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Im Lande Mordor, wo die Schatten drohen... der neue Fantasy-Film!

; Quelle: Envoyer

Eine klasse Artikel über den Versuch von Peter Jackson das Fantasy-Genre neu zu beleben, beziehungsweise es erst zu gründen...

Am 11.10.99 ist die erste Klappe gefallen... Wird das Jahr 2001 ebenso bedeutungsvoll werden, wie es das Jahr 1966 war? Wird Peter Jackson für die Filmkunst vollbringen, was J.R.R. Tolkien dereinst für die Literatur vollbrachte – ein neues Genre aus der Taufe zu heben? Zugegeben, der Vergleich hinkt, aber erzählt mir bitte nicht, das filmische Genre Fantasy wäre je über den Status einer Totgeburt hinausgewachsen. Die Jahre seit der Ray Harryhausen-Ära haben uns nur wenige Fantasyfilme beschert, und von denen waren die allermeisten schlichtweg ungenießbar – man denke da nur an Beastmaster, Gor, Masters of the Universe und den restlichen Müll aus den achtziger Jahren. Und ob Sie Willow nun für einen guten Fantasyfilm halten oder für einen Lucasschen Annäherungsversuch an Spielbergsche Oberflächlichkeit, ob Der Dunkle Kristall, Labyrinth und Legende nichts weiter darstellten als ein paar Märchenstunden für die ganz Kleinen, und ob Dragonheart für Sie gute Unterhaltung oder lediglich eine CGI-Fingerübung war, welchen Unterschied macht das? Ein Fantasyfilm, sei er nun erträglich oder nicht, hat dieser Tage einen höheren Seltenheitswert als eine Kakerlake auf einer Hochzeitstorte.

Demgegenüber muß man sich klarmachen, was Tolkien über so viele Jahre hinweg, in denen er damit beschäftigt war, den Herrn der Ringe zu literarischem Leben zu erwecken, geleistet hat. Er hat sämtliche Standards begründet, über die sich bis heute kein Fantasyroman-Autor hinwegzusetzen gewagt hat. Er hat ein Genre erschaffen, das heutzutage zu den gefragtesten überhaupt gehört – nur eben "nur" in der Buchhandlung und nicht im Kino. Man mag darüber diskutieren, ob sein Mammutwerk neben dem der Autoren, die sein Erbe angetreten und die klassische Fantasy mitgeprägt, d.h. Tolkien interpretiert haben, nun an Konkurrenzfähigkeit eingebüßt hat oder nicht – letztlich hat sich das Genre weiterentwickelt und so manche zusätzliche Anforderung hervorgebracht, der der Herr der Ringe nicht mehr gerecht werden kann. Doch ohne Tolkiens Leistungen wäre die Fantasy, wie sie heute für uns selbstverständlich ist, undenkbar. Der Herr der Ringe stellt die Quintessenz dieses Genres dar, er beinhaltet alles Grundsätzliche, was die Fantasy ausmacht. Dies in ein filmisches Gesamtwerk von einer etwa sechs Stunden umfassenden Spieldauer zu transportieren, erscheint unter diesem Gesichtspunkt schwierig, wenn nicht gar unmöglich. Andererseits wiederum bietet sich für Peter Jackson die Chance, die leicht angestaubte Ringtrilogie ins 21. Jahrhundert zu transportieren und sie einer dezenten Frischzellenkur zu unterziehen.

