Zum Inhalt springen

Passwort vergessen?

Jetzt registrieren

herr-der-ringe-film.de

THE TWO TOWERS LIVE - Besser als Kino

; Quelle: HDRF

Sechseinhalb Jahre ist sie alt, die Partitur des zweiten Teils der erfolgreichsten Filmtrilogie aller Zeiten und doch ist sie um keinen Tag gealtert. Nach der erfolgreichen Weltpremiere von THE FELLOWSHIP OF THE RING – LIVE TO PROJECTION im Februar vergangenen Jahres war es nun Zeit, sich an den zweiten Teil THE LORD OF THE RINGS – THE TWO TOWERS zu wagen. Luzern wurde ein weiteres Mal zur Hauptstadt Mittelerdes.

Bereits im September 2008 begann für Ludwig Wicki, Dirigent und musikalischer Leiter, die Arbeit an dem Projekt. Grobpartituren wurden durchgeschaut und Absprachen mit Maestro Shore getroffen. Was über ein Jahr zuvor begonnen wurde, musste nun fortgesetzt werden. Der unvergleichbare Erfolg einer Konzertreihe, wie es sie bisher noch nicht gegeben hat. Das Rezept? Ein überaus fähiges Team, bestehend aus Komponisten, Dirigent, Produzenten, ein grandioses Orchester und ein fabelhafter Chor. Das alles auf einmal gibt es nur in Luzern.

Um drei Abende voller Impressionen kurz zusammen zufassen: Der Soundtrack, zu dem an eine Großleinwand projizierten Film in High Definition mit deutschem Untertitel in dem knapp 2.000 Zuschauer fassenden Konzertsaal des Kultur- und Kongresszentrum Luzern, wird von einem über 200-köpfigen Ensemble bestehend aus Orchester, gemischtem Chor und Knabenchor absolut perfekt synchron eingespielt. Gänsehaut vorprogrammiert.

Die Generalprobe

Ein altes Theatergesetz lautet: Damit bei der Premiere alles klappt, muss bei der Generalprobe alles, was potentiell schiefgehen könnte, aber nicht schiefgehen darf, schiefgehen. Die Luzerner hebeln dieses Gesetz auf grandiose Weise aus. Ihre Formel lautet einfach: Passion.

Zu Beginn der Probe, der Saal ist noch voll erhellt, hört man die Musiker sich hier und dort einspielen. Ein Fünfvierteltakt aus Isengard ertönt vom Schlagwerk im Hintergrund, die Fidel probiert sich im Rohan-Thema und das Dulcimer wird für die Gollum-Melodien gestimmt. Ein Mann, unscheinbar, mit runden Brillengläsern betritt die Bühne, geht in die erste Reihe des Orchesters, schaut kurz in den Saal und begibt sich an sein Pult: Ludwig Wicki ist bereit, sein Ensemble durch knapp drei Stunden Musik zu manövrieren.

Nachdem etwa zwanzig Minuten lang Teile der Partitur zum Warmwerden wiederholt wurden, senkt sich das Saallicht und das ‚History Of The Ring‘-Thema ertönt majestätisch und in voller Pracht zu den Aufnahmen des Nebelgebirges. Der Film, gezeigt in der Kinoversion, vergeht viel zu schnell. Hier und dort hört man Maestro Wicki Anweisungen in das Orchester rufen, welches sofort auf darauf reagiert. Sue Sinclair, die die Partitur für dieses Konzert vorbereitete und eng mit Howard Shore an dessen Soundtracks arbeitet, sitzt in der ersten Reihe und ‚ließt‘ das Konzert in ihrer Ausgabe der Partitur mit. Kurz verständigt sie sich mit Maestro Wicki.

Pause. Begeistert wandeln wir durch den Saal und werfen ein Auge auf Howard Shore, der die Probe von der Parkettgallerie aus verfolgt. Zusammen mit Jean-Jacques Cesbron, dem ausführenden Vizepräsident von Columbia Artists Music und Produzent des Konzertes, unterhält er sich über diese und andere Aufführungen.

Nach der Pause geht es weiter. Zu unserer Überraschung steigen wir direkt ohne eine Reprise wieder in den Film ein. Nachdem Gimli uns erklärt, wie es sich mit den Zwergenfrauen verhält, fahren das Orchester und Chor im zweiten Teil voll auf und dröhnen mit dem grandiosen Bombast von Shores Partitur. Völlig überwältigt von allem hat wohl auch der Knabensopran seinen Einsatz bei ‚The March Of The Ents‘ verpasst.

Nachdem „Gollum’s Song“ gesungen und der letzte Ton verhallt ist, klatscht ein großer Teil des Probenpublikums begeistert. Theatergesetz Nr. 2: Nach einer Probe darf niemals geklatscht werden. Sonst naht das Unglück auf schnellen Schritten. So ging auch der zweite Teil viel zu schnell vorbei – doch die Weltpremiere rückte immer näher.

Die Weltpremiere

Ganz treu der Tradition fand eine Stunde vor der Premiere eine Einführung zusammen mit dem Komponisten Howard Shore satt. Wie auch im letzten Jahr, sollte Doug Adams, Autor der Annotated Scores und des in Kürze erscheinenden Buches „The Music Of The Lord Of The Rings Films“, die Moderation übernehmen. Da er aber zurzeit damit beschäftigt ist, sein Buch zum Verleger zu bringen, konnte er auch diesen Termin nicht wahrnehmen (Wir hoffen inständig auf nächstes Jahr!). Somit machte Pirmin Zängerle, Produzent des Abends, die Zuschauer mit dem Komponisten vertraut.

