Zum Inhalt springen

Passwort vergessen?

Jetzt registrieren

herr-der-ringe-film.de

Mein Traumjob beim HOBBIT - Das exklusive Interview

; Quelle: HDRF

Sein halbes Leben hatte HERR-DER-RINGE-Fan Nick Krützfeldt (22) davon geträumt eines Tages bei der Verfilmung des HOBBITS mitzuarbeiten. Als die Dreharbeiten näher rückten, flog er ohne einen Penny in der Tasche und ohne Referenzen nach Neuseeland, um sich bei Weta Workshop zu bewerben. Aber seine Leidenschaft und Begeisterung überzeugten die Filmemacher und so wurde der Bremener tatsächlich Teil der HOBBIT-Filmcrew. Im exklusiven Interview berichtet Nick, wie es dazu kam, wie es war die Stars zu treffen und wie der Alltag hinter den Kulissen der Effekteschmiede tatsächlich aussieht.


HDRF: Seit wann bist Du ein Fan von Tolkien und seinen Werken?

Nick: Seit ich mit 12 Jahren DIE GEFÄHRTEN gesehen habe. Erst wollte ich gar nicht in den Film, aber eine Freundin hat mich überredet. Als ich aus dem Kino kam, war ich Feuer und Flamme. Ich war richtig fanatisch und bin ungefähr 30 Mal in den ersten Teil gegangen. Ich hatte Legolas-Poster an den Wänden, und viele Puzzle und Spiele. Ein totaler Fan halt.

HDRF: Was genau hat dich so begeistert?

Nick: Damals während meiner Pubertät ging mir in Deutschland irgendwie alles gegen den Strich, vor allem natürlich die Schule. Ich habe mich unter anderem nach mehr Natur gesehnt und habe mir Elfenwälder und so etwas in meiner Fantasie vorgestellt. Ich habe dann auch Computerrollenspiele gespielt und bin auf Liferollenspiele gegangen. Motiviert durch den HERRN DER RINGE wollte ich irgendwie selbst kreativ werden. Ich habe dann angefangen eigene Kostüme und Masken zu erstellen. Durch die Filme wurde aber natürlich auch meine Begeisterung für Neuseeland geweckt.

HDRF: Hattest Du damals schon mit dem Gedanken gespielt eines Tages nach Neuseeland zu reisen?

Nick: Ja klar. Direkt nach dem Film hab ich schon gesagt: Mutti, ich geh nach Neuseeland! Und so ist es dann auch gekommen.

HDRF: Und wie bist du dann genau zu Weta Workshop gekommen?

Nick: Ich hatte mich mit 17 das erste Mal bei Weta beworben. Ich hatte extra eine Mappe zusammengestellt mit Fotos von meinen Masken, LARP-Gewandungen und Zeichnungen. Aber es kam nie eine Antwort. Als ich dann nachgehakt habe, wurde mir mitgeteilt, dass sie derzeit niemanden einstellen würden. Damals war ja noch gar nicht klar, ob der HOBBIT überhaupt gedreht würde. Ich hab dann also erst mal abgewartet und mein Abi gemacht. Anschließend hab ich den Flug nach Neuseeland gebucht und dachte, ich lass es jetzt einfach mal drauf ankommen. Ich hatte einfach dieses Gefühl: Ich muss da jetzt einfach hin! In Neuseeland hab ich mir erst mal ein Visum besorgt und zusammen mit einem Freund ein Auto gekauft. Von Auckland sind wir dann quer durch Neuseeland gereist, haben uns verschiedene Drehorte von DER HERR DER RINGE angeschaut und wollten sogar auf das Auenland-Set einbrechen, sind aber von dem Farmer verjagt worden. [lacht] Nach etwa zwei Monaten, im Oktober 2010, sind wir dann in Wellington angekommen. Ich hab mir ein frisches Hemd angezogen und bin mit dem Bus zu Weta Workshop gefahren, um mich vorzustellen. Das war so krass. Alles war so groß, die Hallen und Studios. Ich bin dann einfach rein in die Rezeption und hab mich vorgestellt. Das war einer der aufregendsten Momente meines Lebens, ich hab mir fast in die Hose gemacht. Ich hatte extra Kaffee mitgebracht, weil ich dachte das wäre ganz nett und den hab ich dann auch ausgegeben. Aber ich wurde trotzdem wieder weggeschickt. Ich kam mir damals vor, wie Merry und Pippin bei Elronds Rat, die sagen: Ihr müsst uns schon im Sack verschnürt nachhause schicken, damit wir nicht mitkommen.