Und genau dieses Vorhaben strebt er an, was er mit der einen oder anderen Ankündigung deutlich genug verraten hat. Nun sei der eingefleischte Tolkien-Fan jedoch beruhigt: Gerüchte wie jenes, aus Frodo & Sam würde man ein schwules Paar machen – man schreibe ja schließlich das Jahr 1999 –, oder daß man damit liebäugele, Sam zu einem weiblichen Charakter umzufunktionieren, um eben jenes homosexuelle Verdachtsmoment aus den Angeln zu heben, sind völlig aus der Luft gegriffen. Veränderungen wird er sehr wohl vornehmen – oder besser gesagt: vorgenommen haben, da die ersten beiden Drehbücher bereits stehen –, jedoch von solcher Natur, daß dem Zuschauer bessere Identifikationsmöglichkeiten geboten werden, während er keinesfalls plant, an dem Grundgerüst der Geschichte herumzudoktern. So wird der Nebenrolle der Arwen mehr Raum zugestanden, weil man die Liebesgeschichte zwischen ihr und Streicher / Aragorn ausführlicher schildern wird, als in den Büchern geschehen. Der Grund liegt auf der Hand: Wenn es überhaupt noch Filme gibt, die ohne eine Love Story auszukommen glauben, dann hat sie Tarantino geschrieben. Die Zutat "Liebe" lockt schließlich das weibliche Publikum in die Kinosäle – soviel zu Nummer Sicher. Des weiteren wird Sauron in allen drei Filmen von einem Schauspieler verkörpert werden. Auch das soll nicht weiter verwundern und gibt keinen Anlaß, Jackson zu kritisieren, denn eine nur zu ahnende, gesichtslose Bedrohung im Hintergrund funktioniert gewiß in einem Buch, keineswegs jedoch im Film, denn schließlich soll der Zuschauer den Bad Guy hassen; und hassen kann man nur, was man auch sieht und begreift. Peter Jackson hat diese Problematik so formuliert: "Der Sauron aus den Büchern ist bestenfalls skizzenhaft, was die Aufgabe, ihn zu einem Bösewicht zu machen, der drei Filme trägt, sehr erschwert. Stell dir vor, in den klassischen Star Wars-Filmen wäre Darth Vader nie zu sehen gewesen. Das funktioniert einfach nicht." Und daß, wie hinreichend bekannt sein dürfte, die Figur des Tom Bombadil aus dem ersten Film gestrichen wurde, dürfte man verschmerzen können, da auf diese Weise den Beziehungen zwischen den Hauptcharakteren mehr Zeit eingeräumt werden kann, was dem Film nur zugute kommt. Davon abgesehen wäre auch die Gefahr gegeben, Tom könnte sich wie ein Fremdkörper im Gesamtwerk ausnehmen, fällt einem doch schon beim Lesen des ersten Bandes die thematische Verwandtschaft zum Kleinen Hobbit auf. Schließlich hat Jackson selbst verkündet, er strebe keine Märchentrilogie an, sondern eine, die den Tenor der Vorlage wiedergibt, und der ist zu ernsthaft, zu erwachsen, als daß sich das Risiko lohnte, das märchenhafteste Element der Geschichte einzubringen, das für selbige obendrein absolut unnötig ist. Das Evangelium der New Line Cinema, was den Herrn der Ringe betrifft, lautet nämlich: Die sechs zur Verfügung stehenden Stunden sind im Hinblick auf die Vorlage sehr, sehr knapp bemessen, also fliegt alles, was für die Geschichte ohne Belang ist, gnadenlos raus. Nun könnten Sie sich mit Erschrecken in Erinnerung rufen, wie sehr es für jede Company gang und gäbe ist, den Kreativen ins Handwerk zu pfuschen und Veränderungen am künstlerischen Aspekt (vermeintlich) zugunsten des wirtschaftlichen vorzunehmen. Doch auch in diesem Punkt weiß Mr. Jackson uns zu beruhigen: "Man darf nicht vergessen, daß es Bob Shayes (Vorsitzender und CEO von New Line Cinema) Idee war, statt der geplanten zwei Filme eine Trilogie zu drehen. Die beiden New Line-Burschen, die am engsten mit uns zusammenarbeiten, Michael De Luca und Mark Ordesky, sind große Fans des Herrn der Ringe. Bei einem Meeting fing Mark plötzlich an, mit Zitaten aus den Büchern um sich zu werfen, und auf einer Party erzählte mir seine Mutter, wie er damals als Kind Mittelerde-Karten und -Modelle angefertigt hat. Die beiden wollen, was wir alle wollen: dafür sorgen, daß eine großartige Trilogie gedreht wird. Eine andere Agenda gibt es nicht."

