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LOTR und HOBBIT: Ein Vergleich der Produktionen

; Quelle: HDRF

Es gibt viele Parallelen zwischen den beiden Trilogien: Ein Großteil der Crew kam für die Dreharbeiten wieder zurück an Bord, die gleichen Designer arbeiten an der Gestaltung, der gleiche Kameramann fängt die Geschichte bildlich ein und die gleichen FX-Spezialisten sorgen für den Bums. Aber es gibt auch jede Menge Unterschiede zwischen den Produktionen von DER HERR DER RINGE und DER HOBBIT. Ein paar davon sind höchst interessant, denn sie prägen die jeweilige Trilogie nachhaltig. Und obwohl sich einiges beim Dreh von DER HERR DER RINGE bewährt hatte, wird es beim HOBBIT nicht mehr so gemacht. Warum eigentlich?

Independent gegen Major

Die Produktion von DER HERR DER RINGE gilt auch deswegen als beachtenswert, weil sie seinerzeit komplett vom Independent Filmstudio New Line Cinema gestemmt wurde. Die kleine Filmfirma war 1967 von Robert Shaye gegründet worden, und produzierte einige berühmte Horrorfilme, aber auch Filmperlen wie SIEBEN oder AMERICAN HISTORY X. Shayes Entscheidung, den HERRN DER RINGE zu verfilmen war vermutlich eine der mutigsten Entscheidungen der Filmgeschichte, denn diese Produktion sollte über das Leben und Sterben von New Line Cinema entscheiden. Der Vorteil von New Line war, dass man sich dort kreativ austoben konnte, ohne dass einem ein Megakonzern irgendwelche Vorschriften machen konnte. Anders als bei den Konzernen herrschten bei New Line Cinema außerdem relativ flache Strukturen.

Die Geschäftsführer Bob Shaye und Michael Lynne standen immer in direktem Kontakt mit Peter Jackson, New Line Produzent Michael Ordesky war rund um die Uhr beim Dreh dabei und Produktionschef Michael De Luca (damals erst 32 Jahre alt) beantwortete sogar persönlich die vielen E-Mail-Anfragen der Fans. Es war eine Zeit der Unschuld und der fehlenden Erfahrung; ein Mitarbeiter verglich die Atmosphäre bei New Line sogar einmal mit der eines Studentenwohnheims. Natürlich wurden damals auch viele Fehler gemacht und falsche Entscheidungen getroffen, aber diese Naivität und der Idealismus sind ohne Zweifel im HERRN DER RINGE zu spüren – Positiv wie viel meinen. Doch diesmal ist das anders. Nachdem die Ring-Trilogie das Franchise zu einem Milliarden-Geschäft gemacht hat, steckt nun eine gewaltige Industrie hinter dem HOBBIT, die um ein vielfaches größer und mächtiger ist als die New Line Cinema Produktion von damals. Zwar wird auch beim Vorspann von DER HOBBIT noch das New Line Logo auf der Leinwand erscheinen, doch das Studio wird nur noch symbolisch von einer Handvoll Mitarbeiter am Leben gehalten. Der eigentlichen Strippenzieher hinter dem HOBBIT ist der Multi-Milliarden-Dollar-Konzern Time Warner, einer der mächtigsten Medienkonzerne der Welt, der schließlich sogar die neuseeländische Regierung in die Knie zwang und Oktober 2010 eine Gesetzesänderung zum eigenen Vorteil bewirkte. DER HOBBIT wird der kalkulierte Erfolg, bei dessen Produktion nichts dem Zufall überlassen wird. Dies ist nicht verwunderlich, denn vermutlich wird der HOBBIT doppelt so viel kosten wie DER HERR DER RINGE. Und wenn man über eine halbe Milliarden Dollar in eine Film-Trilogie steckt, dann will man auch auf Nummer sicher gehen, dass sie erfolgreich ist. Der „Verlust der Unschuld“ ist bei Vorberichterstattung und Marketing jetzt schon spürbar, ob dies auch auf der Leinwand der Fall sein wird, bleibt abzuwarten.

