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Von Spinnen, Smaug und Schlachten

; Quelle: Totalfilm

Vor achtzehn Monaten lief das Leben von Regisseur Guillermo del Toro noch in geordneten Bahnen und die kommenden 10 Jahre waren schon perfekt geplant. Dann kam der HOBBIT! „Ich hatte gerade alles vorbereitet, als völlig unerwartet der HOBBIT auftauchte und mein komplette Leben übernommen hat“, lacht er. Aber nicht, dass es zu einem Missverständnis kommt: Guillermo del Toro liebt den HOBBIT und er weiß besser als jeder andere, dass dieser Film vorerst der Höhepunkt seiner Karriere sein wird. Jamie Graham von TOTAL FILM hat den viel beschäftigten Mann in Wellington getroffen und mit ihm ein ausführliches HOBBIT-Interview geführt.

TOTALFILM: Das Design für den HOBBIT scheint viel länger zu dauern als bei anderen Filmen.

GUILLERMO DEL TORO: Seit einem Jahr sitzen wir jetzt [am Design]. Das ist sehr, sehr lang. Normalerweise dauert es bei Filmen wie HELLBOY nur ein Drittel dieser Zeit. Und man darf nicht vergessen, dass wir drei oder sogar vier Mal so viele Künstler dabei haben. Es werden Hunderte -- und ich meine Hunderte -- Design-Zeichnungen angefertigt und viele Dutzend Statuen; Dutzende Material-Tests. Das hat epische Ausmaße. Und auch wenn die Produktion läuft, werden wir weiter designen.

TOTALFILM: Und wie läuft die Arbeit am Drehbuch? Ich vermute Du hast da genau so viel Einfluss wie Peter Jackson, Fran Walsh und Philippa Boyens

GUILLERMO: Vor vielen, vielen Monaten haben wir uns zusammen gesetzt und mit Karteikarten die Struktur der zwei Filme entworfen. Wir haben uns täglich um 9 Uhr vormittags getroffen und haben dann stundenlang gearbeitet bis zum Nachmittag. Nachmittags hab ich mich dann den Arbeiten am Design gewidmet. Irgendwann haben wir uns dann in zwei Teams aufgeteilt. Sie haben an bestimmten Dingen gearbeitet und ich hab an anderen Dingen gearbeitet. Und so läuft das meistens, wenn ich mit jemandem ein Drehbuch schreibe. Und ich muss sagen, dass war großartig. Der Unterschied zu sonst war, die unglaubliche Zahl an Ideen, die wir pro Tag produziert haben, das war atemberaubend. Wir hätten drei oder vier unterschiedliche Versionen des HOBBITS schreiben können.

TOTALFILM: Du hast die Struktur erwähnt. Wird der Roman im ersten Film erzählt und für den zweiten Teil bedient ihr euch aus den anhängen und Eurer Fantasie? Oder werden im zweiten Film auch noch Stellen aus dem Roman vorkommen?

GUILLERMO: Wir respektieren die Struktur die Professor Tolkien etabliert hat, weil die Reihenfolge der Abenteuer im HOBBIT Generationen von Kindern wohl bekannt ist. So etwas möchte man gar nicht verändern. Aber wir werden Gandalfs Abenteuer mehr in die Handlung integrieren. Er verschwindet im Roman ja einige Male. Im Gegenteil zum Buch werden wir zeigen, wohin er verschwindet und was dort passiert.

TOTALFILM: Peter und Du, Ihr seid beide visionäre Filmemacher, die für ihre Visionen kämpfen. Wie sieht das aus, wenn ihr aneinander geratet?

GUILLERMO: Also bisher ist es soweit noch nicht gekommen. Wir diskutieren und jeder gewinnt auf seine Art dabei. Soweit ich das bisher beurteilen kann ist Peter der perfekte Produzent. Bisher wurde ich in meinem Leben zwei Mal von Filmemachern produziert und beide hießen Peter. Der eine war Pedro Almodóvar und der andere Peter Jackson. Mit beiden hab ich die Erfahrung gemacht, dass sie die perfekten Produzenten sind, weil sie selber Filme machen und weil sie etwas davon verstehen, sich nicht in die Regie einzumischen. Ein Produzent ist ein Produzent. Wenn es einen Notfall gibt, wenn irgendwas schief geht, dann kann und sollte der Produzent sich erst einmischen. Aber so lange alles läuft, wir in der Zeit sind und der kreative Output solide ist, so lange ist es nicht nötig.