Dennoch sind die Bedenken – gerade der Hardcore-Fans – mit schönen Worten allein nicht zerstreut. So gibt beispielsweise das Budget Anlaß zur Sorge. Standen zuerst US$120, später 130 Millionen zur Verfügung, stockte New Line Mitte Juli das Budget auf US$190 Millionen auf. Doch auf drei Filme verteilt, ergibt das etwa US$63 Millionen pro Film – und das ist nicht gerade viel, bedenkt man, daß Star Wars, Episode 1 US$120 Millionen verschlungen hat; und das trotz der Tatsache, daß die Special FX von Lucas' eigener Effektschmiede ILM produziert wurden. Jackson bezieht in seine Berechnungen den Wechselkurs mit ein (der US$ liegt derzeit ungefähr bei zwei NZ$), und obendrein seien die Preise in Neuseeland – natürlich – viel niedriger als in den Staaten. Angesichts seiner vollmundigen Ankündigungen darf jedoch noch am Endergebnis gezweifelt werden. So plant er z.B, das gesamte Filmmaterial, also jedes Einzelbild, digital zu speichern, um der von fünf zeitgleich arbeitenden Crews gedrehten Trilogie einen einheitlichen Look zu geben, was ein unvorstellbar umfangreiches (und damit kostenintensives) Speichersystem erforderlich machen würde.

Daß gerade bei der Besetzung Buhrufe laut werden würden, dürfte niemand je ernsthaft in Zweifel gezogen haben. Zu sehr haben sich die Phantasiebilder der Protagonisten in den Köpfen der Leser eingebrannt, zu klar sind die Vorstellungen, wie diese oder jene Rolle zu besetzen sei, als daß Jackson es allen recht machen könnte. Wie demnach nicht anders zu erwarten, löste die Bekanntgabe der unter Vertrag genommenen Schauspieler allenthalben Frohlocken einer- und Wehklagen andererseits aus. So hat man für die Rolle des Gandalf die britische Theatergröße Sir Ian McKellen verpflichten können, fleißigen Kinogängern bekannt aus seiner Titelrolle der Shakespeare-Adaption Richard III. oder seiner Verkörperung des Zars Nikolaus II. in Rasputin. Für die Besetzung des Frodo wandte man sich an den optisch naheliegendsten Akteur, Elijah Wood, der erst kürzlich mit The Faculty in den deutschen Kinos präsent war und u.a. auch in Deep Impact, Der Eissturm und Forever Young mitgewirkt hat. Frodos Onkel Bilbo wird vom Briten Sir Ian Holm verkörpert, nicht zuletzt bekannt als Vater Cornelius in Das Fünfte Element, sicher aber jedem Cineasten als durchgedrehter Android Ash aus Alien in guter Erinnerung. Sean Astin, einer der Goonies, der auch im Rosenkrieg und in Mut zur Wahrheit mit von der Partie war, spielt Sam. Für die Rollen von Merry und Pippin – dargestellt von Dominic Monaghan und Billy Boyd – bediente man sich nahezu unbeschriebener Blätter, was auch für Orlando Bloom als Legolas gilt. Daß Oliver Platt für den Part des Gimli im Gespräch sei, war leider nur ein aus Wunschdenken heraus geborenes Gerücht; statt dessen übernimmt John Rhys-Davies diese Rolle, der seinen letzten guten Film vor zehn Jahren abgeliefert hatte – Indiana Jones und der letzte Kreuzzug –, in dem er den Araber Sallah spielte. TV-Freunden ist er besser bekannt aus der Sci-Fi-Serie Sliders. Christopher Lee ist als Saruman und Liv Tyler als Arwen bestätigt worden. Ethan Hawke wurde als Faramir unter Vertrag genommen, und Michael De Luca liebäugelte auch mit dessen Gattin Uma Thurman in der Rolle der Galadriel, wurde jedoch – Tolkien-Fans fällt ein Stein vom Herzen – überstimmt. Anstelle von kuhäugigem Heroin Chic (Thurman-Fans mögen mir verzeihen) wird die australische Aktrice Cate Blanchett (Oscarnominierung und ein Golden Globe für ihre Rolle der Elizabeth im gleichnamigen Film) versuchen, dem Part den nötigen Glanz zu verleihen. Auf Uma Thurman mochte Mr. De Luca augenscheinlich aber doch nicht verzichten und setzte sie für die Rolle der Eowyn durch. Außerdem konnte man für die Verkörperung des schmierigen Grima Schlangenzunge Brad Dourif gewinnen, der nicht zuletzt als Dr. Gediman in Alien – Resurrection mitgewirkt, vor allem aber im Sci-Fi-Genre als Stimme von Chucky, der Mörderpuppe (in der Originalfassung), Kultstatus erlangt hat. Kevin Conway, ein eigenen Aussagen zufolge "hauptberuflicher Nebendarsteller" (der u.a. in Die Schnellen und die Toten und Gettysburg mit von der Partie war), wurde als König Theoden verpflichtet. In Sachen Sean Bean, Alec "006" Trevelyan aus GoldenEye und Richard Sharpe aus der gleichnamigen TV-Serie, ist endlich eine Entscheidung gefallen: Laut der New Line-Presseerklärung vom 07.10.99 hat er zugesagt, den Part des Boromir zu übernehmen. Für die Rolle des Aragorn wurde zuerst ein weitgehend unbekannter irischer Schauspieler namens Stuart Townsend verpflichtet, der aber mit Shooting Fish auch in deutschen Kinos vertreten war. Doch erst ganze vier Tage, nachdem die erste Klappe gefallen war, stellten sowohl Jackson als auch De Luca fest, daß er vielleicht doch nicht die ideale Besetzung für Aragorn ist, und wandten sich händeringend ein zweites Mal an Daniel Day Lewis – der diese Rolle jedoch bereits zuvor abgelehnt hatte und sich nicht umstimmen ließ. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion (so darf man das wohl formulieren, bedenkt man, wie lange sich solche Verhandlungsgespräche in der Regel hinziehen) wurde schließlich Viggo Mortensen gecastet, dessen markantes, verlebtes Gesicht ersten Fan-Statements im Internet zufolge weitaus besser zu der Rolle paßt als das jugendliche Antlitz eines Stuart Townsend. Wie auch Kevin Conway ist Mortensen nur eingefleischten Cineasten ein Begriff – er wirkte u.a. in Ein perfekter Mord, dem Remake von Psycho und auch in Die Akte Jane mit. Wer sich die gecastete Schauspielerriege auf einen Blick ansehen möchte, hat unter http://www.vis-con.com/coolstuffLOTR.asp dazu Gelegenheit. Die Herr der Ringe-Website http://www.lordoftherings.net soll übrigens endlich regelmäßig mit Updates versorgt werden, nachdem sie so lange brachgelegen hat.