HDRF: Du bist also hartnäckig geblieben?

Nick: Ja, genau. Ich habe mir erst mal eine Wohnung ganz in der Nähe von Weta Workshop gesucht, weil ich mir dachte, dass meine Chance noch nicht vorbei ist. Über drei Monate hab ich es dann immer wieder bei Weta versucht, wurde aber unzählige Male abgelehnt. Olivia [Harris], die Personalchefin, war super lieb, aber hat mir klar gemacht, dass im Moment echt gar nichts geht. Damals gab es gerade diese Diskussion, ob der HOBBIT überhaupt in Neuseeland gedreht wird, oder nicht. Aber dann eines Tages, hab ich in den Nachrichten gelesen, dass der HOBBIT in Neuseeland bleibt. Ich bin sofort zu Weta gefahren! Und Weta Workshop Supervisor Rob [Gillies] hat sich dann tatsächlich fünf Minuten Zeit genommen, sich meine Mappe angeschaut und gesagt: Wow, das ist toll. Du kannst im Prinzip sofort anfangen. Und dann ging es los. Im Februar 2011 hatte ich meinen ersten Tag bei Weta Workshop.

HDRF: Erinnerst du dich noch, wie das war?

Nick: Mein erster Tag war einfach unbeschreiblich. Ich hatte ja vorher immer nur die Rezeption gesehen, aber dahinter in den großen Hallen ist natürlich kein öffentlicher Zutritt, da darf keiner rein, ganz große Geheimhaltung. Ich hab also an dem ersten Tag meinen 15-seitigen Vertrag unterschrieben und danach wurde ich dann das erste Mal durch die Sicherheitstüren geführt. Und dann ging es halt los, dann sieht man plötzlich alles! Auf einmal sieht man die ganzen schönen Sachen für die HOBBIT-Filme und einem wird bewusst, wo man hier überhaupt ist.

HDRF: Und war es dann so, wie du es dir vorher erträumt hast?

Nick: Die Arbeit bei Weta wird schneller Alltag als man denkt. Das ist ganz anders, als man es sich als Fan vielleicht vorstellt. Ich habe erst gedacht, dass die Arbeit dort immer extrem kreativ sei und man Seite an Seite mit Peter [Jackson] und Richard [Taylor] am Set arbeitet und den Schauspielern Orkmasken aufsetzt. Aber so ist es eben nicht. Tatsächlich besteht die Arbeit aus sehr vielen Überstunden. Das geht irgendwann auch in die Knochen, man hat eine starke körperliche Belastung. Peter Jackson hab ich während der ganzen Zeit kein einziges Mal getroffen. Dafür aber natürlich Richard Taylor, dem bin ich am ersten Tag auf der Toilette begegnet. Der hat echt immer diese wüsten Haare. Ein unglaublich netter Kerl.

HDRF: Wie lange hast du genau bei Weta gearbeitet?

Nick: Also am Anfang dachte ich, dass sie mir nur ein Praktikum für eine oder zwei Wochen anbieten. Und so nach zwei Wochen wurde ich dann auch langsam nervös, weil ich nicht wusste, wie es weitergeht. Von Weta bekam ich nichts Konkretes gesagt und meine Eltern wollten, dass ich endlich eine ordentliche Ausbildung mache oder an die Uni gehe. Ich hab dann den Leuten bei Weta erklärt was mein Dilemma ist, weil ich ja unbedingt weitermachen wollte. Ich habe an mir selbst gezweifelt und war richtig fertig. Da meinte Supervisor Rob Gillies: Entweder gehst du jetzt an eine Uni und lernst einen Bürojob, oder du bleibst länger und wir bringen dir bei, wie man Monster macht. Was denkst du? Und da war meine Entscheidung klar. Ich habe dann fast ein Jahr bei Weta gearbeitet.

HDRF: War es für dich etwas Besonderes jeden Tag mit all diesen kreativen Köpfen bei Weta zusammen zu arbeiten?

Nick: Schon, aber man sieht sich ja jeden Tag und irgendwann entsteht auch eine Routine. Meine Helden wurden zu Menschen, die auch ihre Schwächen haben. Irgendwie kocht ja jeder nur mit Wasser und irgendwann tritt natürlich auch Ernüchterung ein. Andererseits ist man auch stolz, dass die eigenen Helden zu Kollegen oder sogar Freunden werden.

HDRF: Was genau war denn deine Aufgabe beim HOBBIT?

