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herr-der-ringe-film.de

Interview mit Howard Shore

; Quelle: Soundtrack.Net

Anfang letzten Jahres wurde Komponist Howard Shore dazu verpflichtet, die Filmmusik für die lang erwartete dreiteilige Film Adaption DER HERR DER RINGE zu komponieren. Soundtrack.Net hatte die Chance mit Howard Shore über seine Arbeit und über die Herausforderungen, die die Arbeit an einem solchen Epos mit sich bringt, zu sprechen.

F: Wie lang ist die Musik in dem Film?

A: Die Musik ist in etwa zwei Stunden und 30 Minuten, obwohl mehr als drei Stunden komponiert wurden.

F: Wie haben sie herausgefunden, was auf das Album kommen soll?

A: Das war eine der schwierigsten Aufgaben, da ich alle Gebiete des Films auf der CD festhalten wollte. Es hat die Länge einer Oper, aber da auf dem Album nur 72 Minuten sind, musste ich jede einzelne Sektion des Films schneiden und bearbeiten, um die notwendigen Tracks zu bekommen. Es ist eine sehr Themenbasierende Musik, und es gibt viele Verbindungen zwischen Teilen der Handlung, die in dieser Form nicht auf der CD dargestellt werden konnten.

Zuerst hört man, wie sich das GEFÄHRTEN-Thema formt, wenn Frodo zusammen mit Sam Hobbingen verlässt um nach Bree zu reisen ? dies ist aber nur ein Fragment des Themas. Später, wenn sie Merry und Pippin im Kornfeld treffen, hört man eine weiter entwickelte Version des gleichen Themas ? es wächst. Dann kommen sie nach Bree und treffen auf Streicher, und es entwickelt sich noch einmal weiter, wenn sie zusammen Bree verlassen. In Bruchtal treffen sie auf Legolas und Gimli und auch Gandalf kommt hinzu. An dieser Stelle hat das GEFÄHRTEN-Thema den Höhepunkt erreicht. Am Ende des Stückes ?The Council of Elrond?, hört man die volle und gewaltige Aussage des GEFÄHRTEN-Themas. Die zweieinhalb Stunden Musik des Films sind wegen ihres thematischen Hintergrundes sehr vorsichtig zusammengesetzt ? Einleitung und Entwicklung ziehen sich durch den ganzen Film.

Als ich mit dem Schreiben anfing, begann ich mit der Moria Sequenz. Moria war ein Teil dessen, was auf dem Film Festival in Cannes dieses Jahr gezeigt wurde. Ich verbrachte sechs Wochen damit diesen einen Teil zu schreiben, der im Album auf zwei Tracks wieder zu finden ist: ?Journey in the Dark? und ?The Bridge of Khazad-Dum?. Die beiden Stücke laufen etwa zehn Minuten lang auf der CD. Allerdings ist das Stück im Film etwa 20 Minuten lang und wurde entsprechend gekürzt.

F: Wie lange haben Sie am Film gearbeitet?

A: Ich hatte seit Juli 2000 mit dem Film zu tun, meine ersten Verpflichtungen für den Score begannen jedoch im Januar 2001. Im Februar fing ich an sehr intensiv an der Moria Sequenz zu arbeiten, und gleichzeitig hatte ich auch mit dem Schreiben von thematischem Material begonnen. Im Oktober schrieb ich das ?Auenland-Thema? und das ?Frodo-Thema?, und das GEFÄHRTEN-Thema im November. Aber bevor ich damit überhaupt beginnen konnte, betrieb ich vier Monate lang Forschung.

Ich hatte die Tolkien Bücher damals in den 60er Jahren gelesen, aber abgesehen davon, dass ich sie jetzt noch einmal las, forschte ich ebenfalls in der Ring Mythologie. Ich beschäftigte mich mit allen Bereichen ? Literatur, Musical und Film. Die Ring Mythologie ist seit tausenden von Jahren ein Teil unserer Kultur. Ich musste wissen, was Tolkien dazu gebracht hat den HERRN DER RINGE zu schreiben, und ich musste verstehen, welchen Einfluss die Bücher auf andere Kulturen hatten und wie sie die Literatur beeinflusst haben, Filme, moderne Kultur, Musik ? der Einfluss war enorm.