TOTALFILM: Du liebst es deine Kreaturen zu entwerfen und offensichtlich gibts im HOBBIT eine ganze Menge Gelegenheiten dafür. Da gibt es den Drachen Smaug, die Spinnen aus dem Düsterwald, die Warge, Beorn den Bärenmenschen …

GUILLERMO: Ich habe den Jungs von Weta gesagt, dass wir die DNA aus dem Gen-Pool der Ring-Trilogie behalten, aber einen etwas anderen Charakter erschaffen werden. Beispielsweise sind viele Monster in der Trilogie einfach nur brutal und unartikuliert. Im HOBBIT aber sprechen die Kreaturen: Smaug hat einige wunderbare Dialoge, der große Ork hat einige wunderbare Zeilen, und viele andere auch. Daher gehen wir mit einem etwas anderen Ansatz ans Design. Bei uns ist nicht einfach alles nur gruselig. Außerdem wollte ich auch, dass einige Monster im HOBBIT majestätisch sind. Ich wollte, dass die Warge eine ganz besondere Schönheit haben, so dass es nicht mehr diese Klare Trennung gibt: Schönes ist gut und Hässliches ist böse! Einige unserer Monster sind absolut wunderbar!

TOTALFILM: Smaug wird nicht wie bei DIE HERRSCHAFT DES FEUERS sein. Was ist die große Herausforderung bei der Umsetzung dieses Charakters

GUILLERMO: Auf das Design von Smaug bin ich besonders stolz und wir haben auch am längsten dran gearbeitet. Eigentlich tun wir das immer noch. Wir arbeiten gerade an der Farbpalette und der Oberfläche. Aber der Hauptteil des Designs hat über ein Jahr in Anspruch genommen. Das lag unter anderem auch an den Besonderheiten des Drachen. Schon sehr früh hatte ich eine sehr genaue Vorstellung davon, wie wir Smaug von anderen Drachen abheben, das Problem bestand nur darin, das auch umzusetzen. Und ich glaube, das ist uns jetzt gelungen.

TOTALFILM: Was sind denn diese Besonderheiten?

GUILLERMO: Oh, das kann ich nicht verraten, das wäre ein zu großer Spoiler. Aber ich bin 100prozentig glücklich mit Smaug. Und wenn es so was wie 110prozentig gibt, dann auch das!

TOTALFILM: Wie sieht es mit den Spinnen aus? Wie gewissenhaft haltet ihr euch da an die Vorlage von Kankra aus DIE RÜCKKEHR DES KÖNIGS?

GUILLERMO: Ja okay, sie stammen aus der Brut von Kankra, aber Kankra war ein sehr promiskuitives Mädchen. [lacht] Sie hatte viele verschiedene Partner. Und Insekten und Spinnen sind ja unglaublich anpassungsfähig. Es wird viele Spinnen geben [… ], die visuell beeindruckend sein werden und sich total von Kankra unterscheiden. Ich wünschte ich könnte mehr erzählen, aber ich würde zuviel verraten. Sie werden sehr anders sein. Sie sind mehr Kreaturen des Schattens, Kreaturen des finstren Waldes. Sie nisten nicht am Boden, sondern in den Baumkronen, sie mussten sich also schon physikalisch an die Umgebung anpassen.

TOTALFILM: Werden die Szenen mit Smaug und den Spinnen super gruselig sein?

GUILLERMO: Natürlich, das hoffe ich auf jeden Fall. So gehen wir es jedenfalls an. In jedem guten Kinderfilm, sei es Miyazaki oder Disney gibt es mindestens eine oder zwei gruselige Szenen. Als ich den HOBBIT als Kind gelesen habe .. da gab es solche Szenen, beispielsweise dass Beorn vor seiner Hütte Orkköpfe aufgespießt hat [lacht]. Tolkien macht da keine große Sache draus. Und es ist einfach nicht möglich den Angriff des Drachen auf eine Stadt nicht gruselig zu machen. Das gleiche gilt für die Spinnen. Ich kann mir nicht vorstellen, wie man ungruselig zeigen sollte, wie Spinnen Leute einspinnen.

TOTALFILM: Hast du dich dafür mit echten Spinnen beschäftigt. Es gibt ja in Neuseeland einige ziemlich große Exemplare.