Nick: Unter der Woche habe ich hauptsächlich als Silikontechniker gearbeitet habe. Was ich genau gemacht habe, darf ich aber natürlich nicht verraten. Ich war dann aber auch am Wochenende bei Weta, und da durfte ich dann auch in viele andere Bereiche reinschnuppern und mich auch kreativ betätigen. Ich hab eigentlich überall mitgeholfen, wo Not am Mann war. Durch meinen Ehrgeiz hab ich die Möglichkeit gehabt, mich mehr weiterzubilden, als in der regulären Arbeitszeit möglich gewesen wäre.

HDRF: Hattest du auch die Chance, die Schauspieler zu treffen?

Nick: Ja, sogar mehrere. Einmal kam beispielsweise Ian McKellen in den Silikon-Raum. Er ist immer so toll angezogen. Als ich ihn dann vor mir gesehen hab, kamen richtig die Emotionen hoch. Wow, das ist Gandalf, der den Balrog vernichtet hat. Äußerlich bin ich aber professionell geblieben und hab ihm die Hand geschüttelt. Ich hätte ihm ja unglaublich gerne mal die Witze von LORD OF THE WEED erzählt. [lacht]

HDRF: Bist du auch einem der Hobbits begegnet?

Nick: Ja, eines Tages kam Elijah Wood rein. Mein Vorgesetzter Luke Hawker und Elijah kannten sich noch von DER HERR DER RINGE. Die waren oft zusammen einen trinken und sind sich richtig in die Arme gefallen. Elijah hat so unglaublich blaue Augen, dass es weh tut. Er ist ein richtig charismatischer Mensch. Aber die krasseste Begegnung war folgende: Eines Tages stand dann so ein Typ vor meinem Arbeitstisch, aber ich war so in meine Arbeit vertieft und hatte auch meine Brille nicht auf, dass ich nicht gesehen habe, wer das war. Er roch sehr gut, aber weiter hat‘s mich nicht gekümmert. Als er dann wieder weg war, wurde plötzlich getuschelt: Hey das war gerade Orlando Bloom. Und ich dachte nur, dass kann doch nicht wahr sein! Kurz hab ich noch überlegt, ob ich mich professionell verhalten soll, weil bei Weta Workshop erwartet Orlando sicher nicht, dass irgendwelche Fans ihn anspringen. Aber ich konnte nicht anders. Ich bin ihm dann hinterher und hab ihn angesprochen. Das war unglaublich, meine Beine haben richtig gezittert, mein Gesicht hat irgendwelche komischen Mimiken gemacht, die ich nicht mehr kontrollieren konnte. Da kam so viel hoch, ich war richtig überfordert mit der Situation. Ich habe ihm erzählt, dass er mein absoluter Held aus meiner Kindheit ist und dass ich mit 12 so sein wollte wie Legolas. Orlando war extrem freundlich, hat mich umarmt und wir haben ein Foto zusammen gemacht. Ich hatte in dem Moment einen unglaublichen Adrenalin-Kick. Ich war überglücklich und hab noch eine halbe Stunde gezittert.

HDRF: Was war rückblickend für dich die wichtigste Erfahrung, die du bei Weta gemacht hast?

Nick: Ich habe gelernt, dass man mit einer Idee vielen Menschen Hoffnung machen kann. Wenn man zum Visionär wird, kann man die ganze Welt bereichern. Richard Taylor ist für mich schon immer ein Held gewesen. Er hat aus dem Nichts etwas so Großes aufgebaut. Dafür braucht man außer Mut eigentlich nicht viel. Mit Mut kann man viel erreichen. Und alles ist möglich.

HDRF: Jetzt bist du seit kurzem wieder in Deutschland, wie geht es jetzt für dich weiter?

Nick: Die Gesellschaft will mir vorschreiben, dass man eine Ausbildung machen muss, aber das Problem, ist, dass eigentlich keine Uni mir das anbietet was ich suche. Es gibt zwar Spezialeffekt-Firmen, aber die bieten auch keine Ausbildung an. Deswegen habe ich beschlossen, mich selbständig zu machen. Und zwar möchte ich Dinge fürs LARP herstellen, die erschwinglich sind, aber den Anspruch für Film erfüllen. Anfangen werde ich vermutlich erst mal mit Requisiten wie abgehackten Armen und Beinen, aber dann zur Fertigung von Masken und Gewandungen übergehen. Ich freue mich übrigens immer über Interessenten.

HDRF: Auf welchen LARPs kann man deine Kreationen denn bewundern?