Ich hatte auch schon an anderen Literatur Adaptionen gearbeitet. NAKED LUNCH, CRASH, SCHWEIGEN DER LÄMMER und LOOKING FOR RICHARD. Letzteres war eine Adaption des Shakespeare Stückes Richard III. Ich mag die Forschung die bei solchen Projekten notwendig ist, weil man hunderte von Jahren zurück gehen kann und unzählige verschiedene Elemente und Einflüsse entdeckt. Mittelerde existierte schon vor 7000 Jahren ? es existierte schon vor unserer jetzigen Kultur!

F: Fühlten sie sich jemals zu sehr unter Druck gesetzt, weil das Interesse an dem Projekt so ungeheuer gross ist?

A: Deshalb erwähnte ich die anderen Literatur Adaptionen. Es war weniger ein Gefühl des Drucks, sondern eher ein Gefühl der Verantwortung. Als ich an NAKED LUNCH arbeitete war William Burroughs noch am leben, er wusste, dass der Film gedreht wird und kam zum Drehort -- du weißt, du musst etwas besonderes, einmaliges kreieren. Diesem Buch folgte ein weltweiter Kult. Hierzu fühlte ich dieselbe Verantwortung und wollte etwas authentisches schaffen. Das ist dem HERR DER RINGE sehr ähnlich ?- etwas zu schaffen, dass die Menschen, die voller Enthusiasmus und am HERRN DER RINGE interessiert sind, akzeptieren werden.
Peter Jackson und Fran Walsh waren fantastische Kollegen, und wir waren alle Fans des Buches und aller anderen Tolkien Mythologie auch. Wir taten es also nicht nur für uns selber, und versuchten alles so perfekt wie nur irgend möglich zu machen, sondern in erster Linie taten wir es für jeden, der an dem HERRN DER RINGE interessiert ist.

F: Haben sie mit einem Tolkien Lyriker für den Chor zusammen gearbeitet?

A: Ich hatte tolle Kollegen bei diesem Projekt: Peter Jackson, Fran Walsh und Philippa Boyens. Ich verbrachte mit ihnen sehr viel Zeit, lernte soviel ich nur konnte über den HERRN DER RINGE und über die zu Grunde liegende Mythologie, und versuchte ständig mit ihnen mithalten zu können -? schliesslich hatten sie Jahre damit verbracht das Thema zu erforschen. Philippa ist eine Tolkien Gelehrte, daher konnte ich eine Menge von ihr lernen. Hauptsächlich war es Philippa, mit der ich für den Text des Chors gearbeitet habe. Es gibt eine Menge Gesang in der Filmmusik und ich werde erklären warum: In dem Buch gibt es Lieder und Gedichte. Aufgrund der Länge eines Spielfilmes kann man nicht erwarten, dass alle in den Film eingebaut werden ?- das Buch ist auf eine Weise geschrieben, in der es plötzlich auf drei bis vier Seiten nur ein Lied oder ein Gedicht zitiert -? es ist in einem Tempo geschrieben, dass für einen Film nicht umsetzbar ist. Selbst für einen Drei-Stunden-Film ist die Handlung extrem gewaltig und es gibt so viele unterschiedliche, detailliert beschriebene Charaktere. Die Idee die ich mit Peter, Frank und Philippa entwickelt habe, war die, dass wir die Sprache zurück in den Film bringen wollen -? durch die Musik. Philippa schrieb den Text für ganz spezielle Szenen -? sie schrieb seitenweise Gedichte und Texte basierend auf diesen Szenen. Sie schrieb auch ein Gedicht das ?The Revelation of the Ringwraiths? heisst, und das ist der Text, den man am Anfang der CD hört, mit all der gotischen Musik im Hintergrund ? es ist Adunaic, die alte Sprache der Menschen.

F: Wie gross waren der Chor und das Orchester?

