitzen. Die Tengwar-Inschriften auf den großen Gemälden von Alan Lee in Bruchtal beispielsweise musste ich vor Ort und nur einen Tag vor den Dreharbeiten machen. Da durfte mir natürlich kein Fehler unterlaufen, denn ich hatte ja nicht die Möglichkeit, die Inschrift noch einmal zu korrigieren. Also diese Art der Arbeit war eine Herausforderung für mich.

Als Kalligraph bis du für einen großen Teil der Atmosphäre im Film verantwortlich, denn du hast diese Welt glaubwürdiger gemacht. Hat dich diese Art der Verantwortung jemals unter Druck gesetzt?

Nein, nicht wirklich. Ich habe darauf vertraut, dass Peter Jackson weiß was er will und du kannst mir glauben, dass weiß er ziemlich genau. Und wenn er etwas nicht mochte, dann musste ich mich noch einmal dran setzen, wenn genügend Zeit dafür war. Peter Jackson hat sehr genaue Vorstellungen von dem was er möchte.

Hättest du jemals geahnt, dass Tolkien-Fans Standbilder von dem Film machen und deine Arbeiten genau überprüfen, ob auch alles richtig geschrieben ist und solche Dinge?

(lacht) Ja, ich habe schon geahnt, dass das passieren würde, daher wollte ich auch immer alles korrekt machen. Egal was ich geschrieben habe, ich habe immer mein Bestes gegeben. Rechtschreibfehler hier und da sind aber leider unvermeidbar, vor allem wenn man unter großem Zeitdruck arbeitet. Aber ich habe versucht so authentisch wie möglich zu arbeiten und habe oft Tolkiens Texte aus dem Silmarillion oder dem HERRN DER RINGE benutzt, so dass die Texte in der jeweiligen Szenen auch Sinn machen.

Kannst du mir etwas über deine Techniken erzählen. Was für Werkzeug benutzt du, doch nicht etwa einen normalen Füller, oder?

Für einige Arbeiten habe ich normale Kalligraphie-Füller benutzt, aber ich habe vor allem mit Federkielen geschrieben. Teilweise war das einfach nötig, um den richtigen Look hin zu bekommen, aber teilweise konnte man aber auch auf dem Papier das ich benutzt habe einfach nicht mit einem normalen Füller schreiben. Ein Federkiel transportiert einfach viel mehr Tinte, weißt Du. Und ich habe viel herum experimentiert, wie man die Federn richtig schneidet, damit sie die Tinte gut transportieren. Federkiele waren einfach die beste Methode um die Tinte auf das Papier zu bekommen.

Ich könnte mir vorstellen, dass diese Methode sehr aufwendig ist.

Die Schrift sollte ja so aussehen, als ob sie vor Hunderten von Jahren mit einer Feder von Hand aufgetragen worden wäre, und die beste Methode um das zu erzeugen, war eben auch eine Feder zu benutzen. Das ist ja auch nur ein Beispiel unter vielen, wie für diesen Film Requisiten auf ursprüngliche Art und Weise durch echtes Kunsthandwerk hergestellt wurden, nur damit man das richtige Aussehen hin bekommt. Ähnlich aufwendig wie die Herstellung der Federkiele, war auch das künstliche altern des Papiers. Ich habe viel mit Wasserfarben gearbeitet, um das Papier oder Pergament alt aussehen zu lassen. Und ich habe jede Menge Techniken entwickelt um gute Alterseffekte zu erzeugen, wie beispielsweise Schimmel oder Flecken, geschwärzte Ränder und andere Dinge, die das Papier alt aussehen lassen.

Du hast dir also alle diese Methoden während der Dreharbeiten selber beigebracht?

Sagen wir mal, um so länger ich dabei war, um so besser wurde ich.

Hast du schon Pläne, was du in Zukunft machen wirst? Nun, nachdem alles vorbei ist?

Im Moment habe ich noch jede Menge mit dem HERR DER RINGE-Merchandising zu tun. Das Risiko-Spielbrett ist beispielsweise von mir und für Decipher habe ich eine Sammlung von Mittelerde-Karten hergestellt. Außerdem arbeite ich an der DVD mit und auch für die Nachdrehs musste ich noch einiges herstellen. Obwohl der Hauptteil der Produktion abgeschlossen ist, gibt es also noch jede Menge für mich zu tun. Und wenn das in Zukunft mal nachläßt, hoffe ich mich wieder aufs Malen konzentrieren zu können. Ich würde gerne meine Bilder ausstellen und auch verkaufen. Es könnte aber auch sehr gut sein, dass ich beim nächsten Peter Jackson Film wieder beim Art Departement arbeite. Wenn sie jemanden mit meinen Fähigkeiten brauchen, werden sie mich schon kontaktieren.

Ich drücke dir die Daumen. Vielen Dank für das Interview!

Mittlerweile arbeitet Daniel Reeve unter anderem für Peter Jackson aktuellen Film KING KONG und die NARNIA Verfilmung nach dem Roman von C.S. Lewis.

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