Nick: Ich werde dieses Jahr auf einigen Großcons wieder sehr aktiv sein. Auf dem Conquest of Mythodea werden meine Freunde und ich als Bauern Gemüse verkaufen. Ansonsten bin ich auf dem Drachenfest und dem Epic Empires. LARP macht mir immer noch unglaublich viel Spaß und ich vergesse nicht woher ich komme. Meine Ansprüche an meine eigene Arbeit sind natürlich extrem gewachsen, aber deswegen setze ich meine Maßstäbe fürs LARP nicht höher. Ich freue mich aber, wenn ich andere Leuten inspirieren kann.

HDRF: Möchtest du irgendwann noch einmal zurück nach Neuseeland?

Nick: Ja unbedingt, aber nicht in naher Zukunft. Jetzt hab ich erst mal meine Pläne für Deutschland. Aber Neuseeland ist ein unglaublich schönes Land. Zwei Orte haben mich besonders beeindruckt. Der erste ist Paradise [bei Glenorchy]. Da ist damals unglaublich viel für den HERRN DER RINGE gedreht worden, das ist ein wunderschönes Gebiet umgeben von Gebirgen, der absolute Wahnsinn. Mein absoluter Tipp für den Urlaub ist aber Golden Bay im Norden der Südinsel: Die Gegend um den Hippie-Ort Takaka ist einfach nur schön. Da wurde übrigens auch für den HOBBIT gedreht.

HDRF: Apropos HOBBIT, im Dezember kommt der erste Teil in die Kinos. Meinst du er wird den Fans trotz der vielen Änderungen gefallen?

Nick: Ich bin ja selbst ein Fan. Den HOBBIT-Roman hab ich mit 12 gelesen. Aber bei der Verfilmung ist es natürlich so, dass der Druck auf die Produzenten unglaublich groß ist. Es ist sehr, sehr viel Geld im Spiel und es gibt jede Menge Leute, die mitreden. Entscheidungen werden nicht mehr von Einzelpersonen gefällt. Und ein Film kann ja gar nicht in dieser Größenordnung produziert werden, wenn man nicht ein großes Publikum anspricht. Also muss man auch Abstriche machen. Aber trotzdem denke ich, dass der HOBBIT unglaublich toll wird.

HDRF: Meinst du, du kannst den HOBBIT im Kino noch unvoreingenommen genießen?

Nick: Nein, ich befürchte nicht. Vermutlich werde ich die ganze Zeit denken: Das habe ich gemacht, da hat mein Chef dran gearbeitet, da hat mein Boss mit Faxen gemacht. Wir haben dauernd Faxen gemacht. Es gab keinen Tag, wo Richard Taylor nicht irgendwie mit einem Flitzebogen durchs Gebäude rennt, weil er so stolz auf die Arbeit seine Mitarbeiter ist. Einmal habe ich nachts durchgearbeitet und plötzlich höre ich hinter mir seltsame Geräusche. Als ich mich umdrehe sehe ich, dass Richard Taylor hinter mir mit einem aufgespießten Totenkopf herum albert. Das gab es dauernd: Wenn man ein Kostüm macht, dann läuft man auch einfach mal damit rum, um zu testen wie es sitzt. Die Leute, die die Waffen machen, schießen auch die ganze Zeit damit rum.

HDRF: Was würdest du anderen Fans raten, die genau wie du so einen Traum haben?

Nick: Ich bin ja noch sehr jung, aber wenn ich aus meiner jetzigen Position jemandem einen Tipp geben würde, ganz egal ob derjenige leidenschaftlicher Fotograf ist oder Maler, dann wäre es der, dass man sich von niemandem etwas vorschreiben oder sich Steine in den Weg legen lassen darf. Denn die Gesellschaft verlangt ganz andere Dinge von einem als das Leben. Wenn ich mich nach der Gesellschaft gerichtet hätte, dann wäre ich jetzt an irgendeiner Uni und würde BWL studieren. Egal ob Lehrer, Freunde oder Verwandten, alle raten einem, dass man möglichst einen normalen Weg geht, mit Sicherheit, und Haus und Hof. Aber ich hab mir das von niemandem vorschreiben lassen. Hätte ich auf irgendjemand gehört, wäre ich niemals nach Neuseeland gefahren. Wirklich alle haben gesagt: Das klappt niemals. Aber siehe da: Es hat doch geklappt! Wichtig ist, dass man nie aufhört, an sich selbst zu glauben.

Sponsor
Anzeige

Die nächsten Termine

Zu den Terminen

*