A: Im Ensemble waren 200. 100 gehörten zum Symphonieorchester, den Londoner Philharmonikern, die ein wunderbares Orchester sind mit denen ich seit 15 Jahren zusammen arbeite und mich folglich eine sehr starke Beziehung mit ihnen verbindet. Dann gab es einen 60 Mann starken männlichen Chor, der die Stücke der Zwerge sang, weil Peter nur männliche Stimmen in den Moria Szenen haben wollte, aufgrund der maskulin-orientierten Kultur der Zwerge. Ein gemischter Chor wurde für Bruchtal und Lothlorien benutzt, die interessanterweise sehr unterschiedliche Klänge haben, wie man auf der CD hören kann. Der Chor sang in der Elbensprache (Quenya und Sindarin) und in der Schwarzen Sprache ? sie sangen auch alle Stücke der Ringgeister. Dann benutzte ich einen 30 Mann starken Jungenchor, um die Unschuldigkeit von Sam und Frodo zu zeigen, was mir persönlich sehr viel Spass gemacht hat. Sie singen in der Elbensprache und auf englisch. Man hört wie sich das ?Frodo-Thema? durch den Film hindurch entwickelt ? es beginnt auf eine keltische Art und Weise in Hobbingen, und entwickelt sich zu einer Hymne, die ?In Dreams? heisst, geschrieben von Fran Walsh, und von dem Solisten Edward Roth gesungen wird.
In dem Film singen zehn Solisten. Miriam Stockley singt den Anfang von ?Lothlorien?, und Elizabeth Fraser singt ?Gandalf}s Lament?, welches auch in diesem Track zu hören ist. Enya singt in Sindarin und Quenya, zwei Arten der Elbensprache; ?Aniron? wird in Sindarin gesungen und der Refrain von ?May It Be? in Quenya. Ich selbst dirigierte die Filmmusik und auch die Musik von Enya ? damit ein Zusammenfluss entsteht. Ich wollte, dass sich das Stück anfühlt, als sei es von einer Hand gemacht. Ihre Lieder wachsen aus der Mitte der Filmmusik heraus. In der gleichen Weise versuchte ich auch alle anderen 90 Sänger und Sängerinnen in das eine Stück zu integrieren.

Ich versuchte mir alles als den ersten Akt einer Oper vorzustellen. Wenn man zur Oper geht, hat man meistens ein Symphonieorchester, einen 60-Personen Chor auf der Bühne und Solisten. Man könnte die Theorie aufstellen, dass alle Filmmusiken einen Operncharakter besitzen, aber dies ist anders. Zwischen dem Orchester und dem Chor hatte ich 200 Stück zur Auswahl, als Teil der Palette mit der ich arbeitete. Es gab sogar einige Nord Afrikanische Instrumente und eine gebeugte Laute, die ich für ?Lothlorien? benutzt habe.

F: Würden sie aufgrund der Opernhaften Form und der Menge an Musik eine umfassendere Veröffentlichung des Soundtracks erwarten?

A: Ja ? wir sollten das tun. Man darf auch nicht vergessen, dass es sich beim HERRN DER RINGE um einen neun Stunden Film handelt, und das ist unser Ziel ?- ab einem gewissen Punkt wird es eine neun Stunden DVD geben. DIE GEFÄHRTEN sind schliesslich nur der erste Akt von drei Teilen. Die anderen beiden Filme sind keine Fortsetzungen, sondern ein Teil der kompletten Story. Auf ihrem Weg nach Mordor folgt man Frodo und Sam durch viele unterschiedliche Welten hindurch.

F: Wann beginnen sie mit dem zweiten Film DIE ZWEI TÜRME?

A: Nun, die arbeit an dem zweiten Film hat bereits begonnen -? zur Zeit wird er editiert und zusammen gesetzt. Kürzlich hatte ich einige Konzert Premieren, eine für das Australian Art Orchester, welches Orbit heisst, auf dem diesjährigen Melbourne Festival, und die Dallas Symphonie spielte ein Stück aus Ed Wood in ihrem Halloween Sci-Fi Konzert. Daran habe ich in letzter Zeit gearbeitet. Nun habe ich noch andere anstehende Aufträge ? ich muss etwas Kammermusik schreiben, und dann habe ich noch andere Filmprojekte. Jetzt sehe ich zu, dass ich etwas Abstand von Mittelerde bekomme ? aber ich werde pünktlich zu den ZWEI TÜRMEN im nächsten Jahr zurück sein!

(Tausend Dank an Kate für die Übersetzung!!!)

English Version:

Howard Shore Interview


Earlier last year, composer Howard Shore was signed to a three picture deal to score the highly-anticipated film adaptation of the Lord of the Rings trilogy. SoundtrackNet had a chance to talk with Howard about his work on this epic film, and the challenges he faced in putting the soundtrack together.

How long is the score in the film?

The score is about two hours and thirty minutes in the film, although over three hours were composed.

How did you figure out what to put on the album?

That was one of the hardest things to do because I wanted to represent all the areas of the film on the CD. It's an opera length score, but because there are only seventy-two minutes on the album, I had to take each section of the film and edit them down to make those essential tracks. It's a very thematic score, and there's some great linkage between the cues which could not be represented on one CD...

[...read on at Soundtrack.net]

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