Beide zusammen brachten den Zuschauern die Kniffs undTricks einer solchen Aufführung auf großartige Weise näher. So erfuhr der interessierte Zuschauer Details über Shores Art zu komponieren, über die Verwendung und Charakteristik bestimmter Themen und Anekdoten aus der Welt eines Komponisten.

Ausverkauft. 1839 Zuschauer. 200 Musiker und Sänger. 179 Minuten Film, über zweieinhalb Stunden Musik. Nachdem unter Applaus das Orchester und der gemischte Chor die Bühne betrat, geht das Saallicht aus und der Dirigent des Abends, Maestro Ludwig Wicki, schreitet unter starkem Beifall aus dem Zuschauerraum auf die Bühne. Er richtet seinen Blick auf das Orchester, dann auf sein Pult, auf dem die in dunkelrotes Leder geschlagene Partitur liegt. Darüber befindet sich ‚Auricle‘.

Hauptaufgabe für den Dirigenten ist es, sein Orchester und den Chor zielsicher und synchron durch den dreistündigen Abend zu bringen. Die Dirigierhilfe, ein spezielles Computerprogramm mit Namen AURICLE, ermöglicht die akribische Synchronisierung der Melodiefragmente mit den Handlungssträngen. „Auf einem kleinen Bildschirm ist der gesamt Film, wie ihn das Publikum zu sehen bekommt, nochmals zu sehen, doch ist die Darbietung des Filmes auf dem ‚Auricle‘ mit farbigen Markierungen/Strichen und weißen, aufblitzenden Punkten, sogenannten ‚Punches‘ versehen“, erklärt Ludwig Wicki. „Die farbigen Streifen laufen durch das Bild hindurch von links nach rechts.“ Eine pinke Linie symbolisiert einen kommenden Einsatz, grüne und rote Linien markieren Anfangs- bzw. Endphasen und ein blaue beschreibt einen Tempi- oder Taktwechel.

Wie schon im vorigen Jahr hat Maestro Shore auch hier seine Partitur wieder ein wenig geändert. Insgesamt haben wir über 30 Änderungen gegenüber der im Film zu hörenden Version bemerkt. So wurde zum Beispiel der Chor in Ugluk’s Warriors wieder eingefügt, ‚Burning of the Westfold’ beinhaltet einen Ausbruch des Isengarder 5/4-Taktes, und eine verspielte Hobbitmusik ertönt, als Gollum zum Ende des ersten Teils die Hasen bringt. (Eine detailliertere Analyse findet ihr bald in dem neuen Soundtrack-Special von herr-der-ringe-film.de)

Doch die Theatergeister ließen die Aufführung unberührt. Frenetischer Applaus erfüllt den Saal. Fußgetrappel ertönt, als Howard Shore die Bühne betritt und sich beim Publikum und beim Ensemble bedankte. Diese Weltpremiere war atemberaubend. Leider müssen die Soundtrackliebhaber nun etwas über ein Jahr warten, bis Luzern ein vorerst letztes Mal zur Hauptstadt Mittelerdes wird.

Neuigkeiten von Howard Shore

Nach jedem Konzert gaben die Veranstalter den Fans die Gelegenheit, sich bei Maestro Shore Autogramme zu holen oder einen kurzen Plausch zu führen. So kam heraus, dass Howard Shore plant, sein Stück FANFARE, dass er für die größte Orgel der Welt, die Wanamaker Organ in Philadelphia, komponierte, auf CD zu veröffentlichen. Es überlegt sogar, es in Luzern aufzunehmen. Ebenso schreibt er zurzeit eine zweite Oper, die wahrscheinlich nach dem HOBBIT aufgeführt werden soll.

Fest steht, dass es weitergeht: Im April 2010 wird THE RETURN OF THE KING – LIVE TO PROJECTION Weltpremiere im KKL Luzern feiern. Zuvor wird es, zur Probe für den Gastauftritt des 21st Century Symphony Orchestras in der Radio City Music Hall New York, ein weiteres FELLOWSHIP-Konzert in Luzern am 25. September 2009 geben. Gerüchten zufolge werde man nach RETURN OF THE KING ganz in die Fußstapfen Richard Wagners treten und einen kompletten Ring-Zyklus á la Shore und Wicki aufführen. Wann dies geschehen wird, bleibt abzuwarten. Und: Das der HOBBIT – LIVE TO PROJECTION folgen wird, steht für alle Beteiligten ebenfalls außer Frage.

Wir halten euch über alles Weitere auf dem Laufenden!

(Danke Jim Ware für seine Analysen und GinosGirl für ihre gesunde Portion Euphorie)


Für alle Konzertbesucher, egal ob Luzern, München, London, Tampere, oder sonstwo: Berichtet von euren Besuchen und verabredet euch für vor-Ort-Treffen in unserem Forumsthread LOTR-Soundtrack-Konzerte 2009.

Weitere Berichte und Bilder aus Luzern findet ihr auf Doug Adams' Blog und in seinem Photoalbum.

Die Soundtrackkonzerte gehen weiter. Die Deutschlandpremiere von THE TWO TOWERS - LIVE TO PROJECTION findet in München am 6.4. im Gaststeig statt. Weitere Konzerte finden am 7.4. und 8.4. statt.

Sponsor
Anzeige

Die nächsten Termine

Zu den Terminen