3D fordert Opfer

Die Entscheidung den HOBBIT in 3D zu drehen, war fast unausweichlich. Peter Jackson hatte sich schon lange für 3D-Umsetzungen interessiert, so sie denn gut gemacht waren. Außerdem bedeutet die 3D-Etikettierung bei einem Film seit AVATAR – AUFBRUCH NACH PANDORA eine spürbare Zuschauersteigerung. Sicherlich hätte Tim Burton nicht im Traum daran gedacht, dass seine ALICE IM WUNDERLAND Adaption durch die 3D-Umsetzung über eine Milliarden Dollar einspielen würde.

Aber die technische Umsetzung von 3D erfordert auch einige Änderungen im Produktionsprozess. DER HERR DER RINGE galt als handwerkliches Meisterwerk in Sachen „Forced Perspective“, also einer Technik, bei der zwei gleich große Schauspieler perspektivisch so gefilmt werden, dass der eine groß und der andere klein erscheint. Die Idee dahinter ist alt, aber Peter Jackson und sein Team schafften es als erste, die Technik mit einer bewegten Kamera umzusetzen. So entstanden die legendären Szenen von Frodo und Gandalf am Tisch in Beutelsend oder die Kutschfahrt durchs Auenland. Die Technik erntete viel Applaus und schaffte es sogar in die Ausstellung zur Verfilmung. Doch das Verfahren hinter der bewegten „Forced Perspektive“ ist ein 2D-Trick, der mit 3D-Kameras nicht mehr möglich ist. Und so muss im HOBBIT komplett auf diese Technik verzichtet werden. (Nachtrag: Es wird in einigen Szenen dennoch mit Perspektive gearbeitet)

Ein weiteres Opfer bilden die Modelle. Regisseur Peter Jackson hatte bei DER HERR DER RINGE immer die Wichtigkeit von physischen Modellen betont. Während Regisseure wie George Lucas mehr und mehr auf digitale Welten umstiegen, ließ Jackson Helms Klamm, den Orthanc, Minas Tirith und viele Orte mehr als gigantische Modelle in den Hallen von Weta Workshop bauen. Die Idee dahinter war es, dass ein physisches Modell immer noch realistischer aussieht als ein digitales. Aber die Aufnahmen mit hochauflösenden 3D-Kameras machen Modellaufnahmen kaum möglich, denn sie würden spätestens im Compositing den miniaturhaften Charakter des Modells enthüllen. (Die physischen Modelle, die für den HOBBIT gebaut wurden, dienten nur Kulissenbauern und Digitalkünstlern als Orientierung.) Die Entscheidung für 3D war letztendlich eine Entscheidung gegen physische Modelle und „Forced Perspective“ Aufnahmen. Und damit verliert der HOBBIT einen großen Teil des cineastischen Charmes der HERR DER RINGE Trilogie.

CGI vs. MakeUp/Animatronic

Weil die Computertechnik vor 10 Jahren noch nicht so weit war, wurde bei DER HERR DER RINGE noch viel mit physischen Effekten gearbeitet, auch wenn es darum ging Kreaturen zum Leben zu erwecken. Bis Darsteller Lawrence Makoare als Uruk-Anführer Lurtz vor die Kamera treten konnte, musste er erst 12 Stunden in der Maske sitzen, und damit Pippin und Merry in den Ästen von Baumbart sitzen können, wurde Baumbart als riesige Animatronic-Puppe gebaut.