Daß Smeagol / Gollum komplett im Computer entstehen würde, lag auf der Hand und wurde auch von Jackson bestätigt; er geht sogar so weit, eine Revolution in der CGI-Technologie anzukündigen (wie das im Vorfeld jedes entsprechenden Films zum guten Produzententon zu gehören scheint). Der hierzulande eher unbekannte Andy Serkis – und leider nicht, wie zuerst gemutmaßt, Steve Buscemi – wird Gollum in der Originalfassung seine Stimme leihen. Und noch ein besonderes Trostpflaster für alle Sean Connery-Fans, die ihn so liebend gern als Gandalf gesehen hätten: Sean soll in Porirua City, Wellington, Neuseeland, gesehen worden sein. Gerüchte verweisen darauf, daß er eventuell für die Besetzung des Erzählers aus dem Off in Frage kommt. Zwar verweist New Line eben diese Gerüchte ins Reich der Märchen, aber im Showbiz sind Dementis ja bekanntlich an der Tagesordnung...

Die Filme, die dieselben Titel wie auch die Bücher tragen werden und bis auf weiteres für Sommer 2001, Winter 2001 und Sommer 2002 angesetzt sind, treten ein schweres Erbe an. Sie werden auf eine ähnlich hohe Erwartungshaltung treffen, wie es auch bei Die Dunkle Bedrohung der Fall war. Doch wenn Peter Jackson – oder vielmehr New Line Cinema – seine Versprechen einhält und nicht wie Lucas den Fehler begeht, den substanzlosen schönen Schein über den Inhalt zu stellen, um die jüngere Zuschauerschicht zu ködern (New Line visiert das Pendant zu "freigegeben ab zwölf" an), besteht eine gute Chance, daß sich das Ralph Bakshi-Debakel von 1978 nicht wiederholt.

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