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Kreative Energien

; Quelle: Film-Dienst

In der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins FILMDIENST (21/2008) findet sich ein lesenswertes Interview mit Guillermo Del Toro, in dem er unter anderem über den aktuellen Status des HOBBITS spricht.

Hier einige Auszüge aus dem Interview:

Wie schwierig ist es, in diesem Geschäft das Kind in sich lebendig zu halten?

Del Toro: Das ist sehr einfach, wenn man Dinge aus den richtigen Gründen heraus macht. Es wäre sehr schwer, wenn man sich mit anderen Dingen befassen würde. Etwa Karrieregedanken anstatt künstlerischen Entscheidungen. Ich mache nie die Filme, die meine Agenten mir anempfehlen. Deshalb lande ich immer wieder bei Filmen, die mich in Schwierigkeiten bringen. Selbst bei HELLBOY - DIE GOLDENE ARMEE wurde mir während der Produktion die Hälfte meines Gehalts gesperrt. Und das nach PANS LABYRINTH, nach HELLBOY und BLADE! Diese Erfolge zählen überhaupt nicht. Das Studio legte die Hälfte meines Gehalts auf Eis als Garantie dafür, dass ich das Budget nicht überziehe. Ich war zufrieden damit. Ich sagte ihnen: "Fein! Nehmt es!" Ich denke, so etwas hält das Kind in einem wach, weil man dadurch von einer Art Hunger umgetrieben wird. Man will ja immer mehr Süßigkeiten. Mehr von den Spielsachen, mehr von dem Spaß, man will die Geschichte weitererzählen. Für mich war das sehr einfach. Auf diese Weise blieb ich komplett verantwortlich für die ganze Produktion.

Offensichtlich ist Puppentrick eine Herzensangelegenheit von Ihnen. Sind Sie der letzte Puppenspieler oder vielleicht auch Vorreiter einer Revolution dieser Technik?

Del Toro: Das ist eine sehr teure und sehr schwierige Kunstform, aber sie muss am Leben gehalten werden. Bei allem, was ich mache, versuche ich, die Dinge physisch zu bewältigen, bevor ich mich dem Digitalen zuwende. Ich benutze das digitale Equipment nur als letzten Ausweg. Es gibt dem Film eine andere Textur. In einem Genrefilm erachte ich die Textur für das Eigentliche, die Form ist hier der Inhalt. Es gibt Fantasy-Filme, die sind fotorealistisch, sie gehören in die Welt des Dramas und sind dort sehr wertvoll. Die anderen aber sind illustrierte Bücher; ihre Schöpfer sind Illustratoren. In einem illustrierten Buch ist der Künstler ebenso wichtig wie der Text. [...] Deshalb denke ich, dass innerhalb des Genrefilms Textur und Farbe ebenso Teil der Story sind wie das Drehbuch. Man kann das nicht anders gestalten. Wenn ich Puppentrick nicht benutzen würde, wäre das für mich ein komplett anderer Film. Die Puppen bringen ihre eigene thematische Wichtigkeit in den Film ein.

Das steht Ihnen näher als CGI?

Del Toro: Beides steht mir nahe. Ich war früher bei einer Firma, die alles machte: optische Effekte, Stop-Motion, Puppentrick, Prothesen. Damals, in den Jahren, in denen ich als Filmemacher geformt wurde, gab es keinen Unterschied bei dem, was man tat. Ich wusste gar nicht, dass es etwas wie Regie gibt. Wir machten alles. Ich kann Puppentrick auch gar nicht von CGI trennen. Die Animatoren bei meinen Filmen wollen mich übrigens immer umbringen, weil ich ihnen so viel abverlange. Aber ich bin eben auch Animator und sehr obsessiv, wenn es darum geht, etwas noch realistischer aussehen zu lassen. CGI ist ein sehr gutes Werkzeug. Es gibt keine schlechten Werkzeuge.

Doch was erlaubt Ihnen mehr kreativen Spielraum?

Del Toro: Beides. Das hängt von der jeweiligen Aufgabe ab, die man bewältigen will. Man sollte auch nicht eine Schraube mit einem Hammer befestigen. Wenn ich den Baumgeist als Puppe hätte bewerkstelligen sollen, wäre ich damit gescheitert. Das hätte wie ein Godzilla-Film ausgesehen, mit einem Mann im Gummianzug und Gummitentakeln. Wenn ich dagegen Abe Sapien als CGI entworfen hätte, wäre das ähnlich albern geworden. Diese Figur ist weit besser bedient mit einem Schauspieler und diversen Prothesen.

Was können Sie über Ihr nächstes großes Projekt HOBBIT verraten?

Del Toro: Wir sind gerade dabei, das Drehbuch zu schreiben. Felipe [sic], Fran (Walsh), Peter (Jackson) und ich. Im Moment suchen wir die richtige Form. Wir finden heraus, wie man das Buch am besten in zwei Filme unterteilt, was man davon alles beibehält. Wir suchen die grundsätzliche Gestalt des Ganzen, und das wird uns noch viele Monate kosten. Aber gleichzeitig beginnen wir schon mit dem Design des Films. Ich habe angefangen, einige der Kreaturen zu designen. Es wird noch anderthalb Jahre dauern, ehe wir mit der Preproduction der Filme anfangen. Normalerweise nehme ich mir sieben Monate Zeit, um einen Film zu designen, bevor wir in die Preproduction gehen, doch bei diesem wird es doppelt solange dauern. Wir müssen Teile der HERR DER RINGE-Trilogie rekonstruieren, dazu kommen 80 Prozent, die wir völlig neu entwerfen müssen. Ich weiß natürlich nicht, ob es so bleibt, mir fehlt die Gabe der Voraussicht, aber bis jetzt kann ich nur sagen, dass es einfach toll ist, dabei zu sein. Es ist, als wäre man wieder ein Kind und spielt mit seinen Freunden. Und jetzt, jetzt passiert das, oh mein Gott...! Das ist so spannend für mich. Die kreative Energie im Raum ist fantastisch. Bislang ist nur sicher, dass Ian McKellen und Andy Serkis wieder dabei sind. Der Rest ist im Fluss.

Das komplette Interview kann im FILMDIENST Ausgabe 21/2008 und noch kurze Zeit auf der Filmdienst-Website nachgelesen werden.

(Danke Peter!!)

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