Doch seitdem hat die Computertechnik, auch dank Weta Digital, enorme Fortschritte gemacht. Und so werden nicht nur Gollum und die Trolle, sondern auch ein viele andere Charaktere im HOBBIT aus dem Computer stammen. Hätte man 1999 die Klauen der Adler beim „Transport“ der Zwerge vielleicht noch in Originalgröße gebaut, hing Bombur-Darsteller Stephen Hunter für DER HOBBIT nur in riesigen grünen Würsten. Aber auch Oberork Azog oder der Anführer der Orks aus dem Nebelgebirge werden am Computer entstehen. Obwohl die Umsetzung eines Special-Effects eigentlich unerheblich ist, denn es geht ja darum, dass man den Effekt gar nicht als solchen wahrnimmt, wird die digitale Version von vielen Cineasten oft als zu artifiziell kritisiert. Auch der ehemalige HOBBIT-Regisseur Guillermo del Toro hatte seinerzeit betont, dass er eigentlich so wenig wie möglich am Computer und mehr mit Modellen und Animatronics arbeiten wolle, mit seinem Ausstieg war aber auch diese Idee dann hinfällig. Peter Jackson setzt nun radikal auf Rechen-Power. Allerdings muss auch berücksichtigt werden, dass mit dem speziell für AVATAR – AUFBRUCH NACH PANDORA entwickelten Performance Capture Verfahren unglaublich realistische Charakter-Darstellungen möglich sind. Lassen wir uns überraschen.

Studio vs. Landschaft

„Raus in die Natur“ lautete das Motto bei den Dreharbeiten zu DER HERR DER RINGE. Ein Großteil der Szenen wurde tatsächlich unter freiem Himmel mitten in der neuseeländischen Landschaft gedreht, ob im Gebirge, auf Hochebenen oder im Stadtpark von Wellington. Besonders in DIE GEFÄHRTEN ist diese Naturnähe spürbar. Doch das Verfahren hatte einige Nachteile: Die Drehs in der Natur bedeuten immer einen riesigen logistischen Aufwand, zudem ist jeder Drehtag stark vom Wetter und vom Tageslicht abhängig. Während DER HERR DER RINGE Drehs musste oft tagelang pausiert werden, wenn es mal wieder in Strömen regnete. Und wenn es unerwartet im Frühjahr schneite, mussten die Schneemassen mit Riesen-Föhns weggeschmolzen werden. Deswegen sind Außendrehs bei vielen Hollywood-Regisseuren sehr unbeliebt. Roland Emmerich beispielsweise produziert seine Filme am liebsten komplett im Studio, um die Kontrolle über Wetter und Licht zu haben.

Doch Peter Jackson war lange Zeit der Meinung, dass nur die Dreharbeiten am realen Drehort dem Film das richtige Feeling verleihen würden. Doch dann kamen die Nachdrehs zu RÜCKKEHR DES KÖNIGS und Meinungen ändern sich. Wenige Monate vor Kinostart des dritten Films hatten Peter Jackson und seine Crew der Handlung noch ein paar Wendungen verpasst, die nun in kürzester Zeit umgesetzt und nach gedreht werden mussten. Da war keine Zeit mehr für aufwändige Kulissenbauten und Location-Drehs, und so ließ Peter Jackson fast alle neuen Szenen vor einem Greenscreen in den Stone Street Studios drehen. Große Teile der Szenen in Edoras und auf den Pelennor-Feldern des dritten Teils entstanden daher komplett im Studio. Und Peter Jackson sah, dass es funktionierte. Die Schlussfolgerung lag auf der Hand: Warum nicht einfach mehr im Studio drehen? Das war günstiger und nicht so aufwändig. Und so beschloss Peter Jackson für den HOBBIT vermehrt auf Studio-Aufnahmen zu setzen, und nur für das absolut Notwendige sollte es raus in die Natur gehen. Das Landschaftsaufnahmen im HOBBIT nicht fehlen dürfen, ist Jackson bewusst, aber es musste ja nicht direkt alles in der Natur gedreht werden. Nur ein Beispiel: Im Jahr 1999 war das Elben-Domizil Bruchtal noch in einem wilden Park nördlich von Wellington gebaut worden, zwischen echte Bäume und unter freiem Himmel. Das Bruchtal-Set von 2011 befand sich aber komplett im Studio unter künstlichem Licht und zwischen künstlichen Bäumen. Auch solche atemberaubenden Sets wie das Edoras-Set im Rangitata Valley bei Erewhon gibt es im HOBBIT nicht mehr. Seestadt wurde nicht auf echten Pfählen in einem echten See aufgebaut, so wie es viele gehofft hatten, sondern nur als Kulisse vor dem Greenscreen im Backlot der Stone Street Studios. Dass man diesen Unterschied sehen wird, werfen die Skeptiker Jackson jetzt schon vor.