GUILLERMO: Ja, das haben wir. Es gibt einige Leute im Design-Team, die sind richtig besessen von Spinnen. Die haben sogar ihre eigenen Dokus über Spinnen gedreht. Die gehen raus, fangen Spinnen und fotografieren die Mundwerkzeuge mit Mikrolinsen. Das größte Problem bei flinken, langbeinigen Spinnen ist die Umsetzung des Gewichts. Kankra beispielsweise hing immer sehr tief, nah am Boden und hat sich wie ein Panzer bewegt. Unsere Spinnen sollten auch massig wirken, aber trotzdem ziemlich flink sein.

TOTALFILM: Kommst du mit echten Spinnen klar?

GUILLERMO: Nein! Ich vergöttere Insekten und ich bin von Spinnen fasziniert … Aber gleichzeitig habe ich auch totale Angst vor ihnen [lacht] Das hab ich übrigens mit Peter gemeinsam.

TOTALFILM: Wie siehts mit der epischen Größe des HOBBITS aus? Du hast ja in MIMIC oder HELLBOY oder BLADE II schon einige große Action-Sequenzen umgesetzt, aber nie etwas in der Größenordnung von der Schlacht der fünf Heere.

GUILLERMO: Nein, aber ich freu mich schon drauf! Auf der anderen Seite waren da so viele Schlachten in der Trilogie, dass ich mich als erstes Frage, wie können wir uns davon unterscheiden. Als die Trilogie in die Kinos kam, hat man so was noch nie gesehen, riesige Täler und Festungen, die von Kriegern überschwemmt werden. Aber nach der Trilogie kamen dann TROJA, NARNIA und andere. Und es wurde total üblich riesige CGI-Armeen gegeneinander kämpfen zu sehen. Aber wir haben eine gute Lösung gefunden, wie wir uns davon abheben können.

TOTALFILM: Also wird es im HOBBIT einschüchternder sein?

GUILLERMO: Ich wünschte, ich könnte das schon verraten! Alles was ich sagen darf ist, dass wir ein unglaublich gutes Team haben, die sich alle bewusst sind, dass wir nicht einfach einen neuen Teil vom HERRN DER RINGE drehen. Wir machen keinen Vierteiler oder Fünfteiler, sondern zwei eigenständige Filme, die zwar ins Gesamtbild passen, aber auch eigenständig funktionieren. Wir versuchen Dinge zu vermeiden, die gar nicht in den DNA-Pool der Trilogie passen, aber wir wollen auch nicht, dass die Leute sagen: Das haben wir alles schon mal gesehen. Ausnahmen sind natürlich die vertrauten Dinge, wie Hobbingen oder Bruchtal, da soll es sich schon so anfühlen, als ob man zu einem Film nachhause kommt, den man liebt.

TOTALFILM: Werdet ihr die gleichen dunklen, bedrohlichen Farben wie in der Trilogie verwenden?

GUILLERMO: Ich denke der HOBBIT wird bunter. Etwas opernhafter, etwas kauziger. Im Roman sind die Jahreszeiten sehr präsent und das nutzen wir auch als Basis für unsere Farbpalette.

TOTALFILM: Vermutlich wird es auch alles etwas magischer und märchenhafter?

GUILLERMO: Es wird natürlich viele Dinge geben, die man in dem Buch schon genossen hat. Zum Beispiel so ein Kammerspiel wie bei den Steintrollen, die darüber diskutieren, wie man Zwerge kocht. Das ist nur eine Kleinigkeit, aber gleichzeitig magisch und fast komisch, dass diese riesigen Monster darüber diskutieren, wie man Zwerge am besten zubereitet.

TOTALFILM: Und es wäre kein Guillermo del Toro Film, wenn er nicht auch eine poetische Seite besitzen würde. Oder?

GUILLERMO: Es gibt ganz viele magische Momente in dem Film. Peter hat die Trilogie eher aus Sicht eines Historikers erzählt, in der Trilogie ist die Welt sehr akkurat umgesetzt. Er ist wie ein Archäologie, der etwas ausgegraben hat, was es mal gab. Ich glaube beim HOBBIT dürfen wir das alles etwas poetischer angehen. Er ist etwas… wie soll ich das sagen… extravaganter.

Das komplette Interview (in englisch) gibt es unter Totalfilm.com

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