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Rezension: Sean Astins "There and Back again"

; Quelle: herr-der-ringe-film.de

Sam-Darsteller Sean Astin hat ein Buch über seine Erfahrungen in der Filmbranche geschrieben, das seit einigen Tagen auch in Deutschland erhältlich ist. Der Schauspieler berichtet, wie er zum HERR DER RINGE kam, über seine vorherigen Filmrollen, über seine Mutter, seine Frau und natürlich über seine Kollegen. Dabei ist er überraschend offen, aber zugleich ur-amerikanisch.

Eigentlich hätte Sean Astin es wirklich leicht gehabt, ein Buch über seine Erlebnisse am HERR DER RINGE Set zu schreiben. Immerhin verbrachte er 18 Monate bei den Dreharbeiten zu dem Fantasy-Epos. Ein paar nette Anekdoten, ein paar bewegende Momente und fertig wäre der Bestseller gewesen. Aber das tut Sean Astin nicht. Er nutzt seine Biografie eher dazu, um seine Erlebnisse in der Filmbranche zu verarbeiten und mit einigen Leuten abzurechnen. Dabei schweift er oft über viele Seiten ab und scheint mehrmals den roten Faden zu verlieren. Allein bis er auf seine Besetzung als Samweis Gamdschie zu sprechen kommt, vergehen erst einmal 100 Seiten. Bald wird klar, dass es in diesem Buch fast gar nicht um den HERRN DER RINGE und auch nicht um den Hobbit Sam geht. Es geht um die Unsicherheiten von Sean Astin und seinen Weg der Selbstfindung in Hollywood. Dabei schreibt Astin überraschend offen. Unverhohlen gibt er zu konservativ, verklemmt und spiessig zu sein und gesteht eigenen Schwächen ein, wie beispielsweise bei seinem Bericht zu den Dreharbeiten von STEINZEIT JUNIOR.

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Leseprobe:
Manchmal drückte ich eine Idee aus, und Pauly wischte sie sofort zur Seite. In solchen Fällen brauchte ich auch ein wenig emotionalen Balsam, rief meinen Steuerberater an und fragte: "Ist heute ein Scheck reingekommen?"
"Ja."
"Wie viel?"
"Zwanzigtausend Dollar."
Dann legte ich auf, ging zum Catering-Wagen und sagte: "Krieg ich bitte noch einen Burito? Danke. Ach, und geben Sie mir gleich auch noch ein paar Schokoriegel dazu." Dann setzte ich mich hin und stopfte mich voll. Essen war für mich wie Narkose.

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Natürlich nehmen auch die DER HERR DER RINGE Dreharbeiten einen Teil des Buches ein. Und Astin hat nicht nur gute Worte für die Produktion. Er verrät, dass nicht immer alles nur Friede, Freude, Eierkuchen war. Und dass er sich nicht unbedingt gut mit allen Schauspielkollegen verstand. So schreibt er unter anderem, dass er Ian McKellen bewundert, aber ihn auch für selbstsüchtig und egozentrisch hält. Er wäscht schmutzige Wäsche, über die öffentliche Äußerungen der Schauspieler bisher tabu waren. Aber er findet auch immer einen Ausgleich, indem er seinen tiefsten Respekt für die kreativen Menschen hinter der HERR DER RINGE Trilogie ausdrückt.

Und so dringt der Leser tiefer und tiefer in die Mechanismen der Filmbranche ein. Sean Astin berichtet wie Stuart Townsend, der erste Aragorn-Darsteller, nach wenigen Drehtagen abserviert wurde. Er beschreibt seine Lieblingsszenen, aber auch dass er sehr enttäuscht war, als er DIE RÜCKKEHR DES KÖNIGS zum ersten Mal in der Kinofassung sah. Und er gesteht sogar, dass er vor dem Anruf seiner Agentin noch nie etwas vom HERRN DER RINGE gehört hatte.

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Leseprobe:
All dies trug dazu bei, dass ich bei Nikkis Anruf die Ohren spitzte. Ich versuchte alles aufzunehmen und gleichzeitig die richtigen Fragen zu stellen, während ich nach einer Stelle suchte, an der ich rechts ranfahren und den Motor ausmachen konnte.
"Der Herr der Ringe?", fragte ich, das eine Stückchen wiederholend, mit dem ich nichts anfangen konnte.
"Ja, ja", antwortete sie. "Du weißt schon, Tolkien. Der Herr der Ringe halt."
"Nein, weiß ich nicht."
"Der Herr der Ringe!", brüllte sie. "Die Fortsetzung vom Kleinen Hobbit. Den Kleinen Hobbit kennst du ja wohl?"
Ich atmete tief durch. Der Kleine Hobbit. Okay, den kannte ich. Aus den verstaubten Winkeln meiner Erinnerung kramte ich den Kleinen Hobbit hervor, ein Buch, das meine Mutter mir als Kind vorgelesen hatte. Beim weiteren Nachdenken dämmerte mir, dass ich den Kleinen Hobbit mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit mit einem Buch namens The Phantom Tollbooth verwechselt hatte.

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Sean Astins Buch ist ein bisschen wie Dieter Bohlens "Nichts als die Wahrheit" für DER HERR DER RINGE. Eine Mischung aus Seelenstriptease und Abrechnung mit Hollywood. Aber er wird dabei niemals beleidigend, sondern wahrt dabei immer - ganz der Amerikaner - die Fairness.

Das Buch ist ein aufrichtiger Blick hinter die Kulissen der Traumfabrik und wird so manchem Leser die Augen öffnen. Witzigen Anekdoten der HERR DER RINGE Dreharbeiten sind rar gesäht, dafür berichtet Sean Astin über Verträge, Geheimkonferenzen und Produzenten. Lesenswert für alle, die einen tieferen Einblick ins Leben eines nicht ganz so typischen Hollywoodstars gewinnen wollen.

There and back again. Samweis Gamdschie aus "Der Herr der Ringe" - Ein Schauspieler erzählt.
von Sean Astin, Joe Layden

- Gebundene Ausgabe
- farbige Fotostrecke (private Fotos von Sean Astin)
- 312 Seiten
- Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag, Berlin 2005
- ISBN: 3-89602-630-5
- Preis: 19,90 EUR

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