Tolkien neu geschrieben

Ein spürbarer Unterschied zur HERR DER RINGE Trilogie wird beim HOBBIT sein, dass ein Großteil der Handlung selbst für eingeschworene Tolkien-Fans komplett neu sein wird, denn bekannter weise gibt Tolkiens Original-Material aus dem Kinderbuch und den Anhängen nicht so viel her, dass man daraus drei abendfüllende Filme machen könnte. Zwar wissen wir um die Geschehnisse in Dol Guldur und dem Weißen Rat, wie diese aber genau umgesetzt werden, bleibt bis zum Kinostart eine Überraschung. Plots wie Gandalfs und Radagasts Erkundigungen in Angmar, sowie die Geschichte von Azog dem Schänder, stammen größtenteils aus der Feder von Jackson, Walsh und Boyens. Ebenso ist es mit der Handlung um Charaktere wie Drogo Beutlin oder Tauriel die Waldelben-Kriegerin. Das Werk des Oxforder Professors muss zurücktreten hinter einer zeitgemäßen Anpassung an Erzählgewohnheiten, Dramaturgie und Vermarktung der Filme. Richtig umgesetzt kann das ziemlich gut werden, aber hat selbst dann nur noch wenig mit dem Werk von J.R.R. Tolkien zu tun. Und wie geht man als Tolkien-Fan damit um? Akzeptiert man alle Änderungen als natürlich Entwicklung des Mythos (so wie Tolkien es eigentlich auch selbst immer gewollt hat) oder bleibt man puristisch und verweigert sich der Gedankenwelt von Jackson und Co?

Zugegeben, diese Auflistung hat einen leicht pessimistischen Einschlag bekommen. Vielleicht ist es nur die natürliche Furcht vor dem Neuen oder Veränderung, die dies heraufbeschworen hat. Vielleicht ist es auch die Nachwirkung der Enttäuschung, die sich ob der Geschichte von Aragorn in DIE ZWEI TÜRME oder der Künstlichkeit bei DER RÜCKKEHR DES KÖNIGS eingestellt hat. Andererseits ist Peter Jackson ein Meister seines Fachs und hat schon viel richtig gemacht. Was sagt ihr? Steht ihr diese Änderungen eher kritisch gegenüber oder vertraut ihr Peter Jackson bei der Umsetzung des HOBBITs zu 100%? Diskutiert mit uns hier im Forum über diese Unterschiede zwischen dem HOBBIT und DER HERR DER RINGE.

UPDATE:

User PJAssistant hat im Forum bemängelt, dass ich mich zu sehr auf die negativen Aspekte beschränke und nicht auch die positiven Unterschiede hervorhebe. Um dem an dieser Stelle gerecht zu werden, möchte ich an dieser Stelle einen Auszug aus seinem Beitrag veröffentlichen:

"Man sollte noch stärker hervorheben, dass sich die CG- Technik von die ROTK bis heute ENORM verändert hat. (Unter anderem durch Filme wie AVATAR und PLANET DER AFFEN: PREVOLUTION, etc.) Das ist ein Unterschied wie Tag und Nacht, wenn man bedenkt dass man im Jahr 2012 auch die Leistung von AVATAR noch deutlich übertreffen kann. Also was ich meine: Der Aspekt, dass real gefilmtes Material immer echter wirkt ist nach wie vor vorhanden! Doch wird er mit voranschreitender Technik immer geringer [...] der HOBBIT gewinnt gleichzeitig einen neuen unglaublich reizvollen Charme im allgemeinen (durch verschiedene Methoden) z.B. der gelbliche Farbton, die optische, hohe Qualität, die extravagante Charakterzeichnung, der tolle Einsatz von Licht bei den Trollhöhen und Bruchtal, der wahrscheinlich höhere Detaildichte, usw... "

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